Impressionen
BME: Konzept der Zukunftswerkstatt Einkauf „voll aufgegangen“
„Das Konzept der Zukunftswerkstatt Einkauf ist voll aufgegangen. Sowohl die beiden Impulsreferate als auch die in Teilgruppen organisierten acht Workshops wurden von den 180 Teilnehmern begeistert angenommen“, zog Prof. Dr. Michael Zeuch, Sprecher des BME-Vorstandsausschusses Young Professionals, ein positives Fazit. Die erste bundesweite BME-Veranstaltung ausschließlich für Nachwuchskräfte fand am 25. Juni in Würzburg statt und lockte 130 Berufseinsteiger sowie 30 Studenten aus allen Teilen des Landes in die unterfränkische Mainmetropole.
Für „Action“ und große Aufmerksamkeit beim Publikum sorgte zu Beginn der eintägigen Veranstaltung das symbolische Einreißen einer Pappmauer. Sie bestand aus einzelnen Kartons mit Aufschriften wie „Terminchaos“, „Dienst nach Vorschrift“, „Arbeitsplatzverlust“ oder „Innere Kündigung“. Als erster von zwei Keynote Speakern sprach sich Rüdiger Fox, CEO der PFW Aerospace AG, Speyer, für ein vorausschauendes Management zur nachhaltigen Standortsicherung in Deutschland aus. Die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise habe bewiesen, welche enorme Bedeutung ein gut funktionierender Einkauf für die Unternehmen habe. Sie hätten einen wesentlichen Beitrag zur Kostendämpfung geleistet. Es gehe jetzt vor allem darum, noch nicht genutzte Logistikpotenziale zu heben, mögliche Beschaffungsrisiken zu minimieren und die Partnerschaften zwischen Beschaffern und Lieferanten weiter auszubauen. Das Wichtigste sei ihm allerdings, „die Rolle des Menschen nicht aus den Augen zu verlieren“, betonte Fox. Gleichzeitig seien „Motivation und Vertrauen die Eckpfeiler moderner Unternehmensführung, die auch den Erfolg einer Supply Chain wesentlich bestimmen“.
Eine völlig andere Definition des Begriffes „Bruttoinlandsprodukt“ (BIP) stellte der zweite Gastredner, Dorji Penjore, Senior Researcher im Centre for Bhutan Studies, in Würzburg vor. Während im Westen der Wohlstand eines Landes an der Höhe des BIP gemessen wird, strebt das im Himalaja zwischen Indien und Tibet gelegene Königreich ein nicht wachstumsorientiertes Wirtschaftsmodell an. Dieses Ziel sei in der Verfassung verankert worden, erläuterte Penjore. „Gross National Happiness is more important for us than Gross Domestic Product – das Bruttosozialglück ist uns wichtiger als das Bruttosozialprodukt”, so Penjore weiter. In die Berechnung des Bruttosozialglücks fließen verschiedene Parameter ein: die wirtschaftliche Entwicklung des 47.000 Quadratkilometer großen Landes, Umweltschutz, der Erhalt des kulturellen Erbes, Bildung, Gesundheit, psychisches Wohlbefinden, die effektive Nutzung der Zeit, der Lebensstandard der Menschen und Good Governance. Langfristig sollen mit dem Bruttosozialglück ein erfolgreiches Leben für alle und eine Balance zwischen äußeren Einflüssen und innerer Einkehr geschaffen werden. Wirtschaft und Umweltschutz sollten dabei auf einer Ebene stehen. Das soziale Miteinander soll sich erneuern und die Welt durch positive Einflüsse verändert werden. Dazu sollen kurz- und mittelfristig das Steuersystem, die Medien, die Industrie und die Landwirtschaft auf die Ziele des Bruttosozialglücks ausgerichtet werden. Penjore: „Unsere Staatsphilosophie zielt darauf ab, möglichst viele Menschen glücklich zu machen und ein Gleichgewicht zwischen Materialismus und Spiritualität zu schaffen. Allerdings kann das Bruttosozialglück die Wirtschaftsleistung nicht ersetzen, sie allerdings positiv beeinflussen und Menschen dazu bringen, darüber nachzudenken, was in diesem System falsch läuft.“
