09.01.1970 //

2015 – Wohin Einkaufschefs steuern, Teil 4

Verantwortliche von Krones und der Allianz-Gruppe äußern sich zu ihren Plänen.

Alois Bachfischer (l.) und Dr. Turan Sahin äußern sich zu ihren Plänen für 2015. Fotos: Krones, Allianz

Der BME hat bei Einkaufschefs nachgefragt, wo sie im Jahr 2015 ihre Herausforderungen und Schwerpunkte sehen. In der vierten und letzten Ausgabe äußern sich Verantwortliche von Krones und der Allianz-Gruppe zu ihren Plänen für das neue Jahr. Für Alois Bachfischer, Head of Strategic Purchasing beim Getränke-Abfüllanlagenhersteller Krones, ist Best Cost Country Sourcing ein Muss. Dr. Turan Sahin will bei Allianz Managed Operations & Services SE das Lieferantenportfolio optimieren. Außerdem stehen bei dem Shared-Service-Center der Allianz-Gruppe digitalisierte Einkaufsprozesse auf der Agenda.

Stichwort Konjunktur: Wie schätzen Sie die Marktentwicklung Ihrer Branche 2015 ein?

Bachfischer: Langfristig wird Krones von dem weiterhin wachsenden Bedarf an abgepackten  Nahrungsmitteln und Getränken weltweit profitieren. Treiber sind dabei die Bevölkerungsentwicklung und der zunehmende Wohlstand in den Emerging Markets. Für 2015 sehen wir insgesamt die Konjunkturentwicklung verhalten optimistisch. Wir erwarten Nachfragesteigerungen für unsere Maschinen und Anlagen in den USA, Afrika, im Nahen und Mittleren Osten und in Asien. Gleichbleibendes Niveau beziehungsweise leichte Rückgänge erwarten wir im Euroraum, in China, GUS und Lateinamerika. Dies gilt vorbehaltlich weiterer Eskalationen in den bekannten Krisenregionen.

Sahin: Laut Einschätzung unserer Konzernökonomen sollte sich auch im nächsten Jahr die insgesamt stabile Entwicklung der Versicherungsmärkte fortsetzen. Insgesamt rechnen wir mit einem (wechselkursbereinigten) Anstieg des globalen Prämienvolumens im Versicherungsgeschäft um rund vier Prozent. Hinter dieser quantitativen Einschätzung steht eine Reihe von langfristigen Trends, die das Versicherungsgeschäft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten beeinflussen und bestimmen und die unser Geschäft einschneidend verändern werden: Technologie, Demografie, Verbraucherverhalten, Umwelteinflüsse (Klimaerwärmung). Hinzu kommen weitere Herausforderungen wie zum Beispiel höhere Regulierungsanforderungen und das Thema Digitalisierung unserer Geschäftsmodelle. Die neuen Technologien ermöglichen es uns, den sich ändernden Anforderungen unserer Kunden Rechnung zu tragen, neue Produkte und Tarife zu entwickeln und noch effizienter und wettbewerbsfähiger zu werden.

Stichwort Strategie: Welche Maßnahmen in der Beschaffung stehen auf der Agenda?

Bachfischer: Die Einkaufsstrategie, abgeleitet von unserer Unternehmensstrategie, setzt auf Kostenvermeidung statt auf Kostenoptimierung. Wir werden dem Rechnung tragen durch ein noch stärker differenziertes Lieferantenmanagement. Kooperative versus kompetitive Zusammenarbeit wird stärker herausgearbeitet werden. Mit dem Ausbau der eingesetzten (webbasierten) Tools zur Kommunikation mit unseren Lieferanten werden wir die entsprechenden Freiräume für verstärkte Herstellkosten-Analysen und eine frühzeitige Integration von ausgewählten Lieferanten in die Produktentstehung schaffen. Aber auch die gute alte Auktion wird unter neuen Rahmenbedingungen wieder verstärkt zur Anwendung kommen. Bei indirekten Materialien wird der Einkauf eine stärkere Rolle im Demand Management einnehmen.

