Aufschwung festigt sich trotz globaler Risiken

Gemeinschaftsdiagnose: In ihrem Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung stellen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute der deutschen Konjunktur ein gutes Zeugnis aus.

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Die deutsche Wirtschaft befindet sich nun schon im fünften Jahr eines moderaten Aufschwungs. Die Kapazitätsauslastung nimmt allmählich zu, und die Produktionskapazitäten dürften mittlerweile die Normalauslastung leicht überschritten haben. Davon gehen die an der Gemeinschaftsdiagnose beteiligten Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung aus. Die konjunkturelle Dynamik bleibe dabei im Vergleich zu früheren Aufschwungphasen gering, auch weil der wenig schwankungsanfällige Konsum die Hauptantriebskraft sei. Einer stärkeren Kapazitätsanspannung wirke zudem entgegen, dass die Nettozuwanderung das Produktionspotenzial erhöhe.

„Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 1,5 Prozent (kalenderbereinigt 1,8 Prozent) und im kommenden Jahr um 1,8 Prozent zulegen. Die Arbeitslosenquote dürfte nach 6,1 Prozent im vergangenen Jahr auf 5,7 Prozent 2017 und 5,4 Prozent 2018 sinken“, so Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Nach einem Anstieg der Verbraucherpreise von nur 0,5 Prozent 2016 würden im Prognosezeitraum mit 1,8 Prozent 2017 und 1,7 Prozent 2018 wohl wieder merklich höhere Raten erreicht. Die öffentlichen Haushaltsüberschüsse gehen den Angaben zufolge etwas zurück; das Finanzgebaren der öffentlichen Hand sei im laufenden Jahr leicht stimulierend und im kommenden Jahr konjunkturneutral ausgerichtet.

Im Frühjahr 2017 expandiere die Weltwirtschaft recht kräftig. Die Konjunktur in den USA habe seit dem Sommer vergangenen Jahres an Schwung gewonnen; sowohl der Euroraum als auch Japan seien schon länger in einem moderaten Auf-schwung. Auch in China habe die wirtschaftliche Dynamik ab dem Frühjahr 2016 Fahrt aufgenommen, nicht zuletzt als Folge staatlicher Stimulierungsmaßnahmen.

Alles in allem dürfte sich die Zuwachsrate der Weltproduktion in dem in diesem Gutachten berücksichtigten Länderkreis von 2,6 Prozent im vergangenen Jahr auf 3,0 Prozent 2017 erhöhen. Für 2018 werde eine Zuwachsrate von 2,9 Prozent prognostiziert

Die Unsicherheit über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sei erheblich. So sind die Vorhaben der neuen US-Regierung und ihre Wirkung auf die Weltwirtschaft nach Einschätzung der Forschungsinstitute unklar. Zum einen könnte der finanzpolitische Impuls in den USA deutlich größer ausfallen als in der Prognose unterstellt. Zum anderen verfolge die US-Regierung eine protektionistische Agenda, deren Umsetzung negativ auf Welthandel und Weltproduktion wirken würde. Damit gingen von der US-Wirtschaftspolitik auch Abwärtsrisiken für Deutschland aus. In Europa seien die politischen Entwicklungen und ihre Auswirkungen ebenfalls schwer einzuschätzen, so etwa der Gang der Verhandlungen über den Brexit.

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