04.04.2019 //

#BMEdisrupt: Der mutige Einkäufer als Zukunftsgestalter

Im Berliner Spreespeicher ging am 2. und 3. April die 2. „Disrupting Procurement!“ des BME über die Bühne. 180 Einkäufer, Start-ups und Technologieanbieter diskutierten, referierten und pitchten unter #BMEdisrupt. Eine Eigenschaft einte sie alle.

#BMEdisrupt Der Berliner Spreespeicher bot erneut die passende Umgebung für #BMEdisrupt, die zweite Fachkonferenz "Disrupting Procurement!". Foto: Tanja M. Marotzke

„Sie alle haben Mut“, betonte BME-Hauptgeschäftsführer Silvius Grobosch in seinem Eröffnungsstatement im Spreespeicher am Berliner Osthafen. „Die digitale Transformation, die so viel Neues ermöglicht, aber auch dramatische Veränderungen hervorbringt, ist voll im Gange und Sie sind dabei.“ Bereits zum zweiten Mal trafen sich unter Federführung des BME* Vordenker aus Einkauf und Supply Chain Management, um mögliche Wege raus aus der Komfortzone, rein in die Lernzone zu ergründen, die fit für die Zukunft machen soll.

Agilität jenseits vom Mainstream auf #BMEdisrupt

Ein Weg, um für die Arbeit in Zukunft gerüstet zu sein, so hört man immer wieder, sei es, die (Einkaufs-)Organisation agil aufzustellen und agil zu arbeiten. Alle Welt redet von Agilität – „doch wir wissen erstaunlich wenig darüber“, betonten Prof. Elmar Holschbach, FH Südwestfalen, und Co-Moderator und Transformationsexperte Jan-Henner Theißen. Noch gebe es keine empirischen Befunde, ob agile Unternehmen wirklich erfolgreicher sind als traditionell arbeitende.

Holschbach und Theißen stellten den Zuhörern daher bewusst einen praxistauglichen Abriss des Themas dar und skizzierten Wege, sich dem Thema sinnvoll und jenseits von „Weil es ja alle machen“-Ansätzen zu nähern. Ihr Tipp: Erst einmal klein anfangen, also agiles Arbeiten in einer Abteilung ausprobieren, eine neue, agil arbeitende Abteilung gründen oder gezielt agile Methoden ausprobieren. „Agile Organisationen nutzen ein Bündel an organisatorischen Bestandteilen“, so die beiden Experten. Agilität befreie aber niemals von sorgfältiger Planung und Analyse: Eine gut aufgebaute Materialgruppenstruktur etwa sei Voraussetzung auch für Agilität im Einkauf.

B2B-Stärke in Deutschland besser ausspielen

Ein Ziel der Veranstaltung war es, tiefer in jene digitale Technologien einzutauchen, die sich anschicken, auch im Einkauf viele Prozesse zu automatisieren oder gar zu autonomisieren. Wie etwa die Blockchain in der Praxis schon konkreten Nutzen stiften kann, zeigte das Biotech-Unternehmen Sartorius Stedim: Seit März bilden die Niedersachsen gemeinsam mit ihren n-Tier-Lieferanten das Zertifikatemanagement einer konkreten, internationalen Lieferkette von Polymeren innerhalb einer privaten Blockchain ab.

Der erste Hype um die Blockchain sei aktuell zwar vom Hype um KI abgelöst worden, dennoch seien vor allem private Blockchains insbesondere für die Abbildung sogenannter Smart Contracts für die Unternehmenspraxis sehr hilfreich, betonte Prof. Michael Henke, Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik, der zur Blockchain-Technologie anwendungsnah forscht. Von Unternehmen und Politik wünscht er sich generell mehr Mut im Hinblick auf den Einsatz neuer Technologien: „Ich bin überzeugt, dass wir in Deutschland B2B immer noch besser können als alle anderen.“

Break-out Sessions sorgen für hohen Mitmachcharakter

Wo Volkswagen Bots im Einkauf einsetzt, wie Augmented Reality Bosch Rexroth die Arbeit erleichtert, oder wie die Bedarfsplanung mittels Machine Learning bei Audi aussieht – all das erfuhren die Teilnehmer auf der zweitägigen Konferenz im Bezirk Friedrichshain, der für die Konferenz auch atmosphärisch das richtige Umfeld bot, haben sich doch zwischen Ostbahnhof und Ostkreuz in den vergangenen Jahren eine erkleckliche Anzahl an Digitalunternehmen oder digitalen Ausgründungen großer Konzerne niedergelassen.

Die bereits im vergangenen Jahr bei den Teilnehmern gut angenommenen Start-up Pitches erlebten auch in diesem Jahr wieder einen hohen Zulauf. In lockerer Atmosphäre stellten dabei junge Digitalunternehmen ihre Lösungen für Einkauf, Supply Chain Management und Logistik vor.

Auch ein Speaker‘s Corner sowie eine Reihe von Workshops, bei denen an Stehtischen an konkreten Fragestellungen gearbeitet wurde (Mensch oder Maschine?; Wie Compliance in der Lieferkette sicherstellen?; Übernimmt bald die KI die Kontrolle?) sorgten für die nötigen, gewollten Brüche im Hauptprogramm, um sich an den beiden Tagen möglichst viele unterschiedliche Impulse für die Praxis zu holen. Ganz disruptiv eben.

Disrupting oder Disruptive Procurement? #BMEdisrupt

Mit Blick auf die Zukunft stellte Co-Moderator Michael Stietz, Head of Purchasing – PMTC bei der Körber AG, die Frage ob „Disrupting Procurement“ wirklich der passende Veranstaltungstitel sei, weil: „Wollen wir als Einkauf disruptiert werden, oder lieber selbst gestalten?“, wandte er sich mit einer rhetorischen Frage ans Plenum.

Dass viele Teilnehmer (daraufhin?) lieber von „Disruptive“ statt „Disrupting“ Procurement sprachen, deutete auf alle Fälle an, dass sich die meisten Manager und Unternehmer vor Ort selbst in einer gestaltenden Rolle beim Einkauf der Zukunft sehen. Wortspiele hin oder her: Unter #BMEdisrupt einigte man sich schließlich auch in den sozialen Medien auf einen gemeinsamen Nenner.

Konferenzthemen wie Agilität, Umbruch im Supply Chain Management, Blockchain oder Nachhaltigkeit sind übrigens auch Themen in den kommenden Ausgaben des BME-Fachmagazins BIP – Best In Procurement.

*von der 2. „Disrupting Procurement!“ in Berlin berichtete Tobias Anslinger, BME

Fotos: Tanja Marotzke/BME e.V.
 

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