Deutsche Wirtschaft weiter in Champagnerlaune

Destatis: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im 2. Quartal 2018 um 0,5 Prozent gestiegen. Positive Impulse kamen vor allem aus dem Inland.

Angesichts boomender Binnenkonjunktur und prall gefüllter Auftragsbücher lassen viele deutsche Unternehmen zurzeit die Korken knallen. Foto: pixabay.com Angesichts boomender Binnenkonjunktur und prall gefüllter Auftragsbücher lassen viele deutsche Unternehmen zurzeit die Korken knallen. Foto: pixabay.com

Die deutsche Wirtschaft ist weiter auf Wachstumskurs: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im zweiten Quartal 2018 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 0,5 Prozent höher als im Vorquartal, teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden mit. Im ersten Quartal 2018 hatte es einen etwas schwächeren BIP-Anstieg in Höhe von 0,4 Prozent gegeben.

Positive Impulse seien im Vorquartalsvergleich (preis-, saison- und kalenderbereinigt) aus dem Inland gekommen: Sowohl die privaten Haushalte als auch der Staat erhöhten laut Destatis ihre Konsumausgaben. Auch die Investitionen legten zu: In Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen sei jeweils etwas mehr investiert worden als im ersten Quartal 2018. Nach vorläufigen Destatis-Berechnungen war die preisbereinigte außenwirtschaftliche Entwicklung gekennzeichnet von steigenden Exporten und einem noch stärkeren Anstieg der Importe.

Die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2018 wurde von 44,8 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort im Inland erbracht. Das waren 599.000 Personen oder 1,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

„Die Wachstumsdynamik hat sich nach dem schwächeren Jahresstart wieder leicht beschleunigt. Konsum und Bauboom stützen im Inland weiter“, erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Eine Entwarnung sei das aber keinesfalls. Denn die handelspolitischen Konflikte sorgten immer mehr für eine Eintrübung des internationalen Umfelds. Gerade vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass die heimische Wirtschaftspolitik alles tue, damit der Investitionsaufschwung sich verstärke. Eine wichtige Stellschraube für mehr Investitionen in Anlagen, Maschinen und Wirtschaft 4.0 hierzulande sei die Steuerbelastung. Wansleben: „Während andere Länder in der EU, aber vor allem die USA und China, hier vorgelegt haben, ist die letzte Unternehmenssteuerreform in Deutschland schon zehn Jahre her.“

„Die aktuellen BIP-Zahlen sind auch Ausdruck der guten Auftragslage unserer Unternehmen. Das hat erst kürzlich der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index eindrucksvoll bestätigt, betonte BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch. Dennoch sollten „wir die wachsenden internationalen Krisenherde nicht aus den Augen verlieren. Insbesondere der zunehmende Protektionismus wirke sich bereits heute negativ auf die internationalen Lieferketten aus.

„Der Konjunkturboom in Deutschland ist ein Phänomen: Die Konflikte um uns herum nehmen zu, aber die Geschäfte trotzdem nicht ab“, sagte Dr. Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Seit 2005 entwickele sich nun die deutsche Wirtschaft – mit Ausnahme der schweren Finanzmarktkrise 2008/2009 – aufwärts und dies trotz aller Hemmnisse und Unsicherheiten. Erfreulich sei dass die Unternehmen bislang alle Klippen und Untiefen klug umschiffen, ihre Geschäfte weiter diversifizieren und umsichtig planen. “Keinesfalls dürfen wir uns jedoch in Sicherheit wiegen, denn die guten Zahlen von heute sind nicht automatisch die von morgen – gerade angesichts des derzeitigen internationalen Umfeldes“, so Bingmann weiter. Die Entwicklung könne abrupt abreißen, wenn Streitigkeiten und Handelskonflikte eskalierten. Protektionismus und Nationalismus seien derzeit die größten Gefahren für den Wohlstand – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. „Wir brauchen daher ein starkes Europa, das für regelbasierten Freihandel und Stabilität eintritt”, so Bingmann abschließend.

"Die deutsche Wirtschaft konnte trotz der positiven Revidierungen für das erste Quartal 2018 ihre Wachstumsdynamik im zweiten Quartal 2018 leicht verbessern und somit durch ein grundsätzlich intaktes Konjunkturbild überzeugen. Auch wenn Unsicherheiten durch die Stimmung in der deutschen Wirtschaft und die US-Handelspolitik den kurzfristigen Ausblick erschweren, ist eine Wachstumsprognose für Deutschland von um oder knapp unter zwei Prozent für 2018 weiterhin mit einem ausgeglichenen Risiko verbunden", kommentierte Dr. Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG, die aktuellen BIP-Zahlen. Gleiches gelte für die Wachstumsprognose der Euro-Zone (2018: 2,0 Prozent). Von der Beendigung des EZB-Aufkaufprogramms Ende 2018 könne somit weiterhin ausgegangen werden. 

Frank Rösch, BME-Konjunktur- und Rohstoffmonitoring

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