"CE-Kennzeichnung für Konfliktmineralien wäre sinnvoll“

Olaf Korf, Leiter Einkauf Materialwirtschaft der Scherdel GmbH, im BME-Interview.

Foto: Rio Tinto Foto: Rio Tinto

Wie brisant ist das Thema „Konfliktmineralien“ für Scherdel?
Wir begrüßen sowohl den Vorstoß der Amerikaner als auch die aktuellen Bemühungen der EU, für mehr Nachhaltigkeit und Chancengleichheit bei der Förderung von Rohstoffen in Krisenregionen zu sorgen. Gleichzeitig ergibt sich daraus für uns und andere betroffene Unternehmen ein enorm hoher Personal- und Verwaltungsaufwand. Wir werden von unseren Kunden gebeten, die Herkunft möglicher Konfliktrohstoffe entlang der Lieferkette lückenlos nachzuweisen.

Ist Scherdel direkt betroffen?
Ja, es gibt Teile in unseren Produkten, die Konfliktmineralien enthalten. Allerdings sind die Mengen sehr gering. Relativ gesehen ist unser Aufwand für die Identifizierung und Nachweisführung  daher deutlich höher als bei Firmen mit größeren Volumina.  

Lässt sich dieser Aufwand beziffern?
Im Moment kommen wir noch ohne externe Kosten aus. Es ist lediglich ein interner Aufwand, der zwar beherrschbar ist, uns aber trotzdem Mühe bereitet. Die Details der geplanten EU-Verordnung werden zeigen, ob und wenn ja wie wir hier weitere zusätzliche Ressourcen bereitstellen müssen.

Könnten Sie auf alternative Rohstoffe ausweichen?
Das ginge nur bedingt. Dafür ist der von uns verwendete Anteil an Konfliktmineralien zu gering. Zudem hängt diese Entscheidung auch von unseren Kunden ab.

Die EU-Kommission setzt auf eine freiwillige Selbstzertifizierung für Hütten, Raffinerien und Importeure. Ist das realistisch?
Meiner Meinung ist das nicht das richtige Mittel. Freiwilligkeit nützt nichts. Wir befinden uns im Zentrum der Lieferkette und hätten Vorgaben unserer Kunden zu erfüllen. Es hieße also, nur von zertifizierten Unternehmen Rohstoffe zu kaufen. Besser wäre eine klare Gesetzgebung, die genau regelt, wo eingekauft und wie der Rohstoff in Umlauf gebracht werden darf. Das entspräche dann einer Pflichtzertifizierung. Noch einmal: Nur zu sagen, ich zertifiziere die Unternehmen, kontrolliere, aber danach nicht mehr, bringt gar nichts.

Hätten Sie einen konkreten Lösungsvorschlag?
Um die geforderte Transparenz beim Umgang mit Konfliktmineralien erreichen zu können, wäre die Einführung eines Verwaltungszeichens ähnlich der CE-Kennzeichnung sinnvoll. Mit ihr erklärt der Hersteller, dass das Produkt den geltenden Anforderungen genügt, die in den Harmonisierungsrechtsvorschriften der EU festgelegt sind. Dieses Procedere ließe sich auch mit etwas Aufwand auf Rohstoffe übertragen. Es reicht nicht, nur einen Aufkleber an der Maschine anzubringen. Bei meiner Lösung stünde vor allem der Importeur von Konfliktmineralien in der Pflicht. Wenn er offenlegt, von welcher Hütte oder Raffinerie er den kritischen Rohstoff bezogen hat, würde das die nachfolgenden Glieder der Lieferkette deutlich entlasten. Schließlich sind sie nur Zwischenverarbeiter und ordern in der Regel nur geringe Mengen von Konfliktmineralien. Die Importeure dagegen sind die großen Market Player und sollten stärker in die Nachweispflicht genommen werden.

Zur Person: Olaf Korf ist Leiter Einkauf Materialwirtschaft der Scherdel GmbH in Marktredwitz. Das mittelständische Familienunternehmen ist auf Metallumformung und Federnherstellung für die Automobilindustrie spezialisiert.

*Das Interview führte Frank Rösch, BME.

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