09.07.2018 //

BME-Region Köln besichtigt Deutz-Motorenfertigung

Kurz vor der Sommerpause lud die BME-Region Köln zur Werksbesichtigung bei der Deutz AG. Dabei erfuhren die Teilnehmer nicht nur allerhand Wissenswertes über Motoren, sondern auch über das ausgeklügelte Logistikkonzept des Unternehmens.

Foto: Tobias Anslinger/BME Holger Friedrich führte den Teilnehmern der Werkstour den ersten Viertaktmotor der Welt vor. Foto: Tobias Anslinger/BME

Gut gelaunt und pünktlich um 15 Uhr begrüßten Egon Gröger, Vorstandsvorsitzender der BME-Region Köln und sein Stellvertreter Berthold Schäfer die rund 25 Gäste am Werkstor der Deutz AG in Köln-Porz*. Denn anders als der Name es suggeriert, befindet sich der Stammsitz des Unternehmens nicht im gleichnamigen Kölner Stadtteil, sondern seit 2007 im weiter stadtauswärts gelegenen Porz. Das Motorenwerk in Porz wurde 1993 in Betrieb genommen. Dort, wo davor Traktoren produziert wurden, begann Deutz mit der ersten wassergekühlten Motorenfertigung. Heute werden im Zweischichtbetrieb Motoren für Kompressoren, Bagger, Baumaschinen, Lkw, Busse oder auch „Weinbergschlepper“ gebaut – maximal 100 Stück pro Stunde und 1.000 Stück am Tag.

Logistik mittels „Roll-on“/ „Roll-off“-Lkw

Gleich nach der Begrüßung übernahm „Hausherr“ Holger Friedrich und führte die Runde über das Werksgelände bis zur Montagehalle. Dabei erfuhren die Teilnehmer vom ehemaligen Revisionsingenieur, der vor seiner Pensionierung das Deutz-Trainingszentrum leitete und heute noch ehrenamtlich für das Unternehmen tätig ist, allerhand Wissenswertes über die Montage der etwa 170.000 Motoren mit einem Hubraum bis zu sieben Liter, die jedes Jahr das Werk in Porz verlassen – etwa ein Motor alle 90 Sekunden. Friedrich hob besonders die ausgeklügelte Logistik des Werks hervor. Man fertige just-in-time, habe sich von Logistikaufgaben komplett freigemacht. „So können wir uns voll auf das Bauen von Motoren konzentrieren“, erklärte er.

Die An- und Ablieferung der Teile übernimmt stattdessen das Logistikunternehmen Stute, das wenige Kilometer entfernt sitzt. Auf deren Gelände hat Deutz ein externes Lager, wo die Komponenten für die Motoren angeliefert und der Qualitätsprüfung unterzogen werden. Danach werden die Teile per Spezial-Lkw, „Roll-on“/ „Roll-off“-Lkw genannt, nach Porz gebracht, wo sie vollautomatisiert entladen werden. Im Werk selbst fahren die Teile und fertigen Motoren wie von Geisterhand gesteuert per fahrerlosem Transportsystem durch die Hallen.

Die fertigen Motoren kommen am Ende, in Kisten verpackt, wieder vollautomatisch per Band auf den Lkw und werden zum Logistikdienstleister Stute gebracht. Dort erfolgen anschließend die Kommissionierung und die Auslieferung. Aktuell sind acht dieser Spezial-Lkws im Einsatz. Ein Bauprogramm gibt vor, welche Teile wann anzuliefern sind.

Watt èss datt?

„Kaizen – Watt èss datt?“ steht auf Kölsch auf einer Schautafel in der Mitte der Produktionshalle. „Kein Tag ohne Verbesserung im Unternehmen“ lautet die Erklärung drunter. Und diese aus der japanischen Automobilproduktion kommende Regel ist bei Deutz gelebte Praxis. Denn anders als der Wettbewerb hat sich Deutz stark auf kundenspezifische Montagelösungen fokussiert. In 4.000 verschiedenen Varianten laufen die fertigen Motoren von den insgesamt vier Bändern in Porz. Lichtmaschine rechts statt links, Turbolader unten statt oben oder eine individuelle Ölwanne – die Deutz-Ingenieure können all diese Wünsche erfüllen. Für die Lagerung der motorspezifischen Ölwannen wurde vor ein paar Jahren sogar ein eigener Turm gebaut, um auch die Wannen just-in-time anbauen zu können.

Erster Viertaktmotor der Welt

Den Abschluss eines informativen Nachmittags bildete eine Führung durch das hauseigene Technikum, gewissermaßen Museum und Schulungszentrum in einem. Holger Friedrich ließ es sich nicht nehmen, den Teilnehmern dort den ersten Gaskraftmotor von 1867 sowie auch den ersten Viertaktmotor der Welt von 1878 vorzuführen – was übrigens nicht ohne fremde Hilfe und vor allem nicht ohne Muskelkraft möglich war (siehe Fotos).

Für die Mitglieder der BME-Region Köln war der Besuch bei Deutz gewissermaßen ein Heimspiel, für einen der Teilnehmer war es sogar ein Comeback: „Dort hinten habe ich im Jahr 2000 gearbeitet“, erinnerte sich der Mann während der Werksführung und zeigte auf ein Montageband. Viel verändert habe sich nicht. Holger Friedrich dürfte das wahrscheinlich anders beurteilen.

*von der Werksbesichtigung bei der Deutz AG berichtete Tobias Anslinger, BME

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