05.09.2016 //

Compliance wird international immer wichtiger

Bei Menschenrechtsverletzungen entlang der Lieferkette könnten Unternehmen künftig stärker in die Haftung genommen werden .

Bild: Fotolia Bild: Fotolia

Für Unternehmen könnte sich eine neue Rechtsgrundlage ergeben, wenn sie auf Grundlage eines Verhaltenskodexes für Verstößen bei globalen Zulieferern haftbar gemacht werden. Vor dem Landgericht (LG) Düsseldorf ist der Textildiscounter KiK auf Schadenersatz verklagt worden infolge des schweren Unglücks in einer Textilfabrik im pakistanischen Karachi. Geklagt haben vier pakistanische Staatsangehörige mit der Begründung, dass KiK die Brandschutzvorschriften nicht ausreichend überprüft habe bei seinem Zulieferer, wie das Rechtsmagazin "Legal Tribune Online" berichtete. „Aus vielen Ländern sind Menschenrechtsverletzungen bekannt. Wenn es zur Durchsetzung von Schadenersatzforderungen kommt, ist abzusehen, dass Organisationen und Privatpersonen weitere Unternehmen verklagen werden“, sagt BME-Hauptgeschäftsführer Christoph Feldmann. Verträge mit Zulieferern, die auf der Einhaltung angemessener Arbeitsbedingungen bei ihren globalen Zulieferern basieren, sind bereits in vielen Unternehmen gängige Praxis.

Compliance, also die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und interner Richtlinien, steht immer stärker im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Der BME als größter Einkäuferverband in Europa hat mit der BME-Compliance-Initiative einen internationalen und branchenübergreifenden Mindeststandard geschaffen, um Unternehmen beim Aufbau und der Weiterentwicklung einer entsprechenden Unternehmenskultur – branchenübergreifend und international zu unterstützen. Der BME-Code of Conduct stärkt in diesem Feld BME-Mitglieder, Unternehmen und Lieferanten im internationalen Wettbewerb, bietet Kosteneinsparpotentiale und ein Mindestmaß an Sicherheit.

Kürzlich haben der BME und das Deutsche Institut für Compliance (DICO) zudem eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Der BME stellt seinen Mitgliedern damit ein noch umfassenderes Know-how bei der Errichtung und Optimierung von Compliance-Management-Systemen zur Verfügung. DICO und BME wollen Unternehmen vor allem durch branchenübergreifende Orientierungshilfen, durch gemeinsame Vortragsveranstaltungen sowie durch Schulungen und Seminare für Compliance sensibilisieren.

EU-Gesetzentwurf: Zertifizierungspflicht für Unternehmen

Auch in der Europäischen Union gibt es Bestrebungen, Unternehmen eine stärkere Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen entlang der Lieferkette zu übertragen. Mitte Juni endete die vierte Trilog-Verhandlungsrunde zwischen EU-Parlament, Kommission und Ministerrat zum Import von Konflikmineralien. Europäische Importeure dieser Rohstoffe müssen sich demnach als "verantwortungsvolle Einführer" zertifizieren lassen, Konfliktregionen sind allerdings nicht spezifiziert worden, wie die WirtschaftsVereinigung Metalle erklärt. Mit der Regelung sollen Konflikte und Menschenrechtsverletzungen in Konfliktregionen eingedämmt werden. Gerechnet wird mit einer Abstimmung im Europäischen Parlament im Oktober dieses Jahres.

Die aktuelle Befragung "Nachhaltigkeitsberichtserstattung in der Praxis" des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung und der Unternehmensvereinigung Future zeigt zudem eine zunehmende Nachfrage nach Informationen über die Lieferanten von Großunternehmen. Über 70 Prozent verzeichnen laut Magazin Markenartikel eine vermehrte Nachfrage danach, wie sie Verantwortung für ihre Lieferkette übernehmen, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit Risiken aufseiten ihrer Lieferanten.

Weiterempfehlen

Weitere Meldungen zu: