Der deutsche Aufschwung verliert an Fahrt

Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2018: Die Risiken für die deutsche und die internationale Konjunktur haben sich gegenüber dem Frühjahr vergrößert.

Internationale Handelskonflikte und der damit einhergehende Protektionismus schwächen das deutsche Exportgeschäft. Foto: pixabay.com Internationale Handelskonflikte und der damit einhergehende Protektionismus schwächen das deutsche Exportgeschäft. Foto: pixabay.com

Die führenden deutschen Konjunkturforschungsinstitute haben ihre Prognosen für 2018 und 2019 gesenkt. Sie erwarten jetzt für das laufende Jahr eine um 1,7 Prozent höhere Wirtschaftsleistung; im Frühjahr waren sie noch von 2,2 Prozent ausgegangen. Für das kommende Jahr nahmen sie ihre Vorhersage leicht von 2,0 auf 1,9 Prozent zurück. Das geht aus dem Herbstgutachten der Gemeinschaftsdiagnose hervor, das in Berlin vorgestellt wurde.

„Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft verliert an Fahrt. Die Nachfrage aus dem Ausland ist schwächer geworden, gleichzeitig haben Unternehmen offenbar zunehmend Probleme, genügend Arbeitskräfte für ihre Produktion zu finden“, sagt Roland Döhrn, Konjunkturchef des gastgebenden RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Die Zahl der Erwerbstätigen werde von 44,9 Millionen in diesem auf 45,3 Millionen im nächsten und auf 45,6 Millionen im Jahr 2020 steigen. Gleichzeitig sinke die Zahl der Arbeitslosen von 2,3 über 2,2 auf 2,1 Millionen Menschen. Damit gehe die Arbeitslosenquote von 5,2 über 4,8 auf 4,5 Prozent zurück. Die Verbraucherpreisinflation werde sich voraussichtlich von 1,8 Prozent im Durchschnitt dieses Jahres auf zwei Prozent im kommenden Jahr beschleunigen und 2020 bei 1,9 Prozent liegen. Dabei nehme der binnenwirtschaftliche Preisauftrieb zu.

Für den gesamten Prognosezeitraum erwarten die Institute deutliche Finanzierungsüberschüsse des Staates. Im laufenden Jahr dürfte er mit 54 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert erreichen. Bis zum Jahr 2020 werde er durch die expansiv ausgerichtete Finanzpolitik auf 41 Milliarden Euro abschmelzen.

Die Risiken für die deutsche und die internationale Konjunktur hätten sich gegenüber dem Frühjahr vergrößert, weltweit insbesondere durch die zunehmende Zahl von Handelskonflikten, auf europäischer Ebene durch die Möglichkeit eines ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der EU und einer möglichen Schuldenkrise in Italien.

„Der deutschen Konjunktur scheint langsam etwas die Luft auszugehen. Offensichtlich hinterlassen die anhaltenden internationalen Spannungen auch bei den deutschen Unternehmen ihre Spuren“, betont BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch in einer ersten Reaktion. Den Abwärtstrend der deutschen Konjunktur bestätige auch der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI). So sei seit einigen Monaten eine stetige Verlangsamung des Wachstumstempos der Industrieproduktion zu beobachten.

„Die Studie der Forschungsinstitute zeigt: Der Aufschwung hierzulande steht zunehmend auf dem Prüfstand. Von der Euphorie zu Jahresbeginn ist wenig übrig geblieben“, kommentiert DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben die aktuelle Gemeinschaftsdiagnose. Von der Euphorie zu Jahresbeginn sei seiner Ansicht nach „wenig übrig geblieben“.

Der Fachkräftemangel bremse und das Exportgeschäft schwächele. Derzeit stünden etliche Schwellenländer-Währungen unter Druck. Der Protektionismus sei weltweit auf dem Vormarsch. Das treffe gerade die deutsche Wirtschaft hart. Wansleben: Es käme verschärfend hinzu, wenn die Sorgen über die internationale Handelspolitik uns davon abhielten, unsere Hausaufgaben am heimischen Standort zu machen.

Zur Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose gehören das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle, das ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, das Institut für Weltwirtschaft Kiel und das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

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