30.06.2017 //

BME-Thementag: Lieferant im Fokus

Lieferantenmanagement wird zu einem Impulsgeber für das ganze Unternehmen. Der 5. BME-Thementag zeigte auf, inwieweit Daten, Risiken und eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit Treiber dieser Entwicklung sind.

In Frankfurt am Main diskutierten Einkäufer und Referenten aktuelle Fragen zum Lieferantenmanagement. Foto: Cornerstone/Pixelio.de

Lieferant und Einkäufer rücken nicht nur näher zusammen, die Beziehung wird Teil eines Netzwerkes, das sich auch in andere Bereiche im Unternehmen erstreckt. Daraus ergeben sich zudem große Potenziale für Einsparungen. Allerdings braucht ein systematisches Lieferantenmanagement zunächst einen starken Rückhalt aus der Unternehmensführung, wie sich auf dem 5. BME-Thementag Strategisches Lieferantenmanagement am 22. Juni 2017 in Frankfurt am Main zeigte. Einkäufer diskutierten mit den Referenten, wie hilfreich beim Lieferantenmanagement der Einsatz von IT Tools ist oder welche Schritte in den Schnittstellen zu anderen Unternehmensbereichen zu beachten sind.

Bei Wittenstein SE, ein Anbieter für mechatronische Antriebslösungen, ist der Lieferantenlenkungskreis direkt an die erste Führungsebene angebunden. Im Team sind Einkauf, Logistik, Qualität und Technik. „Wir haben Top Management Attention“, unterstrich Einkaufsleiter Oliver Palmert die Bedeutung des Gremiums. In erster Linie ist das Thema Risiko im Lieferantenmanagement verankert. Bei Auffälligkeiten greift ein gestuftes Vorgehen. Bereits bei der Auswahl erfolgt eine Prüfung mittels einer strukturierten und standardisierten Analyse.

Dass gerade in der Auswahl der Zulieferer viele Möglichkeiten stecken, zeigte Stefanie Hoffmann von Infineon auf. Nur wenn alle beteiligten Bereiche, dazu zählen beispielsweise Qualitätsmanagement oder Business Continuity, zustimmen, wird ein neuer Lieferant freigeschaltet. Sie steuert das  Lieferantenmanagement bei Infineon, das mittels eines vor einigen Jahren initiierten IT-Tools die globalen Standorte verbinden und die Transparenz erhöhen soll. Wichtig ist dem Unternehmen auch, die Prozesscompliance sicherzustellen. "Wir stellen bei Infineon sicher, dass alle unsere Lieferanten nach einem kontrollierten Prozess ausgewählt und freigegeben werden", zeigt Hoffmann auf. "

Eigene Schwachstellen finden

Lieferantenmanagement ist auch Risikomanagement. Prof. Robert Dust von der Technischen Universität Berlin unterstrich, dass es bei der frühzeitigen Erkennung von Risiken wie Insolvenzen darauf ankäme, Wissen zu generieren. „Auch wenn viele Daten gesammelt werden – entscheidend ist die Auswertung.“ Er schätzte, dass die Hälfte der generierten Daten in den Unternehmen zu Falschinterpretationen führt. „Wir brauchen Trend- und Prognoseinstrumente, um realistische Aussagen zu treffen.“ Indikatoren für ein zunehmendes Risiko in der Lieferkette sind nach seiner Ansicht, wenn ein Lieferant plötzlich auffallend positiv über sich berichtet oder seine Liefertreue stark abfällt. Andererseits: „Das Bestellverhalten vieler Unternehmen führt oftmals auch zu Problemen, da die Auftraggeber oftmals zu dynamisch bestellen oder ihre Anforderungen nicht genau spezifizieren“, kritisiert der Wissenschaftler.

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