Reges Interesse an Amazon-Führung

Im Rahmen des 2nd BME Pharma Suppy Chain Congress haben rund 35 Supply Chain Manager gesehen, wie sich ein „Päckchen“ seinen Weg durch das Koblenzer Logistikzentrum bahnt.

Blick in eine der acht Hallen am Koblenzer Standort von Amazon. Foto: BME e.V.

Wenn das Päckchen auf Mario und Luigi trifft, steht nur noch eine letzte Hürde an. Ein Aufkleber könnte verrutscht sein, das tatsächliche Gewicht nicht mit dem berechneten Gewicht übereinstimmen oder es fehlen die notwendigen Aufkleber für ein Elektrogerät. Dann wird das fehlerhafte Päckchen herausgefiltert, von einem Mitarbeiter geöffnet, der Fehler gesucht und je nach Diagnose erneut in den Paketkreislauf im Koblenzer Logistikzentrum von Amazon wieder einsortiert. „Mario“ und „Luigi“ sind keine echten Mitarbeiter, sondern zwei italienische Maschinen in Halle X2, die von den Kollegen so getauft wurden. Aufgabe beider Maschinen im Warenausgang ist es, die Pakete vor der Beladung in den LKW mit einem Adressaufkleber zu bestücken.

Den Weg eines „Päckchens“ vom Wareneingang über die Einsortierung in die Regale bis zum Warenausgang im Koblenzer Logistikzentrum von Amazon verfolgten die rund 35 Teilnehmer des 2nd Global Pharma Supply Chain Congress. Im Vorfeld des Kongresses fanden neben der Führung durch das Logistikzentrum von Amazon weitere Field Trips statt: zum Lufthansa Cargo Cool Center/Perishable Center Frankfurt sowie zum Sanofi Distribution Center Frankfurt.

Leere Halle für das Weihnachtsgeschäft

Rund 17 Fußballfelder umfasst die Fläche des Amazon Logistikzentrums in Koblenz, direkt an der Anschlussstelle Koblenz-Metternich an der A 61 gelegen. „Unsere Stammbelegschaft beläuft sich auf über 1.900 Mitarbeiter“, sagt Thorsten Schwindhammer, Community Relations Manager. Vor Weihnachten kommen rund 2.000 weitere dazu. In dieser Zeit läuft in Koblenz alles auf Hochtouren. Eine der acht Hallen steht die meiste Zeit im Jahr nahezu leer und wird extra zum Weihnachtsgeschäft für die zusätzlichen Mitarbeiter in der sogenannten „Peak“-Zeit genutzt. Dass Amazon weiter auf Expansion setzt, verdeutlichen u.a. die angekündigten neuen Logistikzentren in Dortmund, Frankenthal und Winsen.

Die Investitionstätigkeit ist rege. „Allein in das Koblenzer Werk sind 2016 über 3 Millionen Euro investiert worden“, erklärte Senior Operations Manager Tobias Rainer. Darunter fielen Verbesserungen im Lärmschutz, Umbau des Picktowers, Erweiterung der Förderanlage und der Packlinien sowie die Installation von zwei Vakuumliftern. Am Ende steht für Amazon weltweit die Vision, das größte Angebot an Waren für den Kunden zur Verfügung zu stellen. „Wir sind kundengetrieben und denken alle Prozesse vom Kunden her“, sagte Community Relations Manager Thorsten Schwindhammer. „Das ist Teil unseres genetischen Codes.“

Chaotische Lagerhaltung als Prinzip

Auch wenn Amazon ein Treiber der Digitalisierung ist, kommen im Koblenzer Werk bislang weder Drohnen noch Roboter zum Zuge. Die rund 1 Million Einheiten, die wöchentlich in das Werk einlaufen, werden gescannt und danach nach dem Prinzip der chaotischen Lagerhaltung einsortiert. „Die Mitarbeiter suchen sich in den Regalen einen freien Platz in einer Box“, erklärte Thorsten Schwindhammer. Bis zu sechs Artikel finden in einer Box Platz. Vorrätig sind in Koblenz zwischen 3 und 6 Millionen Artikel. Seine Kollegen und er sind stolz auf die sorgsame Handhabung der Ware. „Darauf wird bei uns besonders geachtet, damit der Kunde kein beschädigtes Produkt erhält.“  

Zur Entnahme sieht der Kollege, in welcher Box sich die Ware befindet. Die Produkte wandern händisch nach dem erneuten Scannen in eine Transportbox, ehe diese Box über Transportbänder in den Packbereich gelangt. Schließlich fehlt – vor der Verladung – nur noch die Verpackung. „Damit die Tätigkeit für die Mitarbeiter abwechslungsreich bleibt, können die Kollegen auch ihre Einsatzorte wechseln“, ergänzt Thorsten Schwindhammer. Wert legen die Koblenzer zudem auf die Integration von Menschen mit Handicaps. Knapp 100 solcher Mitarbeiter arbeiten in dem Werk, weitere 62 Mitarbeiter sind Flüchtlinge.  

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