Corona-Pandemie führt zu Rezession in Deutschland

Sachverständigenrat: Die Ausbreitung des Corona-Virus hat die beginnende konjunkturelle Erholung gestoppt. Die deutsche Volkswirtschaft wird in diesem Jahr deutlich schrumpfen.

Der SVR geht davon aus, dass die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft stark beeinträchtigen wird. Foto: pixabay.com Der SVR geht davon aus, dass die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft stark beeinträchtigen wird. Foto: pixabay.com

Angesichts der erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) ein Sondergutachten veröffentlicht. „Wir gehen davon aus, dass die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft stark beeinträchtigen wird. Dabei ist die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung aufgrund der außergewöhnlichen Situation und der schwierigen Datenlage enorm“, wird SVR-Vorsitzender Lars P. Feld in einer Pressemitteilung des Gremiums zitiert.

SVR beschreibt drei Szenarien

Für die wirtschaftliche Entwicklung in den Jahren 2020 und 2021 beschreibt das Sondergutachten drei Szenarien. Sie unterscheiden sich darin, wie lange und in welchem Ausmaß die einschränkenden, gesundheitspolitischen Maßnahmen anhalten und wie schnell es danach zu einer Erholung komme. In allen drei Szenarien beende die Ausbreitung des Corona-Virus die sich abzeichnende konjunkturelle Erholung abrupt, sodass eine Rezession im ersten Halbjahr 2020 in Deutschland nicht zu vermeiden sein werde. Im Basisszenario erwartet der SVR für 2020 ein jahresdurchschnittliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von -2,8 Prozent. 2021 könnte das BIP um 3,7 Prozent steigen, heißt es weiter.

Im Basisszenario, dem nach aktuellen Informationen wahrscheinlichsten Szenario, normalisiere sich die wirtschaftliche Lage über den Sommer wieder. Zum Risikoszenario mit einem Verlauf in Form eines ausgeprägteren V käme es etwa bei großflächigen Produktionsstilllegungen oder länger andauernden gesundheitspolitischen Maßnahmen. Aufgrund des stärkeren Einbruchs im ersten Halbjahr ergäbe sich in diesem Szenario ein BIP-Wachstum im Jahr 2020 von -5,4 Prozent. 2021 könnten Aufholeffekte dafür sorgen, dass das BIP um 4,9 Prozent wachse, wozu insbesondere der hohe statistische Überhang beitragen würde.

Das Risikoszenario in Form eines langen U könnte eintreten, wenn die gesundheitspolitischen Maßnahmen über den Sommer hinaus andauern und die wirtschaftliche Erholung sich erst 2021 einstelle. Die getroffenen Politikmaßnahmen reichten dann womöglich nicht aus, tiefgreifende Beeinträchtigungen der Wirtschaftsstruktur zu verhindern. Verschlechterte Finanzierungsbedingungen und eine verfestigte Unsicherheit könnten zudem Investitionen bremsen und zu Kaufzurückhaltung bei Haushalten führen. Das Wachstum im Jahr 2020 würde in einem solchen Szenario -4,5 Prozent betragen. 2021 würde die Wirtschaftsleistung mit 1,0 Prozent nur sehr langsam wachsen.

DIHK: Fast jedes fünfte deutsche Unternehmen fürchtet Insolvenz

Die Zahl der von der Corona-Krise hart getroffenen Unternehmen hat sich innerhalb von drei Wochen fast verdoppelt. In der aktuellen DIHK-Blitzumfrage unter bundesweit 15.000 Betrieben erwarten mehr als 80 Prozent, dass sie dieses Jahr mit einem deutlichen Umsatzminus abschließen werden. In der Vorumfrage von Anfang März war nur knapp die Hälfte der Unternehmen aus allen Branchen und Regionen Deutschlands so pessimistisch. Mehr als jeder vierte Betrieb rechnet aktuell sogar mit Umsatzrückgängen von mindestens 50 Prozent für das Gesamtjahr 2020, heißt es in einer DIHK-Pressemitteilung. Das größte Problem sei dabei die schwindende Liquidität – und diese Gefahr nehme weiter zu und gefährde die Existenz zahlreicher Betriebe: Fast jedes fünfte Unternehmen sehe sich akut von der Insolvenz bedroht. „Damit spitzt sich die Krise dramatisch zu”, sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer. „Das sollte nun alle Alarmleuchten angehen lassen: Wenn wir uns dieser Entwicklung nicht entschieden entgegenstellen, erleben wir wirtschaftliche Schäden von historischem Ausmaß.“

DIW: Massiver Einbruch der Wirtschaftsleistung im März

Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) bricht im März auf 86 Punkte ein und deutet damit auf einen deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2020 hin. Damit zeigen sich die massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie, die in den jetzt vorliegenden Indikatoren zu den Entwicklungen auf den Finanzmärkten und in Unternehmensbefragungen sichtbar werden. Andere Daten, etwa zur Auftragslage oder Produktionsleistung, spiegeln die aktuelle Situation noch nicht wider, informiert das DIW in einer Pressemitteilung. Dass die Produktion in manchen Wirtschaftsbereichen faktisch vollständig zum Erliegen gekommen sei, werde im aktuellen Barometerwert noch nicht in Gänze erfasst.

Zusätzliche Abschätzungen des Produktions- und Nachfrageausfalls ließen vor allem für die zweite Märzhälfte einen deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung erwarten: Im Quartalsdurchschnitt dürfte sie um rund 2,0 Prozent sinken und damit sogar etwas stärker als zum Auftakt der Finanzkrise. Zum Jahresende 2008 brach das Bruttoinlandsprodukt um gut anderthalb Prozent gegenüber dem Vorquartal ein.

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens – darunter Schulschließungen, Verbote von Kneipen- und Restaurantbesuchen oder der Wegfall von Sport-, Unterhaltungs- und Kulturangeboten – würden auch im April auf der Wertschöpfung lasten. Erste Abschätzungen legten nahe, dass der Rückgang der Wirtschaftsleistung dadurch im zweiten Quartal noch deutlich drastischer ausfalle – das Minus könnte nahezu zweistellig ausfallen.

Die wirtschaftliche Entwicklung für das Gesamtjahr sei derzeit nur sehr schwer abschätzbar, da sie maßgeblich von der weiteren Verbreitung des Virus und der politischen Reaktionen darauf abhänge.

Zusammengestellt von Frank Rösch, BME-Konjunktur- und Rohstoffmonitoring

Mehr vom BME auf...

Der BME - Mehr von und auf Twitter   Der BME - Mehr von und auf Xing   Der BME - Mehr von und auf LinkedIn   Der BME - Mehr von und auf Facebook   Der BME - Mehr von und auf Youtube

Weitere Meldungen zu: