„Ausblick verdunkelt sich“

Der DIHK hat die Ergebnisse seiner jüngsten Konjunkturumfrage veröffentlicht. Danach ist das Konjunkturbild in Deutschland deutlich schlechter geworden.

Schwieriger Ausblick: Angesichts wachsender internationaler Risiken ziehen am deutschen Konjunkturhimmel immer mehr Gewitterwolken auf. Foto: pixabay.com Schwieriger Ausblick: Angesichts wachsender internationaler Risiken ziehen am deutschen Konjunkturhimmel immer mehr Gewitterwolken auf. Foto: pixabay.com

„Das Konjunkturbild in Deutschland verschlechtert sich deutlich. Insbesondere die In-dustrie leidet unter den Verwerfungen im außenwirtschaftlichen Umfeld“, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bei der Vorstellung der Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage.

Betroffen seien nicht nur die Exporteure, sondern auch verbundene Zulieferer und Dienstleister im Inland. Nach neun Jahren Wachstum fange allerdings auch die Binnenkonjunktur an zu schwächeln. Gleichzeitig fehle es vielen Unternehmen, denen es eigentlich besser gehen könnte, an Fachkräften, um weiter zu wachsen.

Der Ausblick der Unternehmen verdunkle sich daher. Die Geschäftserwartungen würden in allen Wirtschaftszweigen deutlich schlechter eingeschätzt. Die Sorgen um die Nachfrage aus dem In- und Ausland nähmen spürbar zu (Inlandsnachfrage: 38 Prozent nach 34 Prozent; Auslandsnachfrage: 37 Prozent nach 33 Prozent). Wansleben: „Die Exporterwartungen fallen so niedrig aus wie zuletzt 2012. Auch die Investitions- und Beschäftigungsabsichten haben im Laufe des vergangenen Jahres merklich nachgelassen.“ Die wirtschaftspolitische Unsicherheit hinterlasse ihre Spuren. Aus Sicht der Unternehmen sei bislang trotz des langen Aufschwungs ein politischer Aufbruch in wichtigen Zukunftsfragen hierzulande nicht geglückt. Für dieses Jahr (2019) rechnet der DIHK daher nur noch mit 0,9 Prozent Wachstum. „Insoweit nehmen wir unsere Prognose vom Herbst 2018 von 1,7 Prozent kräftig zurück“, betonte Wansleben.

Eine wirtschaftliche Krise prognostiziert der DIHK aber aktuell nicht. Allerdings könne das Wachstum noch stärker zurückgehen, wenn es zu einem chaotischen Brexit komme. Gefährlich werde es auch, wenn die Handelskonflikte zwischen den USA und Europa sowie zwischen den USA und China eskalieren. Damit sei die Zeit des Schönredens nun endgültig vorüber. Die rückläufige Dynamik mache deutlich: Wachstum sei kein Selbstläufer. Statt an der Verteilung des Erreichten müsse wieder stärker an der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts gearbeitet werden.

Die nachlassende Konjunktur führe derzeit nur zu geringen Anpassungen der Personalplanungen. Angesichts der weiter bestehenden Engpässe betrachte die Mehrzahl der Unternehmen die Fachkräftesicherung als strategische Aufgabe. Der Beschäftigungsaufbau gehe daher auch im vierzehnten Jahr weiter, werde aber an Schwung verlieren.

Rund vier von zehn Unternehmen sehen laut DIHK-Umfrage in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Risiko. Dabei werde der Brexit mit am häufigsten genannt. Das Austrittsdatum rücke immer näher. Aus Sicht der Wirtschaft sei eine tragfähige Lösung nicht erkennbar. Die Sorgen um eine weitere Zuspitzung der US-Handelskonflikte seien ebenfalls groß. Wansleben: „Einige Unternehmen sind durch die eingeführten Zölle und Gegenzölle auf Stahl und Aluminium bereits konkret betroffen. Dies gilt umso mehr, da es nicht nur um den Konflikt zwischen der USA und der EU, sondern auch um China geht – den drittgrößten Exportmarkt für deutsche Unternehmen.“

Das Expansionstempo in den USA und China lasse nach. Zudem bremsten die Handelsstreitigkeiten die globale Konjunktur insgesamt. Auch in der Europäischen Union – Deutschlands wichtigstem Absatzmarkt – verliere die wirtschaftliche Entwicklung an Schwung. Derweil gehe die Diskussion um US-Zölle auf Automobile weiter. Diese würden Deutschland und andere europäische Märkte hart treffen. Umso wichtiger sei es, dass die EU und die USA mittlerweile auch über weniger Zölle sprechen. Zudem gäben die neuen Freihandelsabkommen etwa mit Japan eine gewisse Hoffnung für den regelbasierten Freihandel. Viel komme jetzt darauf an, dass die USA und China sich verständigen – „allerdings nicht zu Lasten Europas“, stellte der DIHK-Hauptgeschäftsführer klar.

Gleichwohl beschränkten sich die Sorgen nicht nur auf das internationale Umfeld. Zwar seien die Preise für Öl und andere Industrierohstoffe auf dem Weltmarkt gesunken. Dennoch rücke die Entwicklung der Energie- und Rohstoffkosten hierzulande nochmal stärker ins Blickfeld (36 Prozent nach zuletzt 34 Prozent). In der Industrie nenne sogar mehr als jedes zweite Unternehmen dieses Risiko.

 

 

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