05.07.2019 //

Zu Besuch in der Stadt an der Piste

Young Professionals und Einkaufsexperten tourten über den Hamburger Flughafen auf Einladung der BME-Region Hamburg/Schleswig-Holstein. Einkaufsmanager von Hamburg Airport beleuchteten, wie Einkauf und Flugbetrieb ineinandergreifen.

Shuttlegates Flughafen Hamburg Auf rund 7.000 Quadratmetern Fläche entstehen am Hamburger Flughafen die sogenannten Shuttle Gates, eine neue temporäre Abfertigungshalle. Foto: Hamburg Airport/M. Penner

Wenn Erik Rabenberg sich davon überzeugen möchte, dass sein Arbeitsplatz am Hamburger Flughafen naturnah ist, kann er auf das Vorfeld fahren und rund 200.000 Bienen beim Pollenernten zusehen. Oder den Honig vom Hamburg Airport direkt aufs Brot streichen. Mit ihren rund 40 Ausflügen am Tag absolviert jede einzelne Biene täglich viele Starts und Landungen. Angesiedelt wurden sie vor 20 Jahren am Hamburger Flughafen und gelten als Bio-Detektive für die Luftqualität. Für den Leiter Zentraleinkauf am Flughafen Hamburg ist das aber nur ein Grund, warum er seinen Arbeitsplatz so schätzt: „Hamburg Airport ist ein cooles, innovatives und grünes ‚Produkt‘, da ist Musik drin.“

Der Hamburger steuert den Einkauf „einer kleinen Stadt“, wie er sagt. Sie finden hier alles, was es in einer Stadt gibt: ein eigenes Kraftwerk, eine Feuerwehr, Sicherheitsdienste, unternehmenseigene Betriebe für z.B. Gebäude- und Fahrzeuginstandhaltung- oder IT-Dienstleistungen, ein Shoppingcenter, Gastronomie, Andachtsräumen etc.“, erklärt er den rund 20 Young Professionals (YP) und Einkaufsmanagern. Sie nahmen auf Einladung der BME-Region Hamburg/Schleswig-Holstein an der YP-Veranstaltung teil*. Eine Premiere – schließlich hatte Lars Reimann, BME-Vorstandsmitglied der Region, gemeinsam mit Dennis Eppers, ebenfalls im Hamburger Regionsvorstand, seit längerer Zeit wieder erstmalig eine Regions-YP-Veranstaltung initiiert. „Wir freuen uns, dass die Veranstaltung so gut angenommen wurde und möchten auch das YP-Netzwerk hier in der Region damit stärken“, begrüßte Reimann die Runde.

Abgezäunter Betrieb auf dem Vorfeld

„Der Flughafen ist nicht nur eine kleine Stadt für sich, sondern auch ein stadtnaher Flughafen“, ergänzte Grischa Reents. Er verantwortet am Flughafen als Teamleiter den gesamten Einkauf von Planungs- und Bauleistungen im Zentraleinkauf „Der Einkauf schreibt aus, formuliert die Verträge verhandelt die Angebote und steigt gegebenenfalls bei einem Nachtrag wieder ein“, erklärte der Architekt. Immer gemeinsam mit den Kollegen/innen der jeweils betroffenen Fachbereichen.

Die besondere Herausforderung dabei: Der Flugbetrieb darf nicht stillstehen. Das ist besonders heikel, wenn etwa Bauarbeiten am Pistenkreuz anstehen, also dort wo sich die beiden Start- und Landebahnen überschneiden. Hier kann nur nachts gearbeitet werden, denn das Kreuz muss spätestens am nächsten Morgen um 6 Uhr wieder belastbar zur Verfügung stehen, damit Flugzeuge starten und landen können. Eine weitere Schwierigkeit für die Bieter ist, dass viele der Bauleistungen im Sicherheitsbereich zu erbringen sind. Das heißt jeder am Auftrag arbeitende Mitarbeiter und alles benötigte Material und Werkzeug muss erst durch Sicherheitskontrollen – vergleichbar zu den Passagierkontrollen – gebracht werden, bevor die Firmen mit der Leistungserbringung starten können.

