12.05.2017 //

Arbeitswelt 4.0 fordert Führungskräfte heraus

Die BME-Regionen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen veranstalteten das 1. Mitteldeutsche Einkaufsleitertreffen in Leipzig.

Foto: Frank Rösch/BME e.V. Foto: Frank Rösch/BME e.V.

„Industrie 4.0 wird ohne Arbeit 4.0 nicht funktionieren. Die digitalisierte Arbeitswelt stellt nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Führungskräfte vor neue Aufgaben. Deshalb brauchen wir auch Führung 4.0“, sagte Dr. Ulrich Goldschmidt, Vorstandsvorsitzender des Berufsverbandes DIE FÜHRUNGSKRÄFTE - DFK, am Donnerstag auf dem 1. Mitteldeutschen Einkaufsleitertreffen der BME-Regionen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Leipzig*.

Auch ohne das Internet der Dinge sei Führung für Manager heute schwieriger als noch vor ein paar Jahren. Die Beschäftigten sind laut Goldschmidt besser ausgebildet, kritischer, insbesondere gegenüber althergebrachten Hierarchiestrukturen, selbstbewusster und verfügen über bessere Kommunikationsmittel. Das mache Führung komplexer und schwieriger. Aufgrund des anhaltenden Stellenaufbaus in Deutschland könnten sich viele Arbeitnehmer ihre Jobs mittlerweile aussuchen. Das verstärke den Druck auf die Unternehmen, attraktiver zu werden. Im Social-Media-Zeitalter seien die Erwartungen der Mitarbeiter an eine Führungskraft enorm gestiegen. Vom Leiter würden vor allem offene Kommunikation, regelmäßiges Feedback an seine Teams und Offenheit für Veränderungen und Kritikfähigkeit erwartet.

Führungskräfte seien nicht mehr als „Oberspezialisten“ oder als „Macher“ gefragt. Sie hätten heute im Idealfall die Rolle eines Fußballtrainers. Die Führungskraft müsse nach Goldschmidts Ansicht „die eigenen Mitarbeiter befähigen, eine optimale Leistung, individuell und im Team zu erbringen und dazu immer besser zu werden“. Führungskräfte müssten dafür die Bedingungen schaffen, indem sie unter anderem für ein motivierendes Arbeitsklima sorgten. In der digitalisierten Arbeitswelt seien kompetente Mitarbeiter in agilen Organisationen tätig. Deshalb würde „heroische“ Führung ins Leere stoßen Es sei vielmehr Zeit für non-heroic Leadership. Goldschmidt: „Führung heißt Dienen. Dienstleistung an den Mitarbeitern.“

„Mit dem zunehmenden Anteil jüngerer Mitarbeiter und den neuen Möglichkeiten zur Kommunikation  übernehmen  Bewerber und Mitarbeiter eine neue  Rolle  beziehungsweise erhalten sie  mehr Einfluss. Dies bedeutet, dass insbesondere Führungskräfte aktiver, glaubwürdiger und zum großen Teil auch digitaler ihre Aufgaben erledigen und für ihr Unternehmen eintreten müssen“, betonte Prof. Dr. Peter Wald, Professor für Personalmanagement an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK). Globalisierung und Digitalisierung führten zu einer neuartigen Führungssituation. So ärgerten sich manche Führungskräfte heute über Bewerbungen und Aussagen im Intranet. Sie hätten auch das Gefühl, die Mitarbeiter wüssten mehr als sie selbst. Wald: „Führung mithilfe digitaler Hilfsmittel ist Realität. Gleichzeitig kommunizieren acht von zehn Unternehmen häufig noch per Fax.“ Führungskräfte sollten die neuen Kommunikationskanäle noch stärker für ihre Arbeit nutzen. So ließen sich „Arbeitsaufgaben vom Chef per Online Task delegieren und Meetings über Online Tools organisieren“. Wald warnte aber auch davor, die digitalen Hilfsmittel unkontrolliert einzusetzen: „Bei ihrer Nutzung sollten User unbedingt die Compliance-Spielregeln einhalten“, fügte er hinzu. Nicht jedem sei beispielsweise bekannt, dass eine Nutzung von WhatsApp im Unternehmen eigentlich nicht vorgesehen sei.

„Industrie 4.0 schreitet unaufhaltsam voran und verändert auch die Arbeitswelt in den neuen Bundesländern. Für die Führungskräfte bedeutet die fortschreitende Digitalisierung, ihre Leitungsaufgaben nicht nur innerhalb des Unternehmens zu erfüllen, sondern künftig noch stärker entlang der gesamten Lieferkette“, sagte Dr. Gert Pfeilschmidt, Vorstandsvorsitzender der BME-Region Chemnitz-Sachsen. Das neue Veranstaltungsformat habe den 40 teilnehmenden Einkaufsleitern und Geschäftsführern wertvolle Anregungen zur Optimierung ihrer Führungsaufgaben gegeben. „Der rege Zuspruch bestärkt uns, 2018 ein 2. Mitteldeutsches Einkaufsleitertreffen zu organisieren. Thema, Ort und Termin werden wir rechtzeitig bekanntgeben“, fügte Pfeilschmidt hinzu.

*Vom 1. Mitteldeutschen Einkaufsleitertreffen der BME-Regionen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Leipzig berichtete Frank Rösch, BME.

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