28.01.2015 //

BIP-Titelthema: Einkauf als Business-Partner

Im Fokus von Ausgabe 1/2015 steht die neue Führungsrolle des Einkaufs.

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Das neue BIP-Magazin ist am vergangenen Freitag erschienen. Im Fokus der Titelgeschichte steht der Weg des Einkaufs zum Business Partner: Er wandelt sich von der Unterstützerfunktion in eine Führungsrolle. Er muss Treiber statt Mitläufer sein, Chancen zur Wertoptimierung erkennen und sie im Unternehmen sowie gegenüber den Lieferanten verkaufen.

Im Heftartikel der ersten BIP-Ausgabe 2015 finden Sie drei Praxisbeispiele, wie die neue Rolle des Einkaufs beim Pharmakonzern Merck, dem Medizinprodukt-Hersteller Coloplast und dem Verkehrssicherheitsspezialisten Swarco in der Praxis aussieht.

Erforderlich: Starkes Netzwerk und partnerschaftliche Arbeit

Einkaufstrainer Ohanes Missirilian definiert Procurement Business Partnering (PBP) folgendermaßen: "Als Business Partner agiert der Einkäufer gegenüber den Fachabteilungen als professioneller Berater, der Rat, Anleitung und Dienstleistungen auf der Basis ihrer Geschäftsziele, Strategien und Anforderungen zur Verfügung stellt, zur beidseitigen Wertschöpfung."

Der wichtigste Faktor ist dem Experten zufolge die Fähigkeit, sich in ein Geschäft hineinzudenken und wertsteigernde Maßnahmen zu entwickeln, die zum Geschäftserfolg beitragen. "Wertschöpfung beschränkt sich nicht auf Ideen zur Kostenreduktion, sondern umfasst auch Initiativen zur Verkürzung von Zeitläufen, zur Verbesserung von Innovation und Wettbewerbsdifferenzierung sowie zur Verringerung von Geschäftsrisiken", sagt Missirilian.

Zusätzliche Kompetenzen erforderlich

"Vom Business-Partner Einkauf erwartet man, dass er diese Chancen zur Wertsteigerung erkennt, sie im Unternehmen und gegenüber den Lieferanten ,verkauft‘ und auch ihre Umsetzung vorantreibt. Dabei muss er die eigenen Beschaffungsziele erreichen und die Funktion Einkauf promoten." Dazu bedürfe es zusätzlicher Fähigkeiten, die über die technischen und fachlichen Kompetenzen hinausgehen. Nach Ansicht des Experten müssen Einköufer folgende Kompetenzen adaptieren:

  • Unternehmerisches Denken: Der Einkauf versteht die wichtigen Geschäftsfaktoren und -prozesse; kennt die bestehenden und in Zukunft denkbaren Verfahren und Richtlinien, Trends und Informationen in Bezug auf Geschäft und Organisation; kennt den Wettbewerb.
  • Wertkettenanalyse: Der Einkauf versteht die Wertschöpfungskette von Geschäften, Abteilungen und Prozessen; identifiziert Möglichkeiten zur Verringerung von Kosten, Zeit und Risiken; verbessert den funktionalen Beitrag jeder Stufe der Wertkette.
  • Perspektive: Der Einkauf kann Herausforderungen möglichst breit auffassen; kann Zukunftsszenarien entwerfen; denkt global; kann vielfache Maßnahmen und Wirkungen betrachten und in die Zukunft projezieren.
  • Politische Intelligenz: Der Einkauf kann effektiv in komplexen Unternehmenslagen manövrieren; hat ein Gefühl für Menschen und Organisationen; sieht Unternehmenspolitik als notwendigen Teil der Organisation und stellt sich in seiner Arbeit auf diese Realität ein.
  • Netzwerken: Der Einkauf ist in der Lage, Einflussnetzwerke der Stakeholder zu identifizieren und strukturiert Beziehungen mit den Schlüsselpersonen aufzubauen und zu entwickeln.
  • Beeinflussen: Der Einkauf kann Beiträge und Initiativen so vermitteln, dass Stakeholder ihre eigenen Ziele, Kennzahlen und Treiber (extern, organisatorisch, personell) berücksichtigt sehen; versteht es, Stakeholder zu Entscheidungen und Maßnahmen gemäß seiner eigenen Pläne zu bewegen.

Zur Person: Ohanes Missirilian hat sich intensiv mit Procurement Business Partnering (PBP) auseinandergesetzt und begleitet seit mehr als 15 Jahren namhafte Unternehmen auf diesem Weg. Er lehrt Procurement in Master- und MBA-Programmen diverser Technik- und Wirtschaftshochschulen und ist Leiter von ByAction Learning in Genf.

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