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Digitale End-to-End-Lösungen gefragt
Prof. Robert Fieten gibt im Interview einen Überblick über die Highlights der 2. BME-eLÖSUNGSTAGE. Die BME-Bundesvorstandsmitglieder Fieten und Prof. Ronald Bogaschewsky (Uni Würzburg) sind die fachlichen Leiter des Top-Events, das vom 24.-25. März in Bonn stattfindet.
Die 2. Auflage der „BME-eLÖSUNGSTAGE“ steht unter dem Motto „Sourcing – Procurement – Integration. Was sind dieses Jahr die inhaltlichen Schwerpunkte?
Fieten: Die Digitalisierung der Geschäftsprozesse geht in unseren Unternehmen unaufhaltsam weiter. Das Vehikel hierfür sind E-Lösungen, die den Einkauf voll erfasst haben. E-Lösungen dienen der ganzheitlichen Abbildung der Erfordernisse des strategischen und operativen Einkaufs und der Verbindung der Systeme der einkaufenden Unternehmen mit denen der Geschäftspartner auf der Beschaffungsseite. Integration lautet das Schlüsselwort. Dies gilt auch für unsere BME-eLÖSUNGSTAGE. Stand-Alone-Lösungen für das Sourcing und katalogbasierte Beschaffungsabwicklung reichen nicht mehr aus und bringen die Einkaufsorganisation nicht entscheidend voran. Gefragt sind integrierte End-to-End-Lösungen, die in die bestehenden ERP-Systeme eingebunden sind. Darauf werden wir dieses Jahr ein besonderes Augenmerk legen. Wir zeigen den Teilnehmern Best Practices. Mit Priorität behandeln wir aktuelle Themen wie „vom E-Procurement zum E-Sourcing“, „Lieferanten-/Vertragsmanagement“ und „ganzheitlicher Procure-to-Pay-Prozess“. Aber auch technische Themen, z.B. „Standards für Daten und Schnittstellen“, werden intensiv beleuchtet.
Das Veranstaltungskonzept der „BME-eLÖSUNGSTAGE“ kennzeichnet sich durch ein hohes Maß an Interaktion. Welche Veranstaltungsformen sind geplant?
Fieten: Wir haben erkannt, dass die Teilnehmer der BME-eLÖSUNGSTAGE nicht nur mit klassischen Vorträgen „beschallt“ werden wollen, sondern verstärkt den aktiven Erfahrungsaustausch mit Fachleuten suchen. Vor diesem Hintergrund haben wir – ergänzend zu den bewährten Praxisvorträgen – die Networking-Möglichkeiten in der Fachausstellung in Form von neun Fachforen mit parallel stattfindenden Round Tables ausgebaut. Außerdem bieten sechs Workshops interaktive Praxis pur. Wir erhoffen uns so einen lebendigen Erfahrungsaustausch, an dessen Ende unmittelbar umsetzbare Empfehlungen und Tipps für den Anwender von E-Procurement und E-Sourcing stehen.
Welchen konkreten Mehrwert bieten E-Lösungen für den operativen und strategischen Einkauf?
Fieten: Im operativen Einkauf geht es um die „Amazonisierung“ der Beschaffungsvorgänge, die Senkung von Prozesskosten und Durchlaufzeiten. E-Procurement dient der Entlastung der Einkäufer im operativen Geschäft, um mehr Zeit für strategische Aktivitäten zu gewinnen. Im strategischen Einkauf geht es um die bessere Durchdringung der Beschaffungsmärkte, umfassende Ausschreibungen und mehr Lieferantenwettbewerb, besseres Vertragsmanagement und eine intensive Anbindung der Lieferanten. Durch E-Sourcing können Beschaffungskosten eingespart und in Zeiten steigender Marktpreise Kostensteigerungen leichter abgewehrt werden. Insgesamt sorgen E-Lösungen im Einkauf vor allem für mehr Transparenz aber auch für Compliance. Sie ersparen den Einkäufern Zeit, sorgen für eine hohe Nutzung von Rahmenverträgen sowie optimale Verhandlungserfolge und ermöglichen eine bessere Kollaboration mit den Partnern in der Supply Chain.
Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Trends im Bereich E-Solutions?
Fieten: Organisatorisch geht es für den Einkauf insbesondere um digitale End-to-End-Lösungen, die die Beschaffungsprozesse ganzheitlich von der Bedarfsermittlung, über das Sourcing, die Bestellabwicklung und Lieferung bis zur Bearbeitung der Lieferantenrechnungen steuern. Hier existieren in der Praxis noch viele Baustellen und Bruchstellen. End-To-End-Lösungen im Einkauf dienen vor allem einer Erhöhung der Agilität des Supply Chain Managements. Dies ist – wie die Wirtschaftskrise gezeigt hat – dringend geboten, denn in Zukunft werden unsere Unternehmen schneller auf plötzliche Bedarfsänderungen reagieren müssen. In vielen Branchen geht es nicht um Wochen oder Tage sondern um Stunden. Des Weiteren muss zügiger als in der Vergangenheit auf Störungen in der Lieferkette reagiert werden. Es bedarf des Aufbaus leistungsfähiger Einkaufscockpits.
In Zukunft werden zudem Mobile Solutions immer mehr an Bedeutung gewinnen und Bestell- und Genehmigungsprozesse vereinfachen. Daraus resultieren wiederum neue Anforderungen an die sichere Datenübertragung. Dies gilt auch dann, wenn die Unternehmen sich – wie zu erwarten – verstärkt des Cloud Computing bedienen und auf Software-Abos und IT-Dienstleistungen zurückgreifen. Immer mehr an Bedeutung gewinnt für den Einkauf zudem das Web 2.0. Social Networks spielen schon jetzt eine wichtige Rolle und verändern die Art und Weise der Kommunikation und Zusammenarbeit, bieten aber auch neue Möglichkeiten der Information über Geschäftspartner. Die Einkäufer werden Strategien zur Bewältigung der Daten- und Informationskomplexität entwickeln müssen.
Besteht bei der Nutzung von E-Lösungen immer noch ein Gefälle zwischen Global Playern und KMU?
Fieten: Tendenziell ja. Global Player haben die zwingende Notwendigkeit, ihre Prozesse zu standardisieren und Einkaufsdaten klar zu strukturieren. Sie könnten ohne E-Lösungen die Komplexität nicht steuern und würden Synergien verschenken. Der Mittelstand verhält sich bei der Umsetzung von E-Lösungen etwas abwartender. Dennoch gibt es heute auch viele mittelständische Unternehmen, die E-Lösungen auf ihren jeweiligen Bedarf bezogen intensiv und erfolgreich nutzen. Hier steht und fällt alles mit der Stärke des Engagements der Akteure in Einkauf und IT. Stets sind es Menschen, die sagen müssen: „Ja, wir wollen E-Lösungen in Einkauf und Supply Chain Management nutzen.“ Genau diese Personen wünschen wir uns als Teilnehmer in Bonn. Dort erhalten sie das erforderliche Rüstzeug für die Fitnesskur ihres Einkaufs.






