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Konjunktur & Märkte: Gordischen Knoten lösen
„Konjunktur und Märkte stecken gegenwärtig in einem Dilemma. Einerseits laufen die Geschäfte der meisten Unternehmen nach wie vor gut; andererseits sorgt die anhaltende Staatsschuldenkrise in weiten Teilen der Wirtschaft für Verunsicherung. Deshalb gilt es jetzt, diesen Gordischen Knoten zu lösen“, sagte Claudia Windt, Leiterin Marktstrategie, Volkswirtschaft/Research der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, auf einer Informationsveranstaltung der BME-Region Hanau-Main/Kinzig-Kreis in Hanau.
Als Lösungsvorschläge nannte Windt dringend notwendige Strukturanpassungen, Wirtschaftsreformen und die Konsolidierung der Haushalte. Während Deutschland seine Hausaufgaben weitestgehend gemacht habe, seien diese Punkte in einigen Ländern der Euro-Zone noch offen. Insbesondere die südlichen EU-Peripherie-Länder, allen voran Griechenland, litten unter hoher Staatsverschuldung und unzureichender Wettbewerbsfähigkeit. Das zeige sich in der Entwicklung wichtiger Konjunkturindikatoren. Als Beispiele nannte Windt die in weiten Teilen der EU sinkende Industrieproduktion sowie der Anstieg der Lohnstückkosten. Nur Deutschland entziehe sich dem allgemeinen Abschwung und bleibe im Euroraum die Konjunkturlokomotive. Die Helaba prognostiziert für Deutschland 2012 ein Wirtschaftswachstum von 1,2 (2011: 3,0) Prozent. Zum Vergleich: Für den Euroraum erwartet das Frankfurter Kreditinstitut einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,7 (1,6) Prozent. Die USA dürften auf ein BIP-Plus von 2,2 (2011: 1,8) Prozent kommen.
Die Vereinigten Staaten hätten zurzeit ebenfalls mit Standortnachteilen zu kämpfen. So sei das Wirtschaftswachstum 2011 deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Mittlerweile entspanne sich die Situation aber. Windt: „Der Industrie- und Dienstleistungssektor steht auf dem Gaspedal.“ Die privaten US-Haushalte hätten ihre Verschuldung deutlich zurückgefahren.
Eine Trendwende deute sich auch im Euroraum an. Hier sei nach Einschätzung der Helaba-Analystin das Ende der „konjunkturelle Tiefpunkt erreicht“. Das bestätige der Verlauf der Markit-Einkaufsmanager-Indizes. Der deutsche Markit/BME-Einkaufsmanagerindex (EMI) sei sowohl im Dezember 2011 als auch im Januar dieses Jahres wieder gestiegen. Im ersten Monat des neuen Jahres habe der EMI sogar die magische Wachstumsgrenze von 50 Punkten überschritten (51,0).
Die Marktstrategen der Helaba haben verschiedene Szenarios über den zu erwartenden Konjunkturverlauf erstellt. Im ungünstigsten Fall (Windt sprach hier von einem „Negativszenario Sisyphus mit einer 20-prozentigen Eintrittswahrscheinlichkeit“) könnte die Staaten- und Bankenrettung scheitern. Die Weltwirtschaft würde demnach in einer Rezession versinken. Damit einher ginge der Vertrauensverlust in den internationalen Märkten. Das „Positivszenario Phönix aus der Asche“ (10-prozentige Eintrittswahrscheinlichkeit) sähe ein kräftiges globales Wirtschaftswachstum vor. Euroland und Euro erhöben sich wie Phönix aus der Asche. Die expansive Geld- und Fiskalpolitik befeuere allerdings die Inflation.
Verfasser: Frank Rösch, BME Frankfurt