Im zweiten Teil der Veranstaltung konnten die Teilnehmer in acht Workshops folgende Themen diskutieren:
- Karriere und/oder Selbstverwirklichung
- Moderne Führungsqualitäten
- Korruption im Einkauf
- Die Bedeutung von Netzwerken
- Optimierungspotenzial von Einkaufsprozessen (dieser Workshop wurde aufgrund des großen Interesses der Young Professionals und Studenten in zwei Teilgruppen durchgeführt)
- Optimierungspotenzial bei Logistikprozessen
- Chancen in der Krise
Nach lebhaften Diskussionen in den Workshops stellten die einzelnen Gruppen am Nachmittag erste Ergebnisse vor: „Wir müssen die Schnittstelle zwischen Einkauf, Technik, Lieferanten, Produktion und Vertrieb verbessern. Dazu brauchen wir sowohl die Ideen junger Berufseinsteiger als auch erfahrener Kollegen in den Unternehmen“, lautete ein erstes zentrales Fazit aller Teilnehmer. Der Arbeitskreis „Karriere und/oder Selbstverwirklichung“ kam zu dem Schluss, dass Young Professionals ihre Berufsziele offen, neugierig und flexibel verwirklichen sollten. Wichtig für den Newcomer seien ferner ein detaillierter Entwicklungsplan und klar formulierte Ziele. Zu den „modernen Führungsqualitäten“ zählten die Teilnehmer dieses Workshops offene Mitarbeitergespräche und eine Open Door Policy.
Die Ergebnisse der einzelnen Workshops sollen zusammengefasst und auf der zweiten Zukunftswerkstatt Einkauf 2011 auf ihre Praxistauglichkeit überprüft werden. „Das bedeutet aber nicht, dass wir die Arbeit jetzt ein Jahr ruhen lassen“, betonte Prof. Zeuch. „Alle zuständigen Gremien im BME denken intensiv darüber nach, wie man die in den Workshops gesammelten Erkenntnisse der Young Professionals sowohl in der Regional- als auch in der Akademiearbeit berücksichtigen kann“, fügte er hinzu.
„Mit der ersten bundesweiten BME-Veranstaltung für Berufseinsteiger hat unser Verband dem Einkäufer-Nachwuchs eine Plattform zum Austausch von Meinungen und Ideen geschaffen“, sagte Prof. Zeuch. Auf dem Symposium Einkauf und Logistik Mitte Oktober vergangenen Jahres in Berlin erhielten die Young Professionals erstmals Gelegenheit, sich auf einem zentralen BME-Event zu artikulieren. Würzburg sei ein weiterer Schritt, den Nachwuchs in Einkauf und Logistik zu fördern. „In die organisatorische Vorbereitung der Zukunftswerkstatt wurde auch eine Gruppe von Logistik-Studenten der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt einbezogen. Sie werden einzeln bewertet und erhalten für die Umsetzung dieses Projektes Noten. Das Ziel des Events, die jungen Leute näher an den BME heranzuführen, sei erfüllt worden.
„Seit 2004 ist es dem BME gelungen, die Zahl der Nachwuchskräfte unter den BME-Mitgliedern kontinuierlich zu steigern. Sie betrug vor sechs Jahren noch 100. Jetzt sind es bereits 700 Young Professionals; deren Anteil an der Gesamtmitgliederzahl liegt heute bei rund zehn Prozent“, betonte Dr. Frithjof Kilp, Leiter der BME-Mitgliederbetreuung/Regionen. „Der Verband braucht frisches Blut und setzt auf neuen Schwung und neue Ideen der Young Professionals“, so Kilp weiter. Davon profitierten alle: die Unternehmen, der Verband und die Nachwuchseinkäufer. Wer die Themen der Zukunft erkennen möchte, brauche dafür auch die Akteure der Zukunft. Frische Denkansätze helfen darüber hinaus, künftige BME-Veranstaltungen noch interessanter zu gestalten. Würzburg sei ein Meilenstein in der Arbeit mit jungen Berufstätigen. Jetzt gelte es, die Auftaktveranstaltung kritisch auszuwerten. Reserven gebe es noch bei der Moderation der Veranstaltung, der Auswertung der Workshop-Ergebnisse und der Kommunikation mit dem Publikum.
Impressionen zur „Zukunftswerkstatt Einkauf“ in Würzburg finden Sie hier!