Sahin:  Die Allianz ist ein global aufgestellter Finanzdienstleister mit Tochtergesellschaften. Über 83 Millionen Privat- und Unternehmenskunden setzen auf Wissen, globale Reichweite, Kapitalkraft und Solidität der Allianz, um finanzielle Chancen zu nutzen, Risiken zu vermeiden und sich abzusichern. Unser Ziel im Einkauf ist es, durch die Auswahl leistungsstarker, kompetenter, innovativer und selbstverständlich preiswerter Lieferanten nachhaltig zu unserem Unternehmenserfolg beizutragen. Dazu haben wir das "Global Vendor Program“ ausgerufen, um unsere weltweit größten Lieferanten systematisch an uns zu binden. Damit wollen wir langfristig die Zusammenarbeit mit unseren strategischen Lieferanten vertiefen, ihre operative Spitzenleistung abrufen und durch gezielte Projekte ihre Innovationskraft nutzen. Zudem wollen wir nachhaltig unser Lieferantenportfolio rationalisieren. Die Voraussetzungen für einen weltweiten Partner sind: wettbewerbsfähige Preise, exzellente Leistungen und Service, hochwertige Qualität sowie internationale Präsenz. Auf unserer Agenda 2015 stehen folgende Schwerpunktthemen: die Realisierung von nachhaltigen Einkaufseinsparungen, die Optimierung/Reduzierung des Lieferantenportfolios und die Digitalisierung der Prozesse im Einkauf. Hierzu wollen wir unser Einkaufsnetzwerk innerhalb der Allianz Gruppe durch gemeinsame Einkaufsinitiativen und - projekte nutzen. Dazu gehört auch die Erarbeitung einer weltweiten Beschaffungsrichtlinie.

Stichwort Global Sourcing: Auf welchen Märkten wollen Sie in den kommenden Jahren Ihre Beschaffungsaktivitäten verstärken? Welche Chancen und Risiken sehen Sie dort?

Bachfischer: Global Sourcing wird bei Krones übersetzt mit Best Cost Country Sourcing, wobei bei der Qualität keinerlei Kompromisse eingegangen werden. Im Rahmen unserer "Local for local"- Aktivitäten werden wir uns verstärkt in China engagieren. Dabei hat es sich als vorteilhaft erwiesen, die entsprechende (lokale) Supplier-Basis zunächst mit Lieferungen an unsere deutschen Werke zu beauftragen. Die so qualifizierten Lieferanten erfüllen dementsprechend dann auch die in sie gesetzten Erwartungen im "Local for local"-Geschäft. Auch in Osteuropa und der Türkei sehen wir derzeit gute Möglichkeiten, unser Einkaufsvolumen weiter auszubauen. Besonders anzumerken ist, dass sich in Osteuropa Fortschritte in allen Qualitätsfragen deutlich bemerkbar machen und dieser Beschaffungsmarkt zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Sahin:  Wir wollen unsere Beschaffungsaktivitäten auf die Märkte konzentrieren, in denen die Allianz-Gruppe vertreten ist. Daher versuchen wir, diese Beschaffungsmärkte über unsere lokalen Einheiten sowohl für den lokalen als auch für unseren globalen Bedarfe zu bearbeiten. Hierbei ist die enge Abstimmung zwischen lokalem und globalem Einkauf essenziell. Wir betreiben kein klassisches Global ("Low Cost") Sourcing. Wir leiten unsere Global-Sourcing- Strategie aus vier Elementen ab: 1. Verstärkte Nutzung der "Best in Class"-Lieferanten auf lokaler oder regionaler Ebene, 2. Kooperation mit globalen "Champions", 3. materialgruppenbasierte Beschaffungsstrategie, zum Beispiel zentraler Einkauf von IT-Bedarfen, 4. Etablierung von länderübergreifenden Beschaffungsgremien zur Bündelung von Bedarfen, um Einkaufssynergien zu schöpfen. Zum Global Sourcing gehört auch die konsequente Internationalisierung des Einkaufsteams: Inzwischen haben wir in unserem Münchner Büro Kollegen aus mehr als zehn Ländern und sprechen mehr als 25 Sprachen.
 

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