Firmen haben weiter Nachholbedarf bei der Digitalisierung

Chancen und Potenziale der Digitalisierung in der Logistik, insbesondere in der Transportlogistik, erkennen und ergreifen: Das waren zentrale Themen einer Fachveranstaltung, die von der BVL, dem Transportmanagementsoftware-Anbieter Alpega und dem Unternehmensnetzwerk MoWiN.net in Lohfelden bei Kassel gemeinsam organisiert wurde.

Die Referenten und Organisatoren der Veranstaltung „Digitale Transformation in der Transportlogistik“: Prof. Michael Huth (Hochschule Fulda), Stefan Viehmann (Kühne + Nagel Group), Carsten Knauer (Leiter Sektion Logistik, BME e.V.) (untere Reihe); Fr Die Referenten und Organisatoren der Veranstaltung „Digitale Transformation in der Transportlogistik“: Prof. Michael Huth (Hochschule Fulda), Stefan Viehmann (Kühne + Nagel Group), Carsten Knauer (Leiter Sektion Logistik, BME e.V.) (untere Reihe); Frank Schröer (BVL), Christoph Gross (SCCC) (mittl. Reihe); Karsten Busch (BVL), Dirk Wiesner (Mercedes Benz Trucks) und Nicolas Wittine (Universität Kassel). Foto: Carsten Herwig

Produzierende Unternehmen und Logistikdienstleister haben Nachholbedarf bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse. Werkzeuge zur Datenerfassung, Automatisierung, Mensch-Maschine-Interaktion oder Datenanalyse sind vielfach bekannt, jedoch noch viel zu selten im Einsatz. „Oftmals müssen das Wissen über Methoden und Tools mit konkreten Anwendungsfällen zusammengebracht werden, um einen echten Mehrwert für die Unternehmen erkennen zu lassen“, betonte Michael Huth, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Logistik an der Hochschule Fulda, auf der Fachveranstaltung, „Digitale Transformation in der Transportlogistik“, die von der Bundesvereinigung Logistik (BVL), dem Transportmanagementsoftware-Anbieter Alpega und dem Unternehmensnetzwerk MoWiN.net in Lohfelden bei Kassel organisiert wurde. Dort stellte er gemeinsam mit Carsten Knauer, BME-Leiter Sektion Logistik/SCM, Referent Fachgruppen, die Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten Umfrage zum Thema „Digitalisierung in Supply Chains“ vor. Angesprochen wurden 251 Supply Chain Manager und Führungskräfte in angrenzenden Bereichen wie IT, Logistik, Produktion oder Materialfluss. Gefragt wurde, wie intensiv elektronische Lösungen wie beispielsweise Blockchain, Cloud Computing, 3D-Druck oder künstliche Intelligenz für die Digitalisierung der Lieferketten genutzt werden. Die Logistik sei nach Huths Meinung hierbei ein Treiber für Innovation, wenn die entsprechenden Personalressourcen hierfür vorhanden seien.

„Die Umfrage-Ergebnisse haben uns überrascht“, sagte BME-Logistik-Experte Carsten Knauer in Lohfelden. So seien viele der aktuellen Digitalisierungstechnologien wie Roboter und Automatisierung oder selbstfahrende Fahrzeuge den befragten Supply Chain Managern zwar bekannt. Dennoch gebe es elektronische Lösungen wie Digitaler Zwilling, Uberization of freight oder Low-cost Sensor Technology, die von ihnen kaum oder gar nicht genutzt würden. Knauer appelliert deshalb an die Entscheidungsträger, bestehende Wissenslücken schnell zu schließen. Ansonsten bestehe insbesondere für KMU die Gefahr, den Digitalisierungszug zu verpassen. Darüber hinaus müsse das Berufsbild des Supply Chain Managers künftig einen stärkeren Bezug zum industriellen Internet der Dinge als bisher haben.

„Richtig ist, dass je fokussierter und anwendungsnäher Projekte zur Digitalisierung angegangen werden, desto eher ist auch eine Optimierung der untersuchten Prozesse erreichbar“, so BVL-Regionalgruppensprecher Karsten Busch. Dann würden Verlader und Speditionen in die Lage versetzt, insbesondere bei der Transportplanung und -organisation effizienter zu werden, administrativen Aufwand zu minimieren, Transportvolumen besser analysieren zu können und Kosten einzusparen.

Dass dies insbesondere dem Kundenverhältnis dient, hob Stefan Viehmann, Senior Vice President Global Customer Solutions bei Kühne + Nagel, hervor: „Wir verfolgen neben Automatisierungszielen vor allem bessere Kundeninteraktion, integrierte Prozesse und die beschleunigte Entwicklung neuer Produkte und Services. Die kürzlich erfolgte Einführung des myKN-Kundenportals demonstriert die Entschlossenheit, digitale Innovationen im Markt zu positionieren.“

Christoph Gross, Geschäftsführer und zertifizierter IT-Berater vom Münchner Supply Chain Competence Center, zeigte am Beispiel von TMS (Transportmanagement-Software) auf, wie durch digitale Plattformen wie dem IT-Matchmaker eine Auswahlunterstützung geboten werden kann. „Digitale Ausschreibungstechnologien ermöglichen einen hohen Detaillierungsgrad mit weniger Aufwand. Zudem können Nutzer dieser Plattformen sich intensiv um die Analyse der Ergebnisse kümmern, um den am besten geeigneten Anbieter zu finden“, erläuterte Gross.

An dem Meinungs- und Erfahrungsaustausch in Lohfelden beteiligten sich rund 80 Teilnehmer; darunter waren Logistiker aus Produktion, Forschung, Lehre und Logistikdienstleistung sowie Vertreter von Fachverbänden.

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