Supply Chains im Dienst der Patienten

In der Pharmabranche gewinnt die Lieferkette an Bedeutung. Die digitale Verzahnung von Produktion und Nachschub eröffnet große Chancen, Big Data ist der Schlüssel für den Aufbau von Informationsnetzwerken in Echtzeit.

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Die Pharmabranche erlebt große Umwälzungen. Neben geänderten Rahmenbedingungen wie auslaufende Patente oder eine wachsende Bedeutung der Generikahersteller gewinnt die Supply Chain an Bedeutung. Flexible Lieferketten sind gefragt, um kurzfristig zu erkennen, welche Produkte und Services die Patienten wann und wo brauchen. Big Data ist in diesem Zusammenhang der Schlüssel, um ein Informationsnetzwerk in Echtzeit aufzubauen. Damit können Informationen generiert werden, die zeigen, wann und wo die Zielgruppen etwas kaufen wollen.

Alessandro de Luca, CIO für Healthcare bei Merck, stellte auf dem 2nd BME Global Pharma Supply Chain Congress in Frankfurt am Main seine Vision einer selbstfahrenden Versorgungskette vor. Darin sind Kundenwünsche und Unternehmensangebote perfekt aufeinander abgestimmt. Im Idealfall zeigen Prognosen, wo Kunden welche Produkte nachfragen werden, bevor die Bestellungen eingegangen sind. Unternehmen können dann die Produktion rechtzeitig darauf einstellen und die Logistik organisieren. Für diese Vision arbeitet De Luca seit einiger Zeit mit Big-Data-Instrumenten. „Wir nennen unser Modell den Supply Chain Control Tower“, sagt er. Derzeit wird das System im Biopharma-Geschäft getestet.

Im Senegal konnte ein Supply-Chain-Pilotprojekt die Versorgung von Frauen mit Verhütungsmitteln deutlich verbessern. Medikamente erreichen dort den Endabnehmer oft nur sporadisch, da der Weg über mehrere lokale Logistikzentren führt und der Bestellprozess für den Nachschub mangelhaft ist. Das Projekt „Informed Push Model Senegal“ setzt an der Lieferkette an. Der Bestand wird nicht mehr von den pharmazeutischen Verkaufsstellen und Kliniken gesteuert, sondern unabhängige Logistikdienstleister übernehmen die Nachbestellungen via Tablet. Die Daten werden in die Cloud hochgeladen und stehen dann der Logistikkette zur Verfügung, sodass der gesamte Nachschub- und Produktionsprozess digital verzahnt ist. Das Pilotprojekt hat den Weg gebahnt für einen landesweiten Roll-out. „Seit Januar erfolgt die Versorgung mit Verhütungsmitteln im ganzen Land unter Einbindung von externen Logistikdienstleistern“, erklärt Martin Ewert von der Bill & Melinda Gates Stiftung.

Der vollständige Artikel ist in der Mai-Ausgabe von BIP–Best in Procurement veröffentlicht worden. Mitglieder erhalten das Magazin im Rahmen ihrer Mitgliedschaft.

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