28.04.2017 //

Die neue BIP: „IT-Sicherheit lässt sich kaum nachrüsten“

In der Mai-Ausgabe des BME-Verbandsmagazins Best in Procurement erklärt Technikphilosoph Sandro Gaycken im BIP-Interview, wie extrem angreifbar IT-Technologien sind. Weitere Themen sind die Digitalisierung des Einkaufs und Materialgruppenmanagement.

Foto: Dragon Images/Fotolia

Weite Teile der Wirtschaft sehen in den mit Industrie 4.0 verbundenen technischen Möglichkeiten insbesondere neue Geschäftsfelder. Sandro Gaycken, Director des Digital Society Institute an der European School of Management and Technology, warnt vor blinder Technikgläubigkeit. Im BIP-Interview weist er auf gewaltige IT-Sicherheitslücken hin. „Die einmal entstandenen Systeme lassen sich nicht ohne weiteres nachrüsten.“ Leider wisse kaum einer der Anwender, wie man das Sicherheitsproblem im Hinblick auf die geplante digitale Vernetzung aller Glieder der Wertschöpfungskette in den nächsten fünf bis zehn Jahren auch nur ansatzweise in den Griff bekomme.

Die Einkäufer sind nach Ansicht von Gaycken ein großer Teil des Problems: „Sie sind der eigentliche Grund für das Versagen des IT-Marktes.“ Denn sie könnten bisher nicht genau benennen, was sie eigentlich benötigten. Gemeinsam mit dem bayrischen Rüstungskonzern Hensoldt arbeitet das Digital Society Institute an einem Prototyp: der erste unhackbare Computer in Serienreife. „Auf dem Gerät wird ‚Made in Germany‘ stehen. Das könnte ein Riesenexportschlager werden“, so Gaycken.

Einfache digitale Lösungen gefragt

Den Kurs der Digitalisierung näher bestimmen war auch eine der Kernfragen auf den BME-eLösungstagen in Düsseldorf. Das Antwortspektrum reicht dabei über einen verschlankten Einkauf, der sich selbst wegdigitalisiert hat bis hin zu einem Einkauf, der zum aktiven Treiber des digitalen Wandels wird und die Hoheit über die Daten behält. Wichtiges Kriterium ist dabei, dass digitale Prozesse für die Anwender einfach sein müssen. Wie weit Unternehmen in der Digitalisierung des Einkaufs bereits gekommen sind, ist Thema der BIP-Titelgeschichte mit spannenden Beispielen aus der Praxis.

Stahlpreise steigen und steigen

Ein Ende der anziehenden Stahlpreise ist noch nicht absehbar. Durch den Boom am chinesischen Stahlmarkt, der durch die zahlreichen Infrastrukturprojekte der Regierung in Beijing ausgelöst wurde, sinken die chinesischen Exporte. Bei Langprodukten wie beispielsweise Walzdraht sind die Preise gegenüber 2016 kräftig gestiegen, mitunter im dreistelligen Eurobereich.  Viele Unternehmen sind von den Entwicklungen überrascht worden. „Häufig wird über die weltweiten Überkapazitäten und die Krise am Stahlmarkt gesprochen, da passen durch die Decke schießende Stahlpreise erst einmal nicht ins Bild“, sagte Christian Vietmeyer, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung e.V. gegenüber BIP. Verschiedene Hebel wie Verträge mit langfristigen Laufzeiten oder ein intensives Monitoring können Vorteile im Stahleinkauf verschaffen.

Systematik schafft Mehrwert

Wenn eine oder mehrere Kategorien standortübergreifend zusammengelegt werden, bietet sich Spielraum für Einsparungen im Einkauf. Viele Unternehmen bleiben allerdings auf halbem Weg stecken. Oft liegen die Probleme im Detail. Wie sie umschifft werden können, zeigen zwei Unternehmensbeispiele. Bei Voith Turbo wandelte sich der Einkauf von einer dezentralen zu einer globalen Organisation. K+S hat im Zuge eines globalen MGM eine weltweit einheitliche Systematisierung der Ausgaben eingeführt. Auch ein strukturiertes Beschaffungsverfahren kann erhebliche Verbesserungen bewirken. Bei Evonik bündelte Paolo Indiano, Category Manager Raod Packed Evonik Industries, über Ausschreibungen Volumen und richtete Transporte nachhaltiger aus.

Pharmazeutische Lieferketten im Dienst der Patienten

Die Bedeutung von Logistik und Supply Chain zur Verbesserung der Versorgung von Patienten in Entwicklungsländern ist deutlich gestiegen. BIP stellt in seinem Nachbericht zum BME-Pharma Supply Chain Congress die Vision einer selbstfahrenden Versorgungskette über einen Supply Chain Control Tower vor und wie globale pharmazeutische Lieferketten die medizinische Versorgung spürbar verbessern können anhand eines Pilotprojekts im Senegal.

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Ausblick auf BIP 4/2017

 

  • Titel: BME-eLösungstage – Auf die Plätze, fertig, vernetzt!
  • Rohstoffe: Explodierende Stahlpreise
  • „IT-Technologien sind extrem verwundbar und unreif“, Technikphilosoph Sandro Gaycken im BIP-Interview
  • Shopping bei Beiersdorf: Die Strategie des BME-Preisträgers „Excellence in eSolutions“
  • Geschäftsmodelle neu denken: Deutsche Industriechefs fordern mehr Mut zum Risiko
  • Der Insekten-Revoluzzer: BIP besucht Folke Dammann, Snack Insects
  • Globale Supply Chains im Dienst der Patienten: Die Transformation der pharmazeutischen Lieferketten
  • Der Einkäufer der Zukunft: Ein Berufsbild im Wandel Erscheinungstermin: 9. Mai 2017

Erscheinungstermin: 9. Mai 2017

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