Corona-Krise bringt auch viele Geschäftsreisen zum Erliegen

Mitglieder-Umfrage des Verbandes Deutsches Reisemanagement belegt: Dienstleistungsunternehmen befürchten wegen der anhaltenden Pandemie drastische Marktveränderungen

Leere Bahnhöfe, verwaiste Flugterminals: Die Coronakrise hat auch die Geschäftsreise-Aktivitäten vieler Einkäufer, Logistiker und Supply Chain Manager deutlich eingeschränkt. Foto: pixabay Leere Bahnhöfe, verwaiste Flugterminals: Die Coronakrise hat auch die Geschäftsreise-Aktivitäten vieler Einkäufer, Logistiker und Supply Chain Manager deutlich eingeschränkt. Foto: pixabay

Deutsche Unternehmen befürchten durch die Coronarise drastische Veränderungen im Geschäftsreisemarkt. Das hat eine aktuelle Mitgliederumfrage des Verbandes Deutsches Reisemanagement e. V. (VDR) ergeben. Danach werde insbesondere die Gefahr von Insolvenzen bei Anbietern als sehr groß eingeschätzt, heißt es in einer VDR-Pressemitteilung.

Rund 84 Prozent der befragten Travel- und Mobilitätsmanager hielten es für wahrscheinlich, dass neben touristischen auch viele Geschäftsreisedienstleister die negativen wirtschaftlichen Folgen der Krise nicht überstehen werden. 82 Prozent der Umfrageteilnehmer plädierten dafür, dass angeschlagene Anbieter staatliche Hilfen erhalten sollten, um finanzielle Einbußen kompensieren zu können.

„Geschäftsreisen waren schon immer wichtiger Motor und sensibler Seismograph der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Die konjunkturelle Lage in unserem Land ist auch eng mit der Reisetätigkeit der Unternehmen verbunden“, sagte VDR-Präsident Christoph Carnier. Gehe es der Wirtschaft gut, werde viel gereist – und umgekehrt. Deutschland benötige daher weiterhin eine funktionierende und verlässliche Mobilitätsinfrastruktur, um den Motor nach der Krise wieder mit voller Kraft starten zu können. Eine schnelle wirtschaftliche Erholung werde ohne leistungs- und handlungsfähige Mobilitätsdienstleister nicht möglich sein. „Wir brauchen daher schnelle und faire Lösungen, die das Überleben auch der kleineren Anbieter gewährleistet und gleichzeitig die berechtigten Erstattungsansprüche der Unternehmen sichert. Wir appellieren ganz klar an die Politik, bei ihren Bemühungen auch die Geschäftsreisebranche nicht aus den Augen zu verlieren. Auch hier wird es staatlicher Hilfe bedürfen, um Liquiditätsprobleme überbrücken zu können“, so Carnier weiter.

Nach Einschätzung von Carsten Knauer, Logistik-Experte des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), müsse sich der Einkauf „jetzt aktiv darum kümmern, dass bereits gebuchte und nun stornierte Reisen sauber abgewickelt und die Kosten erstattet werden. Dabei ist auf Stornobedingungen und Unmöglichkeit der Leistung zu achten. Es wird eine veränderte Dienstleisterwelt geben und durch die Marktbereinigung dürfte es zu steigenden Preisen kommen.“ Um für die Nach-Coronazeit gut aufgestellt zu sein müssen nach Knauers Einschätzung bereits heute weitere Vorbereitungen getroffen werden. So ändere beispielsweise das Thema Digitalisierung die Veranstaltungswelt massiv und werde die Geschäftsreisen nach der Krise ebenfalls stark beeinflussen. Knauer abschließend: „Aber auch Themen, die vor Corona die Travel Manager beschäftigt haben, bleiben aktuell wie beispielsweise die Margenssteuer.“

Wie aus der aktuellen VDR-Umfrage weiter hervorgeht, werde der Bedarf an Mobilitätsangeboten auch in Zukunft groß sein. Aktuell seien die Unternehmen vorsichtig optimistisch, ihre Reiseaktivitäten mittelfristig wieder aufnehmen zu können. 90 Prozent der Befragten gingen zudem davon aus, dass die Zahl der Geschäftsreisen wieder zunehmen werde. Allerdings rechneten 63 Prozent damit, dass die Notwendigkeit von Reisen in Zukunft sorgfältiger geprüft wird. Dauerhafte unternehmensinterne Reisebeschränkungen halten die Travel Manager aber für unwahrscheinlich (83 Prozent). Knapp 48 Prozent erwarten, dass die Kosten für Geschäftsreisen in Zukunft steigen werden, rund 40 Prozent erwarten diese Entwicklung nicht und knapp 13 Prozent trauen sich aktuell noch keine Einschätzung. Zudem fürchten knapp 80 Prozent der Befragten dauerhafte Einreisebeschränkungen in bestimmte Länder, weitere 77 Prozent sehen einen größeren bürokratischen Aufwand auf sich zukommen, etwa für Reisedokumente.

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