Ansprechpartner

Sabine Ursel

Leiterin Kommunikation
Tel +49 69 30838-113
Fax +49 69 30838-199
E-Mail

International Sourcing Benchmarking Study

Neue Beschaffungsmärkte: Größte Einsparpotenziale in China und Indien

Um dem globalen Wettbewerb gewachsen zu sein, ist es notwendig, mit den besten Lieferanten zusammenzuarbeiten. Effektives Global Sourcing setzt eine systematische Analyse der Beschaffungsmärkte voraus.

Vor diesem Hintergrund befragten der Lehrstuhl für Industriebetriebslehre der Universität Würzburg (Leitung: Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky) und das Centrum für Supply Management (CfSM), Würzburg, mit Unterstützung des BME im Zeitraum von Juli 2006 bis Juni 2007 weltweit rund 400 führende Unternehmen aus den wichtigsten Industriestaaten Westeuropas, Nordamerikas und Asiens. Im Fokus der Untersuchung stand die Erforschung des Status quo und der Zukunftsperspektiven der internationalen Beschaffung. Die Umfragedaten bildeten die Auswertungsbasis für die „International Sourcing Benchmarking Study“.

Wesentliche Erkenntnisse:

Westeuropäische und nordamerikanische Unternehmen beziehen den Hauptteil ihrer Materialien, Güter und Dienstleistungen für ihre „heimischen“ Fertigungsstandorte aus der eigenen Beschaffungsregion (Westeuropa 63 Prozent, Nordamerika 44 Prozent). Zweitwichtigste Beschaffungsregion für Westeuropa ist Mittel- und Osteuropa: Die befragten Unternehmen beziehen im Schnitt 8 Prozent ihrer Güter aus den MOE-Staaten. Nordamerikanische Unternehmen beschaffen hingegen 21 Prozent ihrer Waren und Dienstleistungen aus Westeuropa. Die Exportquote von Waren aus Mittel- und Osteuropa nach Nordamerika liegt unter einem Prozent.

Fakt ist: Die befragten Unternehmen haben asiatische Sourcing-Märkte noch nicht umfassend erschlossen, hier liegen erhebliche Potenziale brach. Westeuropäische und nordamerikanische Firmen beschaffen - bezogen auf ihr Gesamtbeschaffungsvolumen - jeweils zu drei Prozent Materialien, Güter und Dienstleistungen aus China und zu unter einem Prozent aus Indien. Ähnliches gilt für die jeweiligen „Nachbarmärkte“ Mittel- und Osteuropa bzw. Mittel- und Südamerika.

Die aktuelle prozentuale Verteilung dürfte sich zukünftig zugunsten der „Emerging Markets“ verändern. Unternehmen aus Westeuropa bewerten ihre Kosteneinsparpotenziale auf den asiatischen Märkten in den nächsten Jahren am höchsten. Nach Einschätzung der Umfrageteilnehmer folgen im regionenspezifischen Ranking die Beschaffungsmärkte Mittel- und Osteuropas. Westeuropa und Nordamerika sind diesbezüglich das Schlusslicht.
Nordamerikanische Firmen schätzen im Vergleich zu den westeuropäischen Unternehmen ihre Einsparpotenziale in China und Indien ähnlich hoch ein, bewerten jedoch das Einsparpotenzial in Nordamerika deutlich höher als ihre westeuropäischen Pendants.

Das Gros der Umfrageteilnehmer kalkuliert, dass das Beschaffungsvolumen westeuropäischer und nordamerikanischer Unternehmen innerhalb der eigenen Region zukünftig leicht zurückgeht. Das Sourcing-Volumen der westeuropäischen Unternehmen in Nordamerika und der nordamerikanischen Unternehmen in Westeuropa wird von den Befragten als konstant eingeschätzt.  Westeuropäische Firmen erwarten, dass ihr Beschaffungsvolumen in China und Indien sich etwa gleich stark erhöhen und auf einem vergleichbaren Niveau mit der Entwicklung des Beschaffungsvolumens aus Mittel- und Osteuropa bewegen wird. Die Einschätzung der nordamerikanischen Unternehmen korreliert hinsichtlich China und Indien mit der Bewertung der europäischen Umfrageteilnehmer. Unterschiedlich fällt die Einschätzung bzgl. der MOE-Staaten aus. In Mittel- und Osteuropa rechnen die Nordamerikaner lediglich mit einer moderaten Steigerung ihres Beschaffungsvolumens.

