Deutsche Volkswirtschaft vor großen Herausforderungen

Sachverständigenrat (SVR) zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: „Vor wichtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen“

Wie beim Rafting: Auch die deutsche Volkswirtschaft ist vor Untiefen, Klippen und gefährlichen Strudeln nicht gefeit. Foto: pixabay.com Wie beim Rafting: Auch die deutsche Volkswirtschaft ist vor Untiefen, Klippen und gefährlichen Strudeln nicht gefeit. Foto: pixabay.com

Die deutsche Volkswirtschaft befindet sich in einer der längsten Aufschwungphasen der Nachkriegszeit. Ungünstigere außenwirtschaftliche Rahmenbedingungen, temporäre produktionsseitige Probleme und Kapazitätsengpässe dämpfen jedoch das Expansionstempo, teilte der Sachverständigenrat (SVR) zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seinem Jahresgutachten 2018/19 für die Bundesregierung in Wiesbaden mit.

Danach dürfte die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) allmählich in Richtung des Potenzialwachstums sinken. Der Sachverständigenrat prognostiziert für die Jahre 2018 und 2019 Zuwachsraten des realen BIP von 1,6 Prozent beziehungsweise 1,5 Prozent.

„Die ungewisse Zukunft der globalen Wirtschaftsordnung und der demografische Wandel stellen die deutsche Volkswirtschaft vor große Herausforderungen. Deshalb stehen wir vor wichtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen“, sagt der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Christoph M. Schmidt.

Die EU sollte protektionistischen Tendenzen entgegentreten, ihre Strategie Vergeltungsmaßnahmen innerhalb der WTO-Regeln, den Abschluss neuer Freihandelsabkommen und eine Stärkung des multilateralen, regelbasierten Handelssystems umfassen.

Eine Verhinderung des Brexit sei nach wie vor die beste Lösung. Gelinge dies nicht, sollte ein Folgeabkommen angestrebt werden, das den Schaden für beide Seiten minimiere. Der Brexit gebe nach Ansicht des SVR Anlass, die Finanzen der EU auf den europäischen Mehrwert zu fokussieren.

Um den Euro-Raum zu stabilisieren, müsste die Europäische Zentralbank den Übergang zu einer normalen Geldpolitik erfolgreich bewerkstelligen. Es bestehe die Gefahr, dass die geldpolitische Wende zu spät komme. Bei der makroökonomischen Stabilisierung spiele die nationale Fiskalpolitik eine wichtige Rolle. Eine Reform des Fiskalrahmens würde dies unterstützen. Eine europäische Fiskalkapazität sei nicht notwendig. Eine wichtige Stabilisierungsrolle hätten zudem die Kredit- und Faktormärkte. Hierzu bedürfe es einer Vertiefung der Europäischen Bankenunion und der Kapitalmarktunion.

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