09.06.2017 //

3D-Druck: Neueste Entwicklungen im Fokus

Der BME Rhein-Main-Region stellte Einkäufer auf einer Fachveranstaltung additive Fertigungsverfahren vor.

Der 3D-Druck bietet Global Playern und KMU enorme Potenziale zur Optimierung der Fertigungsverfahren. Foto: Vlada Z / Fotolia Der 3D-Druck bietet Global Playern und KMU enorme Potenziale zur Optimierung der Fertigungsverfahren. Foto: Vlada Z / Fotolia

„Wir kommen uns manchmal vor wie Missionare“, betonte Gerhard Kießling, Bereichsleiter NKS 3DTec der Nothnagel GmbH & Co. Kommunikationssysteme KG, zu Beginn der Fachveranstaltung des BME Rhein-Main-Region in Frankfurt. Zusammen mit zwei Kollegen, Anwendungsberater Roland Stephan und Vertriebsassistent Benan Basaran, stellte er BME-Mitgliedern die neuesten Entwicklungen im Bereich des 3D-Drucks vor.

Im Hintergrund brummte es: Die Experten hatten zwei 3D-Drucker mitgebracht, die stetig arbeiteten. Was dabei herauskommen kann, zeigten viele Musterdrucke – von Statuen über Uhren bis hin zu Werkteilen. Die beiden Druckermodelle waren eher für den Hausgebrauch gedacht, gaben aber bereits einen guten Einblick in die Möglichkeiten der Technologie.

Vom Budenzauber zum Game Changer

„3D-Druck ist hochspannend“, berichtete Kießling. Anfänglich als ein wenig „Budenzauber“ verkannt, ist er sich sicher, dass die Technologie „die gesamte Welt ändern wird“. Daher hält er den Begriff auch für irreführend: Mit dem klassischen Drucker haben die Geräte nur sehr wenig zu tun. „Richtiger wäre, von additiver oder generativer Fertigung zu sprechen.“ Wer das Funktionsprinzip kennt, weiß warum: Additiv bedeutet hinzufügend oder aneinanderreihend, die Objekte werden Schicht für Schicht produziert, es entsteht so gut wie kein Abfall. Beim Zerspanen, Fräsen oder Bohren ist das anders. Die Maschinen sind vergleichbar mit Robotern, die programmiert werden, und bei Bedarf an Ort und Stelle drucken können. Es gibt unterschiedliche Methoden und eine Vielzahl an Materialien. Ein weiterer Vorteil der additiven Fertigung besteht genau in dieser Flexibilität: „Wenn ich die Druckdatei habe, kann ich mit jedem Verfahren arbeiten“, so Kießling. Die Technik passe perfekt zur Industrie 4.0 – und zum Konzept des Prosumenten, der zugleich Produzent und Konsument ist.

Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt

Ein anderes Denken, andere Ideen – das sei gerade im Bereich der Materialwirtschaft besonders interessant. Der Blick auf den Preis greife zu kurz, wie Kießling an einem Beispiel aus der Medizin verdeutlichte. Ein künstliches Hüftgelenk aus dem 3D-Drucker ist zwar teurer. Durch die individuelle Fertigung verringere sich jedoch die Reha-Zeit um bis zu 50 Prozent – unter dem Strich geht die Rechnung auf. Ein anderes Beispiel: Warum sollten Einkäufer Schrauben in vier- oder fünfstelliger Höhe bestellen und dann teuer lagern, wenn die Produktion nur einzelne braucht? Wäre es da nicht günstiger, sie sich selbst auszudrucken?

Dass die additive Fertigung potenziell auch Nachteile hat, verschwiegen die Referenten nicht. Bestimmte Berufsgruppen, etwa der klassische Modellbauer, werden mit ziemlicher Sicherheit künftig nicht mehr gebraucht. Auch, was mit den Geräten gebaut wird, ist nicht zu 100 Prozent kontrollierbar. Ein Teilnehmer fragte in diesem Zusammenhang nach der Sicherstellung des Urheberrechts. Die Antwort: „Im Prinzip ist eine Geheimhaltungsvereinbarung die einzige Möglichkeit.“ Das Risiko des Ideenklaus und der Produktpiraterie bestehe aber ebenso in der klassischen Produktion.

Praxiswissen aus erster Hand

Jede Technik werde anfangs skeptisch beäugt, fasste Kießling zusammen. Der Anwendungszweck sei ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung, ob der Einsatz der Technologie jeweils sinnvoll ist oder nicht. Viele kommen auf den Geschmack, wenn sie die Maschinen und ihre Produkte erst einmal mit eigenen Augen gesehen haben. „Könnt ihr mal was bauen?“, sei oftmals die erste Frage an sie, später kämen die Anfragen für Kleinserien. Und schließlich interessieren sich die Kunden für eine eigene Maschine.

Weitere Infos unter http://rheinmain.bme.de/

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