06.04.2017 //

„Wir setzen konsequent auf europäische Qualität“

Wolfgang Scheller, Leiter Materialwirtschaft bei LoeschPack: "Wir antworten auf die wachsenden globalen Risiken mit einer Double-Sourcing-Strategie."

Wolfgang Scheller, Leiter Materialwirtschaft der Loesch Verpackungstechnik GmbH (LoeschPack), Altendorf, im BME-Interview*:

Fotos: LoeschPack

Fotos: LoeschPack

Wolfgang Scheller ist Leiter Materialwirtschaft der Loesch Verpackungstechnik GmbH (LoeschPack) in Altendorf. Der mittelständische Maschinenbauer ist Spezialist für die Herstellung von Verpackungsmaschinen und -anlagen für die Süßwarenindustrie.

LoeschPack ist eine Tochter der Piepenbrock Unternehmensgruppe (PUG). Organisieren Sie Ihren Einkauf selbstständig oder über die PUG?
Unsere GmbH wurde 1982 von der PUG übernommen. Am Standort Altendorf im oberfränkischen Landkreis Bamberg arbeiten derzeit rund 300 Beschäftigte. Innerhalb der Unternehmensgruppe werden wir als selbstständiger Maschinenbauer geführt. LoeschPack steuert Vertrieb, Produktion, Marketing und Einkauf eigenverantwortlich. Gleichzeitig gibt es Synergie-Effekte zwischen LoeschPack und PUG, beispielsweise in den Bereichen Buchhaltung und Personal. PUG hat ebenfalls einen eigenen Einkauf. Wir arbeiten mit dem Beschaffungsteam in Osnabrück bei den Themenfeldern Fuhrpark, Energie und IT zusammen.

Unterhält LoeschPack Standorte im Ausland?
Unser Hauptsitz ist Altendorf. Wir haben Tochtergesellschaften in Koblenz, im Schweizer Kanton Aargau, in den USA, Asien, in der Ukraine, Russland und Frankreich.

Beschaffen Sie auch im Ausland?
Prinzipiell beschaffen wir als international agierender Maschinenbauer auch global. Wir beziehen unsere Produktions- und Nichtproduktionsmaterialien aber zu einem  Großteil in Deutschland sowie im nahen europäischen Ausland. Vereinzelt sourcen wir auch in den USA und in Asien. Allerdings ist die Anzahl der dort beschafften Güter nur sehr gering.

Wie groß ist Ihre Einkaufsabteilung?
Mein Team besteht aus sieben Mitarbeitern. Unser jährliches Beschaffungsvolumen bewegt sich zwischen 12,8 Millionen und 14 Millionen Euro. Wir kaufen vor allem Komponenten und Fertigungsteile nach Zeichnung, sowie Hilfs- und Betriebsstoffe ein. Eine weitere große Warengruppe bilden die Rohstoffe, beziehungsweise Halbzeuge. Dazu zählen Stahl, Edelstahl, Aluminium und Kunststoffe wie beispielsweise Acrylglas und Polycarbonat. Unsere Beschaffung organisieren wir dabei direkt über Hersteller sowie über Händler und Großhändler.

Wie intensiv beobachten Sie die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten?
Auch wenn wir nicht direkt an den Rohstoffbörsen einkaufen, spielt für uns die kontinuierliche Beobachtung der Kursnotierungen eine große Rolle. Das betrifft insbesondere Aluminium und Kupfer. Stahl haben wir ebenfalls im Blick. Zusätzlich dazu verfolgen wir den Kunststoffmarkt. So müssen wir beispielsweise bei Acrylglas genau schauen, ob es bei den Vormaterialien Ausschläge nach unten oder oben gibt. Dort kommt es gegenwärtig aufgrund des knapper werdenden Angebots zu Preisanstiegen im zweistelligen Prozentbereich. Wir stützen uns auch auf Rohstoff-Daten des VDMA und erhalten wichtige Marktinformationen von unseren Händlern.

Kaufen Sie Qualitätsstähle ein?
Wir verwenden legierte und damit hochwertige Stähle. Deshalb kaufen wir auch keinen Billigstahl in Fernost ein, sondern setzen konsequent auf europäische Qualität. Und die hat ihren Preis. Auch bei Aluminium verpflichten wir unsere Händler, dass die von uns benötigten Mengen aus der EU kommen. Hier muss die Qualität stimmen, weil unsere Produkte sonst nicht über die erforderliche Oberflächengüte verfügen würden.

