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Logistik-Umfrage:
Einkäufer erwarten steigende Transportpreise
Berlin/Frankfurt, 10.11.2010 Einkäufer logistischer Dienstleistungen (verladende Unternehmen) erwarten für die kommenden zwei Jahre steigende Transportpreise. Die Unternehmen sind gestärkt aus der Rezession hervorgegangen und haben weitestgehend das Niveau ihres Transportaufkommens von 2008 wieder erreicht. Und: Sie spüren bereits eine erste Verknappung des Laderaums. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Paul Wittenbrink von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach. 165 Verlader und Dienstleister aus Industrie und Handel waren im September und Oktober 2010 zur Markt- und Preisentwicklung, zu Logistiktrends und zur Verkehrspolitik befragt worden. Sie erwirtschaften einen Gesamtumsatz von knapp 400 Milliarden Euro.
Transportaufkommen: Im Krisenjahr 2009 waren Experten davon ausgegangen, dass es einige Jahre dauern würde, bis sich das frühere Transportaufkommen wieder einstellt. Der BME-Umfrage zufolge werden aber bereits bis Ende 2010 rund 80 Prozent der Unternehmen ihr altes Level erreicht haben. Damit hat sich der Aufschwung schneller eingestellt.
Transportpreise: Die deutschen Verlader und Logistikdienstleister erwarten in den nächsten zwei Jahren bei allen Verkehrsträgern zwar nur mäßig wachsende Transportpreise. Allerdings unterscheiden sich die Prognosen zum Teil deutlich. So gehen 41,4 Prozent der befragten Firmen von stark steigenden Luftfrachtpreisen aus. Dies ist der höchste Umfragewert unter allen Verkehrsträgern. Zum Vergleich: Beim Seecontainerverkehr sehen 33 Prozent und bei Lkw 22 Prozent einen Trend zu deutlichen Preissteigerungen. Auf den Kombinierten Verkehr entfallen nur 8,7 Prozent. Schienengüter: Hier rechnen mehr als die Hälfte der Befragten mit Aufschlägen. Allerdings gehen fast ebenso viele Unternehmen von konstanten Bahnpreisen aus. Wenn dies zutrifft, könnte die Bahn bei ihren Kunden damit punkten. Bei der Binnenschifffahrt werden die geringsten Preisveränderungen erwartet. Ähnlich wie bei der Bahn ist jedoch zu berücksichtigen, dass diese beiden Verkehrsträger nicht von allen Unternehmen genutzt werden.
Einflussfaktoren: Der BME hatte gefragt, welche Faktoren die langfristige Preisentwicklung am meisten beeinflussen. Erstaunlich: Mehr als drei Viertel der Firmen rechnen damit, dass sich der Einfluss der CO2-Politik auf die Transportpreise erhöhen wird. Das gilt auch für die anderen Umweltanforderungen wie die Kfz-Abgasnorm Euro-6 oder die Einführung von Umweltplaketten, deren Bedeutung sogar noch mehr zunehmen dürfte als die des Ölpreises. Fast 60 Prozent prognostizieren einen steten Einfluss der Maut.
Als weiterer Preistreiber wird die mangelnde Infrastruktur gesehen. Knappe Verkehrsflächen und Staus dürften die Transportkosten und damit die Preise erhöhen. Dies wird sich insbesondere bei der Straßeninfrastruktur zeigen, wo 71 Prozent von einer wachsenden Bedeutung ausgehen. Aber auch beim Bahnverkehr rechnet immerhin die Hälfte der Befragten damit, dass die Infrastrukturkapazitäten die Transportpreise beeinflussen.
Laderaumverfügbarkeit: Das Thema Laderaumverfügbarkeit gewinnt insbesondere im Lkw-, Luft- und Seeschifffahrtsverkehr an Brisanz. Noch vor einem Jahr wurden nach dem Platzen der Subprime-Blase weltweit beträchtliche Transportkapazitäten stillgelegt.
Mit dem Anspringen der Konjunktur hat die Nachfrage jetzt wieder angezogen. Der Markt scheint sich zu drehen. Sowohl Verlader als auch Speditionen warnen bereits vor drohenden Engpässen. Vor allem vor den Feiertagen verknappen sich die dringend benötigten Transportkapazitäten immer wieder dramatisch. Davon betroffen sind alle Verkehrsträger. Die Folge sind weiter steigende Transportpreise. Bereits ca. 15 Prozent der Unternehmen spüren laut BME-Umfrage eine Laderaumknappheit beim Lkw, weitere acht Prozent rechnen bis Ende dieses Jahres mit Engpässen. Für fast 60 Prozent der Unternehmen ist dieses Thema relevant.
Noch gravierendere Probleme scheint es bei den Kapazitäten für Seefrachten und See-Containern zu geben. Hier sind mehr als 20 Prozent mit deutlichen Engpässen konfrontiert. Ähnlich, wenn auch nicht so dramatisch, ist die Situation im Luftverkehr. Bei Bahn und Binnenschiff ist das Thema „Laderaumknappheit“ zwar auch von Bedeutung, hier scheinen jedoch noch die meisten freien Kapazitäten vorhanden zu sein.
Dienstleister: Für fast 98 Prozent der Unternehmen zeichnet sich ein erstklassiger Logistik-Dienstleister durch eine sehr hohe Qualität aus. Er muss die Sicherheit in der Lieferkette gewährleisten (92 Prozent), eine flexible Transportausführung (91 Prozent) bieten sowie solvent und nicht konkursgefährdet sein (89 Prozent). Damit reagieren die Unternehmen auf die während der Finanz- und Wirtschaftskrise gesammelten Erfahrungen. Gerieten damals Produzenten, Händler oder Lieferanten in Turbulenzen, führte das zwangsläufig zum Riss der gesamten Supply Chain.
Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Laderaumknappheit wird die Verfügbarkeit ausreichender Kapazitäten auf Seiten der Dienstleister zu einer zentralen Anforderung. Hier geben 42 Prozent an, dass dies eine sehr hohe Bedeutung für sie hat. Für immerhin 53 Prozent ist die Bedeutung dieses Faktors hoch.
Was sich immer wieder auf BME-Tagungen zum Frachteneinkauf zeigt, wird auch hier bestätigt: Die Verlader erwarten von einem erstklassigen Dienstleister regelmäßig Vorschläge zur gemeinsamen Prozessoptimierung. Dieses Thema hat für 90 Prozent der Unternehmen einen hohe bis sehr hohe Bedeutung. Entgegen der gemeinhin geäußerten Vermutung, dass es insbesondere die Preise sind, die einen erstklassigen Transport- und Logistikdienstleister ausmachen, gibt die Befragung ein anderes Bild. Bessere Preise als die Wettbewerber verlangt nur ca. die Hälfte der Unternehmen.
Neue Logistiktrends: Die gerade erst überstandene Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Unternehmen sensibilisiert: Sie setzen verstärkt auf die Optimierung der eigenen Geschäftsabläufe und ein stärkeres Controlling ihrer Partner entlang der Supply Chain. Das spiegelt sich auch in den Themen wider, die den vom BME befragten Verladern und Dienstleistern in den nächsten fünf Jahren am Herzen liegen. So hat die Beschleunigung der eigenen Auftragsabwicklung für 85 Prozent der Befragten oberste Priorität. Als unverzichtbar gelten für die Mehrzahl der Firmen die systematische Lieferanten- und Dienstleisterbewertung (76 Prozent), die Bündelung von Transporten (68 Prozent) und die Reduzierung der Lagerbestände (62 Prozent). Keine große Rolle spielen dagegen Themen wie die Nutzung von Luft-/Wasser-Transportketten, der Aufbau von Kon-signationslagern in Asien oder der Kombinierte Verkehr. Bei diesen Faktoren ist jedoch zu berücksichtigen, dass dies nur für einen Teil der Unternehmen relevant ist. Interessant: Die unter Einkäufern häufig diskutierten Dienstleistungen bzw. Maßnahmen wie die Nutzung von Expressdiensten (60 Prozent) oder Investitionen in die eigene Logistik (62 Prozent) wurden als weniger oder gar nicht wichtig eingestuft. Zur „Werteskala“ der befragten Verlader und Dienstleister gehören in den nächsten fünf Jahren aber auch: Flexibilität und Sicherheit in der Logistikkette (für über 90 Prozent wichtig), eigene Prozessoptimierung (93 Prozent) und Qualität/Pünktlichkeit (91 Prozent). Auffällig ist dabei, dass Themen wie Produktionsverlagerung nach Osteuropa (25 Prozent), Produktions-rückverlagerung nach Deutschland (22 Prozent), Nutzung von RFID (Radiofrequenz-Identifikation) oder auch innovative Fahrzeugkonzepte (beide jeweils 29 Prozent) nur auf den hinteren Plätzen rangieren.
Verkehrspolitik: 83 Prozent sind der Auffassung, dass die heutige Verkehrsinfrastruktur „chronisch unterfinanziert ist und an Substanzverlust leidet“. Klare Zustimmung (80 Prozent) gab es auch für die Forderung nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung für „Sprinter“ (Lkw-Gewicht bis 3,5 t), einer Zulassung von Lang-Lkw (knapp 65 Prozent) und einer Maut-Gebühr für Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 t bis 12 t (60 Prozent). Breite Unterstützung (65 Prozent) findet die Offerte an den Gesetzgeber, die Fahrzeugbegrenzungen bei Nutzfahrzeugen zur aerodynamischen Optimierung und damit zur CO2-Reduktion zu lockern. Ein klares Votum gab es für die Aussage, dass die Politik an ihrem Ziel der Verlagerung von Güterverkehren auf die Schiene festhalten sollte (63 Prozent). Mehrheitlich unterstützt wurde auch die Ansicht, dass die derzeitigen CO2-Maßnahmen der Politik nicht ausreichen, um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen (71 Prozent). Kontroverser fiel dagegen das Umfrageverhalten hinsichtlich der Einführung einer Pkw-Maut aus (44 Prozent dafür, 55 Prozent dagegen).
Die komplette Studie ist ab Dezember 2010 beim BME erhältlich.
WEITERE INFOS:
Gunnar Gburek
Bereichsleiter Logistik
Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)
Bolongarostraße 82
65929 Frankfurt
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E-Mal: gunnar.gburek@bme.de
Sabine Ursel
Leitung Kommunikation
Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)
Bolongarostraße 82
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E-Mail: sabine.ursel@bme.de
Internet: www.bme.de
Prof. Dr. Paul Wittenbrink,
Professor für Transport und Logistik
Duale Hochschule Baden-Württemberg Lörrach
Tel.: 01 78/78 55 45 4
E-Mail: wittenbrink@dhbw-loerrach.de






