BME: „Change is the new Normal“

Das 52. Symposium Einkauf und Logistik in Berlin wurde am 8. November eröffnet. Zum Auftakt begrüßte BME-Vorstandsvorsitzender Horst Wiedmann knapp 2.000 Teilnehmer. Namhafte Keynote Speaker, zahlreiche Fachkonferenzen, Plenen und Workshops standen an allen drei Veranstaltungstagen auf dem Programm.

Das Motto des diesjährigen Symposiums lautet „Mehrwert: Globale Netzwerke". Diskutiert werden im Hotel InterContinental innovative Beschaffungsthemen. Foto: BME e.V./Peter-Paul Weiler Das Motto des diesjährigen Symposiums lautet „Mehrwert: Globale Netzwerke". Diskutiert werden im Hotel InterContinental innovative Beschaffungsthemen. Foto: BME e.V./Peter-Paul Weiler

Das Eintreten für einen fairen Welthandel, die Vernetzung globaler Ökosysteme unter Einbeziehung des Procurement sowie der richtige Umgang mit Big Data waren am 8. November zentrale Themen des Eröffnungsplenums auf dem 52. BME-Symposium Einkauf und Logistik in Berlin*. Europas größter Kongress für Einkauf, Supply Chain Management und Logistik bot knapp 2.000 Teilnehmern bis zum 10. November unter dem Motto „Mehrwert: Globale Netzwerke“ eine Plattform für die Diskussion innovativer und zukunftsgerichteter Beschaffungsstrategien.

„Die digitale Revolution verändert die Arbeitswelt und die Wertschöpfung. Aber der Mensch ist und bleibt der entscheidende Erfolgsfaktor“, betonte Horst Wiedmann, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), in seiner Eröffnungsrede. Klar sei aber auch, dass sich die Beschäftigten angesichts des sich massiv verändernden Arbeitsumfeldes an neue Herausforderungen anpassen müssen. Die absolvierten Ausbildungen reichen laut Wiedmann künftig nicht mehr aus – man müsse sich vielmehr lebenslang weiterbilden. Auch die Grenzen zwischen Berufs-und Privatleben verschwimmen und fließen ineinander. An die Stelle von Work-Life-Balance, also dem ausgewogenen Nebeneinander von Arbeit und Freizeit, trete Work-Life-Blending. Das sei der neue Begriff für eine kluges Ineinandergreifen von Privat- und Berufsleben. Der Spagat zwischen zwei scheinbar trennbaren Welten werde aufgelöst.

Nicht nur Industrie 4.0 fordere Einkauf, Logistik und Supply Chain Management heraus. Hinzu kämen die aktuellen, sich immer mehr weltweit ausbreitenden Tendenzen des Populismus, Protektionismus und Nationalismus. Auch diese führten zu einem international turbulenten Umfeld für die Europäische Union und insbesondere die deutsche Industrie. „Wir alle sind gefordert, uns diesen Veränderungen und Bedrohungen aktiv zu stellen und diese zu meistern. Der Treibstoff, um diese Umwälzungen zu meistern, sind Neugier und keine Angst vor dem Scheitern zu haben“, appellierte der BME-Vorstandsvorsitzende. Sie würden in einer Ökonomie, die zunehmend aus vernetzten Angeboten bestehe, zu Erfolgsfaktoren. Wiedmann: „Wir bewegen uns in rasantem Tempo in eine neue Kultur-, Gesellschafts- und Arbeitswelt, die geprägt ist von Veränderung, neuen Werten, veränderten Rollenbildern und globaler Vernetzung. Change is the new Normal.”

Protektionismus und Nationalismus machen auch vor der internationalen Stahlindustrie nicht Halt. „Mittlerweile gibt es unzählige Handelsbeschränkungen im Stahlsektor weltweit“, betonte Prof. Dr. Heinz Jörg Fuhrmann, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG, am 8. November in seiner Keynote auf dem 52. Symposium Einkauf und Logistik in Berlin.

Danach ignorierten die USA zunehmend die WTO-Regeln und drohten, einen globalen Handelskrieg auszulösen. Gleichzeitig errichte die Trump-Administration weitere Handelshemmnisse. So lasse das Weiße Haus gegenwärtig untersuchen, ob Stahlimporte die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden. Eine weitere Maßnahme sieht vor, dass nur dann US-amerikanische Pipelines verlegt werden dürfen, wenn diese auch aus Stahl bestehen, der in den USA erschmolzen wurde.

Ähnlich verhielten sich aber auch andere Volkswirtschaften. China beispielsweise verhänge Exportbeschränkungen, verzerre den Wettbewerb durch einseitige staatliche Subventionen, erlasse eigene Normen und technische Vorschriften oder bevorzuge einheimische Unternehmen im öffentlichen Beschaffungswesen. Daher mache „der nicht nur in den USA, sondern auch global zunehmende Protektionismus eine stringente Anwendung des WTO-Rechts notwendig“, so Fuhrmann weiter.

Diesen, auf einseitige Vorteilsnahme ausgerichteten Bestrebungen stehe die erfolgreiche Zusammenarbeit der an fairem Handel interessierten Staaten auf internationaler Ebene diametral gegenüber, erläuterte Fuhrmann. So hätten die G20-Staaten 2016 unter chinesischer Präsidentschaft ein Global Forum eingerichtet, um sich über die weltweiten Stahlüberkapazitäten und Wege zum Abbau auszutauschen. Dieses Global Steel Forum sei ein gelungenes Beispiel für kooperatives Handeln.