Spielt der Rohölpreis in Ihrem Einkauf eine Rolle?
Wir verfolgen die Preisentwicklung bei Brent und WTI. Allerdings können wir zwischen dem Rohölpreis und den Preisen der von uns verwendeten Kunststoffe keinen direkten Bezug herstellen. Wenn der Ölpreis steigt, müssen sich die für uns relevanten Kunststoffe noch lange nicht verteuern. Hierzu braucht es schon einen längeren Zeitraum.

Wenden Sie die verschiedenen Instrumente der Rohstoffpreisabsicherung an?
Nein. Dafür nutzt unser Einkauf die Vorteile sogenannter Abrufaufträge. Wir vereinbaren für ein Jahr eine bestimmte Abrufmenge und können diese in bestimmten Losgrößen und zu bestimmten Zeiten abrufen. Das hilft uns, Prozesskosten einzusparen.

Beeinflussen die wachsenden internationalen Krisen Ihre Beschaffungsstrategie und Ihr Risikomanagement?
Ja, das tun sie. Wir antworten darauf mit einer Double-Sourcing-Strategie. Single Sourcing betreiben wir nur dort, wo es aus bestimmten Gründen nicht anders geht. Ansonsten wenden wir stets beide Beschaffungsmöglichkeiten an. Es kann schon einmal vorkommen, dass Lieferanten kurzfristig Probleme mit ihren Produktionsanlagen haben oder überlastet sind. Dann müssen wir sicherstellen, möglichst zeitnah an Ersatzmaterial in ausreichender Qualität und Menge zu gelangen. Hier ist von Vorteil, dass wir die meisten Artikel in Deutschland und Europa einkaufen. Damit bleiben uns Lieferprobleme in dem einen oder anderen Krisengebiet jenseits unserer Grenzen weitestgehend erspart. Allerdings können wir nicht immer in die Sourcing-Ketten unserer Lieferanten schauen. Auch das birgt Geschäftsrisiken und erschwert unseren Einkauf.

Der Zulieferstreit mit VW 2016 hat die Automotive-Branche erschüttert. Wie managen Sie die Zusammenarbeit mit Ihren Suppliern?
Getreu unserer Firmenphilosophie pflegen wir eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten und stehen mit ihnen in einem engen Dialog. Wir sind zudem an langjährigen guten Geschäftsbeziehungen interessiert. Dazu gehört, dass sich Hauptparameter wie Preis, Lieferzeit, Performance und Qualität immer in einem vernünftigen Rahmen bewegen. Wir führen regelmäßig Lieferanten-Audits durch und werten die Ergebnisse mit unseren Partnerbetrieben aus. Unsere A-Lieferanten laden wir regelmäßig zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch in unser Werk nach Altendorf ein.

Setzen Sie E-Lösungen zur Optimierung Ihrer Einkaufsaktivitäten ein?
Ja, der Einsatz von E-Lösungen hilft uns bereits seit einigen Jahren, die Beschaffungsprozesse effizienter zu gestalten. Dadurch konnten wir auch die Prozesskosten deutlich senken. Wir setzen E-Tools in den Bereichen elektronische Bestellung, Auftragsbestätigung und Rechnungsverarbeitung ein.

Wie wichtig ist der Umweltschutz für Ihr Unternehmen?
LoeschPack und die gesamte PUG nehmen das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit sehr ernst. Dazu bieten wir unseren Kunden  unter dem Gütesiegel „carbon neutral packaging“ eine CO2-neutrale Maschine an. Über Klimaschutzprojekte gleichen wir diejenigen Emissionen aus, die während des Wertschöpfungsprozesses freigesetzt werden. Dies bestätigt ein offizielles Zertifikat, das von neutraler Stelle verliehen wird. Im Einkauf leisten wir einen Beitrag zum Umweltschutz und zu mehr Effizienz, indem wir lange Transportwege möglichst vermeiden. Auch Regional Sourcing spielt hierbei eine große Rolle. Zudem fordern wir von unseren Lieferanten, ihre Verpackungsmittel zu reduzieren. Im Gegenzug recyceln wir nicht mehr benötigte Verpackungen und Metallreste aus unserer Fertigung.

*Das Interview führte Frank Rösch, BME.

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