16.04.2015 //

Einkäufer tagen auf der Hannover Messe

Mehr als 100 Gäste diskutierten Beschaffungsthemen auf der Industriemesse.

Foto: Deutsche Messe AG Foto: Deutsche Messe AG

Anlässlich der Hannover Messe hat der BME seine Mitglieder am Mittwoch einmal mehr zu einem Fachtreffen unter Einkäufern eingeladen. Mehr als 100 Beschaffer aus allen Hierarchieebenen – vom Einkaufsleiter und Category Manager bis hin zum operativen Einkäufer – informierten sich über die aktuellen Trends in der Beschaffung.

Gastgeber war der BME - in Zusammenarbeit mit der Deutschen Messe - bei gleich zwei Fachveranstaltungen, die im Rahmen der "Suppliers Convention", dem Zulieferforum für Industrial Supplies sowie der Außenwirtschaftsplattform "Global Business & Markets" stattfanden.

Global Sourcing: Türkei und Indien im Blickfeld

Zunächst begrüßte Olaf Holzgrefe, Leiter für International Business Development beim BME, die Gäste am Morgen zu einem Special zum Thema "Global Sourcing". Wie auch in der Verbandsarbeit standen dabei neue Märkte in Europa und Fernost im Fokus. Mert Özcömert vom Istanbul Chamber of Commerce gab zunächst einen Überblick über den boomenden türkischen Beschaffungsmarkt, dem eine vom BME organisierte Einkäuferdelegation jüngst erst einen Besuch abstattete. "Türkische Lieferanten werden immer wettbewerbsfähiger und finden bei europäischen Einkäufern vermehrt Anschluss", sagte Özcömert im Messe-Fachbereich "Global Business & Markets". Türkische Zulieferer legten viel Wert auf Qualität und pünktliche Lieferung, und sie könnten im Wettbewerb mit anderen Beschaffungsmärkten mit einer geringeren Entfernung und damit gewonnener Flexibilität punkten.

Das Türkei-Thema wurde anschließend mit einem auf die Blechbeschaffung  fokussierten Vortrag vertieft, bevor am späten Vormittag das diesjährige Partnerland der Hannover Messe ins Blickfeld rückte: Indien. Seema Bhardwaj von der Kanzlei Rödl & Partner informierte über rechtliche und steuerliche Aspekte, und Ralph-Peter Grabs von den Hanning Elektro-Werken zeigte, worauf es beim Aufbau einer Lieferantenbasis ankommt. "Unterstützung durch ortsansässige ist unerlässlich", so ein Rat des Experten, dessen Unternehmen dort einen eigenen Standort betreibt. Er empfiehlt, sich von potenziellen Partnern einen persönlichen Eindruck zu machen. Anders sei in Indien nicht nur das Zeitverständnis und die Art und Weise der Verhandlungsführung, auch gebe es kein Ja oder Nein, wie wir es in Deutschland kennen. "Höflichkeit geht vor Ehrlichkeit", so Grabs.

Einkäufertag am Nachmittag

Am Nachmittag lud der BME unter Moderation von Dr. Frithjof Kilp, beim Verband für die Mitgliederbetreuung und die Regionsarbeit zuständig, außerdem noch zum "Einkäufertag" ein. Im Fokus standen unter anderem aktuelle Top-Kennzahlen, mit denen Einkaufsabteilungen ihre eigene Leistung überprüfen können. "Die aktuellen Ergebnisse belegen, dass die meisten ihre Bestellprozesse und Kosten im Griff haben", sagte Volkmar Klein, Bereichsleiter der Benchmark-Services beim BME. "Was jedoch die Struktur und die Umsetzung der Einkaufsstrategie betrifft, ist noch viel Luft nach oben", fügte er hinzu.

Oliver Ellermann, Vorstand des Bundesverbands Deutscher Stahlhandel, und Roland Seemann, Head of Procurement der Witzenmann GmbH beleuchteten anschließend den von Überkapazitäten und Preisdruck gekennzeichneten Stahlmarkt. Beide Experten hoben die strukturellen Veränderungen hervor. "Anfang der 80er Jahre gab es in Europa noch 21 Edelstahlproduzenten, aktuell sind es nur noch vier", sagte Seemann. Internationale Koordination, langfristige Absicherung an einem volatilen Markt, Bedarfsbündelung oder konsequentes Lieferantenmanagement zählten zu den Ratschlägen des Experten. Georg Sorge ging im Folgenden noch auf die Beschaffung von Dienstleistungen ein: "Noch sind viele Einkaufsabteilungen zu materiallastig aufgestellt", sagte er und mahnte die Einkäufer dazu, sich zukünftig stärker mit diesem Bereich zu beschäftigen, um gemeinsam mit den Fachabteilungen Synergien zu schaffen.

Karrierewege für junge Einkäufer

Aktuelle Entwicklungen im Einkauf und daraus resultierende Folgen für das Berufsbild waren abschließend das Thema eines gemeinsamen Vortrags von Stephan Buntrock, Aerzener Maschinenfabrik GmbH, und Alexander Sehr, der beim BME für Lehrgänge und Zertifizierungen zuständig ist. Die Anforderungen an den Einkauf nehmen demnach stetig zu und das Tätigkeitsprofil wird umfassender. Aus dem Bestellabwickler habe sich eine Funktion als Schnittstellenmanager mit hoher Entscheidungskompetenz und viel Verantwortung entwickelt – mit den entsprechenden Folgen bei den Gehältern, die laut aktueller BME-Studie vom Bildungsniveau und der Branche abhängig sind. Abgeschlossen wurde der Tag mit einem Get-together am BME-Stand in Halle 4.

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