11.09.2013 //

BME-Region Hanau feiert 60-jähriges Jubiläum

Weimer: "Lieferantentage schreiben echte Erfolgsgeschichte"

Fraport-Chef Schulte und BME-Regionsvorstandsvorsitzender Weimer auf der Jubiläumsveranstal- tung der BME-Region Hanau. Foto: IHK

„Unter den zahlreichen Veranstaltungen der vergangenen 60 Jahre ragen die Lieferantentage als führende Industriemesse in Rhein-Main heraus. Sie schreiben eine echte Erfolgsgeschichte“, sagte Bernd Weimer, Vorstandsvorsitzender der BME-Region Hanau/Main-Kinzig-Kreis/Unterfranken/Osthessen, die am 10. September 2013 ihr 60-jähriges Jubiläum feierte. „Geboren aus der Idee, den Unternehmen vor Ort die Möglichkeit zu bieten, Ihre Produkte und Leistungen anderen Firmen in einer messeähnlichen Veranstaltung zu präsentieren, oder auch umgekehrt, den Einkäufern der Region zu zeigen, welche Sourcing-Möglichkeiten in der Nähe vorhanden sind, haben wir in diesem Jahr bereits den 7. Lieferantentag ausgerichtet. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das bisher nur noch von der BME-Region Mecklenburg-Vorpommern über längere Zeit erfolgreich umgesetzt wurde“, sagte Weimer vor rund 75 Gästen im Hanauer Arkadenbau Wilhelmsbad. Er informierte, dass die BME-Nachbarregion Bayreuth/Oberfranken noch in diesem Jahr eine ähnliche Veranstaltung plant.

Weimer erinnerte daran, dass sich die Rolle des Einkaufs in den vergangenen 60 Jahren grundlegend geändert hat. Während es in den 50er-Jahren vor allem darum ging, Rohstoffe und Produktionsmaterialien zu beschaffen, sei die Versorgung heute weitgehend sichergestellt. Die Herausforderung für den modernen Einkäufer bestehe jetzt darin, die Materialien zur richtigen Zeit und vor allem in der geforderten Qualität zu besorgen. Natürlich spiele dabei der Preis eine wesentliche Rolle. „Aber was nützt der beste Preis auf dem Papier, wenn die Ware nicht rechtzeitig zur Verfügung steht“, fügte Weimer hinzu. Im Unterschied zu früher müsse sich der Einkäufer heute mehr denn je mit den einzelnen Unternehmensbereichen abstimmen. Das gelte insbesondere für die Entwicklungsabteilung. Die frühzeitige Abstimmung sei notwendig, damit die benötigten Teile zu optimalen Konditionen zur Verfügung stehen.

„Der Flughafen Frankfurt ist heute Drehkreuz globaler Logistik und wichtige Stütze für die Exportnation Deutschland. Wurden vor 60 Jahren lediglich Güter für 18,5 Milliarden D-Mark ausgeführt, waren es 2012 bereits 1,79 Billionen Euro“, sagte Dr. Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG, in seiner Festrede. 1953 sei der Flughafen Frankfurt von 23 Carriern genutzt worden; heute seien es 100. Die Zahl der Passagiere habe sich von jährlich 417.000 auf aktuell 57 Millionen erhöht. Damit sei der Frankfurter Airport der drittgrößte Flughafen Europas und die Nummer elf weltweit. Im vergangenen Jahr seien mehr als zwei Millionen Tonnen Luftfracht befördert worden. Die Zahl der Flugbewegungen habe sich von 26.000 im Jahre 1953 auf 482.000 erhöht. Schulte betonte, dass Materialwirtschaft und Luftverkehr gleichwertige Partner sind. Beide gehörten zum Kern einer entwickelten Marktwirtschaft.