Fuhrmann äußerte sich auch zur aktuellen Lage der EU-Stahlbranche. So hätten die Hütten ihre Überkapazitäten in der Europäischen Union deutlich verringert; dieser Prozess setze sich fort. Erste Erfolge seien bereits zu erkennen. Fuhrmann: „Der europäische Stahlmarkt erholt sich – langsam, aber spürbar.“ Die EU sei die weltweit einzige Region mit signifikantem Kapazitätsabbau. Global gesehen sei die EU-Stahlkapazität nicht das Problem; selbst die Überkapazität in der Ukraine seien größer. Das langfristige strukturelle Problem seien vielmehr die Überkapazitäten in China. Darüber hinaus hält Fuhrmann einen „weiteren Netto-Kapazitätsaufbau in anderen Weltregionen für absehbar“.

„Die Digitalisierung ist ein Game Changer. Ihr Fokus muss darauf gerichtet werden, echten Mehrwert für unsere Kunden zu genieren“, sagte Michael Horn, Vorstandsmitglied des Hamburger Technologiekonzerns Körber AG. Industrie 4.0 verlange insbesondere vom Einkauf neue Geschäftsmodelle, fügte Horn hinzu. Das in den Geschäftsfeldern Automation, Logistik-Systeme, Werkzeugmaschinen, Pharma-Systeme und Tabak aktive Unternehmen will bis 2025 seine Strategie „Körbers Horizon“ erfolgreich umgesetzt haben. Dazu gehöre, den Umsatz von 2,2 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2016 auf künftig fünf Milliarden Euro zu steigern. Ein Drittel der Erlöse solle 2025 mit neuen digitalen Produkten erwirtschaftet werden. Horn: „Digitale Technologien sind bereits heute verfügbar. Wir müssen sie nur intelligent nutzen und mit unseren eigenen Wertschöpfungsprozessen verknüpfen.“ Er warnte davor, das Internet der Dinge nur auf die IT zu reduzieren. Die Digitalisierung betreffe aber den gesamten Wertschöpfungsprozess und sollte – ähnlich eines roten Fadens – zu einem wichtigen Bestandteil der Einkaufsstrategie der Unternehmen werden. Der faire Umgang mit Lieferanten, Horn sprach in diesem Zusammenhang von „Partnering“, sei ein Schlüssel, um neue Geschäftsmodelle erfolgreich umsetzen zu können.

„Die nach wie vor ungelösten IT-Sicherheitsprobleme stellen nicht nur den Einkauf vor große Probleme. Viele Software-Hersteller tun zu wenig, um dieses Problem dauerhaft in den Griff zu bekommen“, beklagte Dr. Sandro Gaycken, Direktor des Digital Society Institute Berlin (ESMT) in seinem Statement. Heute gebe es eine Vielzahl von Optionen, um die IT-Strukturen der Firmen anzugreifen. Dabei würden die Attacken, insbesondere von Kleinkriminellen, immer dreister und die geforderten Lösegeldbeträge immer teurer. So seien dreistellige Millionen-Dollar-Summen mittlerweile an der Tagesordnung. Gaycken bedauerte, dass die Europäische Union nach wie vor über keine harmonisierte IT-Sicherheitsgesetzgebung verfüge. Die Krise der internationalen IT-Sicherheit halte an. Daran ändere auch der Einsatz von Firewalls nichts. Auch diese Schutzmechanismen wiesen Gaycken zufolge Fehler und Lücken auf. Nur ein unangreifbarer und damit nicht hackbarer Computer würde das Problem der fehlenden IT-Sicherheit dauerhaft lösen. So wären beispielsweise Updates dann nicht mehr nötig. Es gebe bereits erste Rechner dieser neuen Generation, die nicht wesentlich teurer als herkömmliche Geräte seien.

Auch in diesem Jahr konnten sich die knapp 2.000 Teilnehmer des BME-Symposiums drei Tage lang in zahlreichen Plenen, Solution Foren, Fachkonferenzen und Workshops über die aktuellen Megatrends in Einkauf, Logistik und Supply Chain Management informieren.

Dazu zählten unter anderem die Themen:

  • Beschaffungsmärkte im Bann der Politik? Strategien anpassen
  • Neue Rohstoff-Rallye? Preise und Verfügbarkeit absichern
  • Globalisierung vs. Abschottung? Supply Chains neu austarieren
  • Wertbeiträge des Einkaufs? Spend in Value umwandeln
  • Digitale Transformation des Einkaufs? Smarte Vernetzung forcieren
  • Supply Chains der Zukunft? End-to-End-Integration schaffen
  • Blockchain, No touch und Robotics? Potenziale für den Einkauf heben

Highlight des 2. Kongresstages war die Verleihung des diesjährigen BME-Innovationspreises am 9. November. Das 52. BME-Symposium Einkauf und Logistik ging am 10. November mit der Abschluss-Keynote von Dr. Gregor Gysi, Mitglied des Deutschen Bundestages und Präsident der Europäischen Linken, zu Ende. Thema seines Vortrages war „Europa – fantastisch oder furchtbar? Wie weiter?“.

Redaktioneller Hinweis für die Medien: Weitere Informationen zum 52. BME-Symposium Einkauf und Logistik sowie regelmäßige Updates unserer Veranstaltungsberichte stehen für Sie im Internet unter www.bme.de sowie www.bme-symposium.de zum Download bereit.

Impressionen vom 52. BME-Symposium in der Bildergalerie

*Vom Eröffnungsplenum des 52. Symposiums Einkauf und Logistik in Berlin berichtete Frank Rösch, BME.

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