Bezogen auf das weltweite Beschaffungsvolumen, d.h. inklusive der „nicht heimischen“ Fertigungsstandorte, geben Unternehmen mit Hauptsitz in Westeuropa im Durchschnitt ca. 18 Prozent ihres Beschaffungsvolumens für Lieferungen aus Mittel- und Osteuropa aus (Vergleichswerte: China 9 Prozent, Nordamerika 8 Prozent, Indien 3 Prozent). Nordamerikanische Unternehmen geben ca. 26 Prozent ihres Beschaffungsvolumens in Westeuropa, 19 Prozent in China, zu einem Prozent in Indien und zu unter einem Prozent in Mittel- und Osteuropa aus.

In den nächsten fünf Jahren erwarten hier westeuropäische und nordamerikanische Unternehmen einen deutlichen Anstieg ihres Einkaufsvolumens in China und – in leicht abgeschwächter Form – auch in Mittel- und Osteuropa sowie Indien. Aus der Sicht westeuropäischer Unternehmen bewegen sich Nordamerika und Westeuropa als Lieferregionen auf konstantem Niveau, während nordamerikanische Unternehmen für Westeuropa und Nordamerika moderates Wachstum erwarten.

Westeuropäische Firmen besitzen zu 23 Prozent Einkaufsorganisationen in Mittel- und Osteuropa, 16 Prozent in China, 11 Prozent in Nordamerika und 6 Prozent in Indien. Die Vergleichswerte für nordamerikanische Firmen beziffern sich wie folgt: 28 Prozent der Unternehmen besitzen Einkaufsorganisationen in Westeuropa, 18 Prozent in China, 12 Prozent in Mittel- und Osteuropa sowie 8 Prozent in Indien. Bezüglich Aufbau und Organisation der Beschaffung lassen sich zwischen westeuropäischen und nordamerikanischen Firmen keine signifikanten Unterschiede feststellen. Viele Unternehmen (60 Prozent in Westeuropa, 47 Prozent in Nordamerika) koordinieren erst seit den letzten 5 Jahren ihre internationalen Beschaffungsaktivitäten systematisch.

Hinsichtlich des Kriteriums „Qualität“ bewerten westeuropäische Firmen ihre eigene Region mit Abstand am höchsten. Nordamerika, Mittel- und Osteuropa, China und Indien werden von den Befragten aktuell noch differenziert evaluiert, mittelfristig erwarten die Industrieunternehmen jedoch eine Angleichung der Niveaus. Nach Ansicht der nordamerikanischen Firmen bewegen sich zukünftig Westeuropa, Nordamerika sowie Mittel- und Osteuropa auf einer Qualitätsstufe, während nach Einschätzung der Befragten Indien und China „qualitativ“ nach wie vor abfallen.

Für den Bereich „Innovation“ ergibt sich nach Einschätzung der westeuropäischen Unternehmen ein ähnliches Bild: Westeuropa liegt deutlich vor Nordamerika, das sich im Ranking wiederum leicht von Mittel- und Osteuropa, Indien und China platzieren kann. Nach Ansicht der nordamerikanischen Unternehmen liegt die eigene nordamerikanische Region knapp vor Westeuropa. Danach folgen  - in dieser Reihenfolge - Mittel- und Osteuropa, China sowie Indien.

Weitere Infos:

Dr. Holger Müller

Centrum für Supply Management
E-Mail: holger.mueller@cfsm.de
Tel.: 03 51/8 10 66 38