Binnenhäfen: Potenzial als Güterverteilzentren

Branche sieht großes Potenzial im Hinterland, aber Mängel an der Infrastruktur.

Begrüßten die Teilnehmer und –innen des 10. ShortSea- und Binnenschifffahrts-Dialogs (v.l.n.r.): Markus Nölke (Geschäftsführer SPC), Achim Wehrmann (Bundesverkehrsministerium) und Gregor Söns (AZS-Gesellschafter)

Experten der Branche sind sich einig, dass die derzeit gegen den Markttrend wachsende Binnenschifffahrt angesichts überlasteter Straßen noch weiter an Bedeutung gewinnen wird. Das ist das Fazit eines Branchendialogs, den das ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center (SPC) in diesem Jahr mit dem Partner Am Zehnhoff-Söns (AZS) am Hafen in Bonn veranstaltete. Während die Erwartungen an die Rolle beim Hinterlandverkehr immer ehrgeiziger werden, warnten die Verantwortlichen aber vor drohenden Problemen mit der Infrastruktur.

„Innerhalb der Supply Chain haben die Binnenhäfen die gleiche Wertigkeit wie die Seehäfen. Denn ohne ihre Leistung lässt sich die Wasserstraßenkette nicht abbilden“, erklärte Markus Nölke, Geschäftsführer des SPC, laut Mitteilung im Rahmen der Veranstaltung. Sein Kollege Gregor Söns, geschäftsführender Gesellschafter bei AZS, sprach angesichts des zunehmenden Straßenverkehrs von einem verlängerten Arm der Seehäfen. „Bereits heute zeichnet sich ein Verkehrsinfarkt ab, wenn es nicht gelingt, alternative Verkehrswege stärker zu nutzen.“

Die Einschätzung, dass Wasserstraßen immer wichtiger werden, teilt derweil auch Achim Wehrmann vom Bundesverkehrsministerium. Ein Gutachten zur Wettbewerbsfähigkeit der Binnenhäfen unterstreiche deren Bedeutung für die Logistikkette, wurde der Unterabteilungsleiter Schifffahrt in der Mitteilung zu der Veranstaltung zitiert. „Der Schlussbericht identifiziert die Binnenhäfen mit dem größten Potenzial als Hinterland-Hubs und zentrale Güterverteilzentren für die Seehäfen und die diesbezüglichen Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur.“

In diesem Punkt sehen die Branchenfachleute besonderen Nachholbedarf. Angesichts veralteter Schleusen gleiche die Infrastruktur einer Großbaustelle, warnte Martin Staats, Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), vor unkalkulierbaren Einschränkungen. Den Trumpf der Transportsicherheit und -zuverlässigkeit als eine Stärke ausspielen zu können, definierte SPC-Chef Nölke abschließend als eine der Herausforderungen, an dem alle an der Transportkette Beteiligten unter Einschluss der Politik mitwirken müssten.

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