Und so führte die Tour über das Vorfeld am Flughafen auch direkt an eine große Baustelle, die extra mittels eines Hochsicherheitszaunes mit einer eigenen Eingangswache vom restlichen Sicherheitsbereich abgegrenzt ist. In ihm befindet sich der bereits Form annehmende Neubau der rund 7.000 Quadratmeter großen sogenannten Shuttle Gates, einer neuen temporären Abfertigungshalle.

Vorfeldsanierung und Digitalisierungsprojekte

Der Einkauf am Airport wird früh in neue Projekte eingebunden, so auch beim Einkauf der automatisierten Gepäckaufgabe. „Wir wollen die Passagierschlangen an den Schaltern abbauen, daher bieten wir diese Schalter neu an und bauen das Angebot auch aus“, erklärte Projektmanagerin Miriam Fröhlich. Der Durchlauf der Passagiere konnte damit um 75 Prozent gesteigert werden.

Mindestens 120 Millionen Euro umfasst das jährliche Einkaufsvolumen. Größere Projekte werden EU-weit ausgeschrieben. So wie auch die Sanierung des Vorfelds 1 (also der Bereich der direkt vor den Terminals liegt und auf welchen normalerweise die meisten Flugzeuge geparkt sind) bei laufendem Betrieb. Die ersten Planungen des hochkomplexen 120 Millionen Euro Projektes begannen bereits 2011. 2015 erfolgte dann die erste Ausschreibung der Bauleistungen. „Wir haben das Projekt in zehn Phasen gegliedert und die Leistungen bewusst nach Phase 5 neu ausgeschrieben“, so Rabenberg. Dadurch konnten die Erfahrungen aus den ersten Phasen in die zweite Ausschreibungsrunde mit einfließen. Weitere große Vorhaben der letzten Monate waren die Sanierung der Fluggastbrücken und der Abbruch der alten Frachthallen, wo nunmehr Platz für eine Verlängerung der Pier Süd geschaffen wird.

Was den Einkauf am Flughafen derzeit umtreibt, sind die vielen Digitalisierungsprojekte. „Bis Ende 2020 wollen wir im Einkauf komplett digital arbeiten. Gerade erst wurden der komplette Freigabeprozess von Bestellungen und auch der gesamte Ausschreibungsprozess inklusive der Interaktion mit den Bietern digitalisiert“, erklärt die Teamleiterin für den Projekteinkauf, Petra Wulff. Eine E-Procurement-Plattform, über welche die Fachbereiche eigenständig Liefer- und auch Dienstleistungen aus vom Zentraleinkauf eingestellten Katalogen abrufen können, existiert schon seit 2014, berichtet der Einkaufsleiter.

Fachkräftemangel zwingt zu Kreativität

Ein weiterer Treiber ist die zunehmende Nutzung des sich in der Implementierung befindlichen Datawarehouses. Seit 2018 bauen wir im Einkauf um und steigern damit unsere Effizienz“, so Erik Rabenberg.

Was ihn aber persönlich umtreibt, ist der Fachkräftemangel. „Wir konnten einige Stellen trotz längerer Suche hier nicht mit passenden Bewerbern besetzen, so dass wir die Leistungsanforderungen an einige Positionen neu definiert haben.“ Aus einem strategischen Baueinkäufer wurde beispielsweise ein operativer Baueinkäufer + eine Vergabereferentin – so gelang die Stellenbesetzung und wir konnten die vorhandenen strategischen Baueinkäufer entlasten und ihnen wieder mehr Zeit für ihre Kernaufgaben geben. „Bewerben Sie sich jederzeit gerne“, forderte er auf.

*von der BME-Veranstaltung am Hamburger Flughafen berichtete Doris Hülsbömer, BME

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