„Der Aufschwung ist beendet“

Der Sachverständigenrat hat der Bundesregierung sein Jahresgutachten überreicht, das seinen ersten Bericht als Nationaler Ausschuss für Produktivität enthält. Danach wächst das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2019 in Deutschland voraussichtlich um 0,5 Prozent und im kommenden Jahr um 0,9 Prozent (kalenderbereinigt jeweils 0,5 Prozent).

Die deutsche Volkswirtschaft legt den Rückwärtsgang ein und hat in den Krisenmodus gewechselt. Foto: pixabay.com Die deutsche Volkswirtschaft legt den Rückwärtsgang ein und hat in den Krisenmodus gewechselt. Foto: pixabay.com

Der Sachverständigenrat hat sein Jahresgutachten mit dem Titel „Den Strukturwandel meistern“ an die Bundesregierung überreicht. „Um die Chancen des Strukturwandels zu ergreifen, muss Deutschland seine Wirtschafts- und Industriepolitik nicht neu erfinden, sondern weiterentwickeln“, erläuterte Christoph M. Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrates (SVR).

Konjunkturelle Aussichten: Der Aufschwung sei beendet, bislang jedoch nicht von einer breiten und tiefgehenden Rezession auszugehen. Die schwache wirtschaftliche Dynamik werde sich voraussichtlich mindestens bis in das kommende Jahr ziehen. Das reale BIP wachse im laufenden Jahr nach SVR-Prognose um 0,5 Prozent und 2020 um 0,9 Prozent (kalenderbereinigt jeweils 0,5 Prozent).

Anhaltend schwache Produktivitätsentwicklung: Die Produktivität wachse in Deutschland und vielen entwickelten Volkswirtschaften seit Jahren nur schwach. Einige Faktoren, die das niedrige Produktivitätswachstum erklärten, seien der demografische Wandel, der verhaltene Einsatz neuer Technologien, eine geringe Unternehmensdynamik sowie eine schwache Investitionstätigkeit.

„Die aktuellen Herausforderungen für Deutschland und seine stark exportorientierte Wirtschaft sind immens“, betonte DIHK Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben in einer ersten Reaktion auf das Gutachten des SVR. Dazu zählten die anhaltenden Handelskonflikte, der Brexit, die lange Niedrigzinsphase, eine für Deutschland überaus lockere Geldpolitik, Versäumnisse bei Instandhaltung und Weiterentwicklung der Infrastruktur, zu wenig Tempo beim Ausbau der digitalen Infrastruktur, eine belastende Energiepolitik und jüngst auch zu wenig Vertrauen in spürbare Preissignale beim Klimaschutz. Das alles sorge bei den hiesigen Unternehmen für Unsicherheiten, die eine ohnehin vorhandene globale Abkühlung der Konjunktur verstärkten. Nach dieser ernüchternden Diagnose sollte nun nach Wanslebens Meinung „dringend auch mit der Therapie begonnen werden“.

 

 

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