16.11.2018 //

BME: „Digitale Transformation aktiv gestalten“

Die aktuellen globalen Herausforderungen und die Megatrends der digitalen Transformation sowie die damit verbundene Neupositionierung der Beschaffung waren zentrale Themen des 53. BME-Symposiums Einkauf und Logistik. Der größte Procurement Summit Europas wurde am 16. November nach dreitägiger Dauer in Berlin beendet.

Sorgt sich um die Zukunftsfähigkeit der Europäischen Union: Bundesminister a.D. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg. Foto: Marotzke/Weiler/BME e.V.

Aktuelle globale Herausforderungen, Megatrends der digitalen Transformation und die damit verbundene Neupositionierung der Beschaffung waren zentrale Themen des 53. BME-Symposiums Einkauf und Logistik*, das am Freitag in Berlin beendet wurde. Der größte Procurement Summit Europas stand in diesem Jahr unter dem zentralen Veranstaltungsmotto „TRANSFORMATION JETZT!“. Auf dem dreitägigen Event diskutierten knapp 2.000 Einkäufer, Logistiker und Supply Chain Manager die mit Industrie 4.0 verbundenen Chancen und Risiken.

„Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt gravierend“, sagte Dr. Ariane Reinhart, Personalvorstand der Continental AG, zu Beginn des Abschlussplenums am Freitagmittag. Technologien und Geschäftsmodelle wandelten sich ebenso tiefgreifend wie Berufsbilder, Arbeitsabläufe und Prozesse. Um diese nutzen zu können, sei die Kompetenz der Mitarbeiter, ihre Neugier und Offenheit sowie ihre Lern- und Veränderungsbereitschaft von zentraler Bedeutung. Daher gelte es, ihre positive Grundhaltung zur Digitalisierung sowie ihre digitale Qualifikation zu stärken. „Wir setzen auf das Engagement unserer mehr als 245.000 Mitarbeiter, den digitalen Wandel mit einer hohen Lernbereitschaft aktiv und mitverantwortlich zu gestalten“, fügte Reinhart hinzu. Gleichzeitig betonte sie aber auch, dass „die digitale Transformation nicht ohne Human Relations“ gehe. Die Aufgabe von HR sei es vor allem, diesen Prozess zu stimulieren, zu begleiten und zu steuern.

Reinhart nannte vier Managementfelder, die für Continental zur erfolgreichen Umsetzung von Industrie 4.0 erforderlich seien. Dazu zählten ihren Angaben zufolge „Diversity, Leadership, Flexibility und Learning“. Reinhart abschließend: „Lebenslanges Lernen wird der Schlüssel zu unserem persönlichen und geschäftlichen Erfolg sein.“

Mit dem Thema „Europa und das transatlantische Verhältnis – quo vadis?“ setzte sich Bundesminister a.D. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg in seiner Keynote auseinander. Ihn treibe die Sorge um, dass „es in Europa nicht gelingt, der globalen Umbruchsituation erfolgreich zu begegnen“. Im Umgang der EU mit der Trump-Administration zeigte sich zu Guttenberg „erschüttert über deren konzeptionelle Unfähigkeit“. Der US-Präsident sorge für eine „Inflationierung des politischen Skandals“. Angesichts der nach wie vor großen Anhängerschaft sei nach Guttenbergs Einschätzung auch eine zweite Amtszeit Trumps „durchaus möglich“.

Bruce Dickinson, Commercial Pilot, Chairman von Cardiff Aviation und Lead Singer der britischen Band Iron Maiden, sagte in seiner Abschluss-Keynote am Freitagnachmittag: „Die größte logistische Herausforderung ist nicht der Transport unseres Equipments im Umfang von rund 20 Tonnen, sondern die hohe Zahl der Konzertbesucher.“ So seien 1985 bei einem Auftritt in Rio de Janeiro mehr als 300.000 Fans dabei gewesen.

Am Mittwoch, dem ersten Kongresstag, hatte BME-Vorstandsvorsitzender Horst Wiedmann in seiner Eröffnungsrede darauf hingewiesen, dass Einkauf, Supply Chain Management und Logistik gegenwärtig „vor größten Herausforderungen“ stehen. Die Brexit-Frage sei weiter ungelöst, die globalen Handelskonflikte und der damit einhergehende Protektionismus verschärften sich. Die Rohstoffpreise und Währungskurse schwankten bedenklich. Und auch das Diesel-Chaos werde immer verwirrender und führe zu gravierenden Folgen für die deutsche Wirtschaft. Wiedmann: „Doch nicht nur die wachsende Zahl nationaler und globaler Krisenherde verlangt unsere Aufmerksamkeit. Revolutionäre Technologien wie Künstliche Intelligenz, Robotics oder Virtual Reality werden in den nächsten Jahren immense Auswirkungen auf Gesellschaft, Unternehmen und Berufstätige haben. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns rechtzeitig mit dieser Transformation auseinandersetzen, Vorurteile hinterfragen und Chancen ausloten, damit wir uns auf die richtigen Themen vorbereiten.“

BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch, erinnerte auf der traditionellen Pressekonferenz des Verbandes am Mittwoch in Berlin daran, dass „neben der voranschreitenden Globalisierung vor allem die stetig schneller werdende Digitalisierung ganzer Liefer- und Wertschöpfungsketten den Einkauf zum Handeln zwingt“. Denn, so Grobosch weiter: „Er soll künftig Schrittmacher dieses Prozesses und aktiver Wegbereiter der digitalen Vernetzung zwischen mehreren Unternehmen sein. Seine Erfahrung hilft ihm, die neue Qualität in der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Firmen erfolgreich durchzusetzen.“ Dabei gelte auch für den Einkauf: Nur wer sich die digitalen Möglichkeiten zunutze mache, könne die Potenziale in Risiko- und Lieferantenmanagement, Controlling, Kostenoptimierung und Performance Management optimal ausschöpfen. Deshalb habe der BME seinen diesjährigen Fachkongress unter das Motto „TRANSFORMATION JETZT!“ gestellt.

„Auch für uns ist dieses Veranstaltungsmotto von höchster Relevanz“, sagte Dr. Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bahn AG, in seiner Eröffnungsrede am Mittwochvormittag. Mobilität und Logistik stünden vor einem epochalen Umbruch. „Wer glaubt, dass er von der Digitalisierung verschont bleibt, macht sich die Welt einfach“, fügte der Konzernchef hinzu. Lutz nannte in diesem Zusammenhang drei wesentliche Treiber, die die Digitalisierung fundamental beeinflussen. Dazu gehörten erstens die neuen Anforderungen der Kunden. Diese definierten Mobilität völlig neu wie das Beispiel Carsharing zeige. Zweiter Treiber für die digitale Transformation seien Lutz zufolge „die neuen disruptiven Technologien“. Sie böten neue Nutzungsmöglichkeiten wie Autonomes Fahren, Sensorik, Vernetzung und Künstliche Intelligenz. Als dritten Treiber für Industrie 4.0 nannte Lutz „neue Geschwindigkeiten bei der Skalierung“. So verkürzten sich die Zeiten, in denen neue Kommunikationsmedien den User erreichten.

Alle drei Treiber führten dazu, „dass Digitalisierung unser Leben bestimmt“. Hier sei die Deutsche Bahn strukturell „gar nicht so schlecht aufgestellt“, betonte der CEO. „Wir haben aktive Kundenkontakte von 80 Millionen Personen im Kundenverkehr. Unsere DB Navigator wird täglich vier Millionen Mal angefragt. Damit ist er die meistgenutzte Reise-App“, so Lutz weiter. Er kündigte an, dass die Bahn im Rahmen des gemeinsam mit Politik und Wirtschaft aufgelegten Zukunftsprogramms „Digitale Schiene Deutschland“ ihre Infrastruktur „umfassend digitalisieren will“. Das betreffe sowohl die Konzern- als auch die Produktionsprozesse. Ziel sei es, mithilfe der digitalen Transformation die Bahnkapazitäten um bis zu 20 Prozent zu steigern.

Die digitale Transformation mache auch vor der Beschaffungsabteilung der Bahn nicht Halt. Der Konzerneinkauf mit seinen rund 1.000 Mitarbeitern steuere ein jährliches Beschaffungsvolumen in Höhe von über 30 Milliarden Euro und arbeite mit mehr als 18.000 Lieferanten zusammen. Lutz: „Der Bahneinkauf hat sich von einem klassischen Bestellzentrum zu einem integrierten Geschäftspartner, von einer isolierten Funktion zu einem gut verdrahtetem internen DB-Procurement-Netzwerk entwickelt.“

Am Mittwochvormittag wurde mit der MEYER WERFT der diesjährige Sieger des BME-Innovationspreises gekürt. Der Hersteller von Kreuzfahrtschiffen erhielt die bereits zum 30. Mail verliehene Auszeichnung für sein risikoorientiertes Lieferantenmanagement-Konzept (weitere Information dazu unter https://www.bme.de/der-bme/presse/).

Save the Date: Das 54. BME-Symposium Einkauf und Logistik findet vom 13. November bis 15. November 2019 in Berlin statt.

*Vom 53. Symposium Einkauf und Logistik in Berlin berichtete Frank Rösch, BME.

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