Börsennotierte Gesellschaften erwirtschaften heute laut Schulte „70 Prozent ihres Umsatzes im Ausland“. Vor 25 Jahren habe dieser Anteil lediglich ein Drittel betragen. Damit zähle Deutschland zu den Nutznießern der Globalisierung. Der Radius der internationalen Märkte habe sich in den vergangenen 60 Jahren deutlich erweitert. Deshalb sei heute eine leistungsfähige Mobilität unerlässlich. Der Frankfurter Flughafen leiste hierzu einen wichtigen Beitrag. Er sei mittlerweile nicht nur beim Frischfisch sondern auch beim neuesten Handy die Hauptumschlagstelle in Deutschland. Der Warentransport über die Meere sei angesichts immer schnellerer Produktzyklen häufig zu zeitaufwändig.

Deutschland werde weltweit für seine leistungsfähige Infrastruktur bewundert. Schulte bedauerte in diesem Zusammenhang, dass sich die Einstellung der Gesellschaft zu Großprojekten verändert habe. Früher hätte die Bevölkerung damit Arbeitsplätze und technischen Fortschritt verbunden. Heute seien ihr viele staatliche Bauvorhaben suspekt oder gelten als überdimensioniert. Als Beispiele nannte der Fraport-Chef die Energiewende, Stuttgart 21 oder die Flughäfen in Berlin und Frankfurt. "Wir leisten uns einen gefährlichen Luxus in unserer Wahrnehmung", fügte Schulte hinzu. Der demografische Wandel, die neuen Medien und nicht zuletzt der gewachsene Wohlstand veränderten die Sichtweisen. Auch könne sich die persönliche Betroffenheit der Bürger heute weit stärker als früher kanalisieren. Die althergebrachten Planungsverfahren spiegelten diese Veränderungen nicht wider.

In einer komplexen Welt würden Veränderungen nur noch akzeptiert, wenn sie als individuell vorteilhaft erkannt würden. Für die Kommunikation von Großprojekten ist dieser Wandel eine "neuartige Herausforderung", bekannte Schulte. Ohne große Einheiten sei aber die Wettbewerbsfähigkeit in Frage gestellt. Mit einem einfachen Beispiel erläuterte Schulte, warum kleine Einheiten nicht immer die besseren sind: Über den Frankfurter Flughafen laufen 70 Prozent aller Interkontinentalflüge aus Deutschland. Der Marktanteil des Flughafens am nationalen Luftverkehrsaufkommen liegt bei 60 Prozent, gegenüber 16 bis 18 Prozent beim Zweitplatzierten München. Eine gleichmäßigere Verteilung der Arbeitsplätze und des Fluglärms würde zwangsläufig zu erheblich höheren Distributionskosten führen. Deshalb wären nicht Frankfurt-Hahn oder Kassel-Calden die Profiteure, sondern Amsterdam und Paris, warnte Schulte. Zugleich verwies er darauf, dass Fraport große Anstrengungen unternimmt, um die Lärmemissionen des Flughafens so schnell wie möglich zu verringern. Schulte kündigte in diesem Zusammenhang an, dass die Lufthansa AG leisere Flugzeuge anschaffen will.

„Die BME-Region Hanau/Main-Kinzig-Kreis/Unterfranken/Osthessen zählt heute 192 Mitglieder. Darunter befinden sich rund 66 Einzel- und 49 Firmenmitglieder“, sagte BME-Bundesvorstandsmitglied Martin Müller-Raidt in seinem Grußwort. Die Region organisiere jährlich mehr als zehn Fachvorträge und Betriebsbesichtigungen bzw. Firmenpräsentationen. Damit biete sie ihren Einkäufern und Logistikern vielfältige Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch. Wie andere Regionen fördere auch Hanau junge Nachwuchskräfte. Seit 2012 biete die Region ihren Young Professionals Fachgespräche mit Beschaffungsprofis sowie gezielte und bedarfsorientierte Bildungsmaßnahmen an. Aktuell habe die BME-Region rund 20 registrierte Mitglieder im Alter von bis zu 30 Jahren. Durch frühzeitiges Einbinden des Einkäufernachwuchses in den BME biete sich die Chance, die Weichen für eine florierende Zukunft der Beschaffung zu stellen.

 

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