Deutscher Osthandel stabilisiert Konjunktur

Ost-Ausschuss – Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft (OAOEV): Die Exporte nach Osteuropa sind im 1. Halbjahr um 2,2 Prozent gewachsen.

In Zeiten einer sich abschwächenden Weltwirtschaft und wachsender Handelskonflikte erhält die deutsche Wirtschaft wichtige Impulse aus Mittel- und Osteuropa. Bildquelle: Eurogate In Zeiten einer sich abschwächenden Weltwirtschaft und wachsender Handelskonflikte erhält die deutsche Wirtschaft wichtige Impulse aus Mittel- und Osteuropa. Bildquelle: Eurogate

In Zeiten einer sich abschwächenden Weltwirtschaft und wachsender Handelskonflikte erhält die deutsche Wirtschaft wichtige Impulse aus Mittel- und Osteuropa. „Nie war die EU-Osterweiterung so wertvoll wie heute“, kommentiert der Vorsitzende des Ost-Ausschuss – Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft (OAOEV) Wolfgang Büchele die Handelszahlen für das erste Halbjahr 2019. Danach sei es der engen Verflechtung der deutschen Wirtschaft mit EU-Ländern wie Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und der Slowakei mit zu verdanken, „dass der deutsche Export überhaupt noch Wachstum vermelden kann“.

Nach den vom OAOEV ausgewerteten Zahlen des Statistischen Bundesamtes stiegen die deutschen Exporte in alle 29 Länder Mittel- und Osteuropas von Januar bis Juni 2019 um 2,2 Prozent, während die deutschen Gesamtexporte nur noch um 0,6 Prozent zulegen konnten. „Die großen deutschen Investitionen in Mittel- und Osteuropa in den vergangenen 15 Jahren zahlen sich jetzt doppelt aus: Sie treiben die Modernisierung in der Region voran und tragen enorm dazu bei, unsere eigene Konjunktur stabil zu halten“, sagt Büchele.

Die Wachstumslokomotive der Region sei Polen: So nahm der deutsch-polnische Handel in den ersten sechs Monaten 2019 um starke fünf Prozent auf erstmals über 60 Milliarden Euro zu. Polen konnte damit in der Liste der 20 wichtigsten deutschen Handelspartner Großbritannien überholen und sich an sechster Position platzieren. Der Abstand zu Italien auf Platz fünf habe sich weiter verringert. Tschechien erreichte Platz zehn. Auch Russland (Platz 13), Ungarn (Platz 14), Rumänien (Platz 18) und die Slowakei (Platz 19) zeigen nach OAOEV-Einschätzung „die große Bedeutung, die Mittel- und Osteuropa für den deutschen Handel insgesamt besitzt“. Inzwischen gehen rund 20 Prozent aller deutschen Exporte in die Region. Allein das deutsche Handelsvolumen mit den vier Visegrad-Staaten Polen, Tschechien, Ungarn und Slowakei übertraf im ersten Halbjahr 2019 mit einem Volumen von zusammen 150 Milliarden Euro den Wert des Güterverkehrs mit China (100 Milliarden) um rund 50 Prozent.

Rückschläge verzeichnete im ersten Halbjahr der deutsche Handel mit Russland, das bis 2012 noch wichtigster deutscher Handelspartner in Osteuropa war. Seit der Einführung gegenseitiger Sanktionen vor fünf Jahren sei der Rückstand von Russland zu Polen stark gewachsen. Im ersten Halbjahr 2019 sank der deutsch-russische Handel um 3,5 Prozent und erreicht mit einem Volumen von 30 Milliarden Euro nur noch die Hälfte des deutsch-polnischen Handels. Deutschland bleibe mit diesem Ergebnis zwar der zweitwichtigste Handelspartner Russlands weltweit, der Abstand zu China vergrößere sich aber immer weiter.

„Die fehlende Dynamik in Russland hat vor allem mit dem niedrigen Rubelkurs, gesunkenen Öleinnahmen und einer schwachen Reformdynamik zu tun. Aber natürlich schmerzen uns auch die Sanktionen“, sagte der Vorsitzende der OAOEV-Geschäftsführung Michael Harms, der Bundesaußenminister Heiko Maas nach Russland begleitete. „Aktuell sind wir vorsichtig optimistisch, dass endlich wieder Bewegung in den Minsker Friedensprozess kommen könnte“, erklärte Harms am Rande der Moskauer Gespräche. „Der neue ukrainische Präsident, den wir im Sommer in Berlin getroffen haben, unternimmt sehr viel, um den Konflikt zu entschärfen. Diese ausgestreckte Hand sollte man in Russland ergreifen. Dann sehen wir auch eine Chance, endlich einen Einstieg in den Ausstieg aus den Sanktionen zu schaffen. Wir sind der Bundesregierung sehr dankbar“, so Harms weiter, „dass sie hier beharrlich das Gespräch sucht und auch bezüglich Nord Stream 2 und einem neuen Gas-Transitvertrag zwischen Russland und der Ukraine vermittelt.“

Die Ukraine zählt zu den OAOEV-Partnerländern, die im ersten Halbjahr die größten Zuwächse im bilateralen Handel erzielen konnten. Die deutschen Importe aus der Ukraine nahmen um zehn Prozent zu, die deutschen Exporte stiegen um über sieben Prozent. Sehr erfreulich entwickelte sich auch der Handel mit Serbien (+9 Prozent), der Slowakei (+10 Prozent), Nordmazedonien (+14 Prozent) und Aserbaidschan (+30 Prozent). Die größten Zugewinne unter allen OAOEV-Ländern gab es im Handel mit Usbekistan (+61 Prozent). Die Regierung der zentralasiatischen GUS-Republik verfolge seit zwei Jahren einen konsequenten Öffnungskurs, den der OAOEV mit einer Reihe von Konferenzen, Delegationsreisen und Initiativen begleitee. Im Frühjahr 2019 wurde dazu auch ein neues deutsch-usbekisches Praktikantenprogramm durch den OAOEV gestartet. „Usbekistan zeigt geradezu klassisch, wie Länder durch eine Öffnung für Investoren, konsequente Reformen und eine Integration in internationale Wertschöpfungsketten profitieren können. Dieses positive Beispiel kann vielen Mut machen, auf Internationalisierung statt auf Protektionismus und Abschottung zu setzen“, betonte Büchele.

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