Deutlich mehr Betrugsopfer in der Lieferkette

Betrugsfälle innerhalb der Lieferkette haben im vergangenen Jahr besonders stark zugenommen.

Betrugsfälle innerhalb der Lieferkette haben im vergangenen Jahr besonders stark zugenommen. Dies ist eine der Schlussfolgerungen einer Studie, die der in den USA ansässige Anbieter von Risikomanagement-Lösungen Kroll regelmäßig durchführt. Gemäß dem „Kroll Global Fraud Report 2013/2014“ stieg die Zahl der europäischen Unternehmen, die in den vergangenen zwölf Monaten davon betroffen waren, von 9 auf 17 Prozent. Im Schnitt sei mehr als jedes vierte Unternehmen, das in den vergangenen zwölf Monaten unter Betrügereien litt, das Opfer seiner Zulieferer geworden. In fast jedem zehnten Fall seien Kooperationspartner dafür verantwortlich gewesen.

Tommy Helsby, Chairman bei Kroll Advisory Solutions Eurasia kommentierte: "Betrug ist wieder auf dem Vormarsch. Während der regulatorische Druck zunimmt und die höhere Compliance-Aktivität für mehr Bewusstsein und Aufmerksamkeit sorgt, bleiben unentdeckte Betrugsfälle ein Risiko mit dem Potenzial einer langandauernden und tiefreichenden Beeinträchtigung des Unternehmens.“ Laut der Studie waren im vergangenen Jahr global 70 Prozent der Unternehmen von Betrügereien betroffen. Bei europäischen Unternehmen lag diese Quote mit einem deutlichen Anstieg von 63 auf knapp über 70 Prozent sogar leicht über dem internationalen Schnitt.

Neben dem Trend zum Outsourcing sehen die Experten die wichtigste Ursache in der zunehmenden Globalisierung und der Ausweitung der Geschäfte auf riskante Überseeländer. Korruption und Bestechung sind laut Kroll immer noch der häufigste Grund dafür, dass ein Bogen um Regionen wie Afrika, Lateinamerika oder Indien gemacht wird. BME-Rechtsexperte Sebastian Schröder sieht in diesen Regionen ein großes Problem in der lokalen Umsetzung der internationalen Standards. „Oft sind Vollzugsdefizite erkennbar. Sogar staatliche Stellen oder Personen aus dem politischen Umfeld  können an korruptiven Handlungen beteiligt sein - zum Beispiel mit Beschleunigungsanreizen bei der Verzollung.“ Unternehmen rät er dazu, hier konsequent gegenzusteuern. Unter Mitarbeit des BME hat das Bundesinnenministerium den Leitfaden „Praktische Hilfestellungen für Antikorruptionsmaßnahmen“ herausgegeben. Diesen können Sie kostenfrei hier herunterladen.

Der Kroll-Bericht zeigt außerdem, dass es häufig Personen gibt, die über den Betrug informiert sind: In fast 70 Prozent der Fälle sei mindestens ein Insider beteiligt. "Betrüger werden oft als gesichtslose Hacker in einem fernen Land dargestellt“, mahnen die Kroll-Experten dazu, etwas genauer hinzusehen. „Unsere Erfahrung zeigt aber, dass dies eher die Ausnahme als die Regel ist. Die größte Schwachstelle sind diejenigen, die die internen Abwehrkräfte außer Kraft setzen können: Mitarbeiter, Partner oder Lieferanten. „Ebenso wichtig wie die Investition in die Technologie ist das Verringern der Bedrohung von Innen – durch Überwachung des Personals und eine sorgfältige Auswahl von Partnern, Kunden und Lieferanten.“

Besonders hervor hob Kroll in seiner Studie die Cyber-Kriminalität: Fast ein Viertel der Unternehmen sei besonders anfällig für Datenklau, vier von fünf Unternehmen mindestens mäßig. „Wie die meisten Betrügereien geht der Diebstahl von Informationen in der Regel von Insidern aus“, fügten die Experten hinzu. Mit ihrer Warnung befinden sie sich in guter Gesellschaft: Die Telekom berichtet im Rahmen einer Studie davon, dass fast alle Unternehmen schon mal von Hackern attackiert wurden und die eigenen Mitarbeiter ein erhebliches Sicherheitsrisiko bergen. Nur 13 Prozent seien noch nie aus dem Internet angegriffen worden, hieß es bei der Vorlage des „Cyber Security Report 2013“. Ein Fünftel aller vom Institut für Demoskopie Allensbach befragten Unternehmen müssten sich sogar täglich oder mehrmals in der Woche gegen Angriffe wehren. Mehr als die Hälfte der Entscheider glauben laut der Studie, dass Angestellte, die leichtfertig mit Daten umgehen und Sicherheitsstandards nicht beachten, eine große oder sehr große Gefahr für das Unternehmen darstellen.

„Die Notwendigkeit zur Wahrung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen innerhalb des Unternehmens sowie auch in der Beziehung zu Geschäftspartnern und Lieferanten wird noch häufig unterschätzt“, sagt BME-Experte Schröder im Hinblick auf den Schutz von Geschäftsinterna, der bereits im Jahr 2008 im BME-Verhaltenskodex adressiert wurde. Mit diesem und der BME-Compliance-Initiative unterstützt der BME Unternehmen aller Größen und Branchen beim Aufbau und bei der Weiterentwicklung eines Compliance-Programms und einer entsprechenden Unternehmenskultur. Machen auch Sie mit und treten Sie der Initiative bei! Gerne senden wir Ihnen die Beitrittsunterlagen zu.

Weitere Informationen:

Sebastian Schröder
Rechtsanwalt, Leiter BME-Service Recht & Compliance, BME e.V.
Tel.: +49 (0)69 30838-141
E-Mail: sebastian.schroeder@bme.de

 

 

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