15.05.2019 //

Digitalisierung funktioniert über das Schaffen von Standards

Die Automobilindustrie ist in der Harmonisierung von IT-Landschaften im Einkauf relativ weit fortgeschritten. Für mittelständische Unternehmen bieten die Erfahrungen von VW, Daimler und BMW interessante Anknüpfungspunkte.

Foto: pixabay.com

Fahrzeuge können heute aus bis zu mehreren Tausend Teilen bestehen. Und jedes Teil produziert Daten. Das Management dieser großen Datenmengen erfordert eine ausgefeilte Datenanalyse und eine genaue Kenntnis der Datenbasis. An dieser Aufgabe arbeitet Michael Weyers. Unter seiner Federführung hat der Mercedes-Benz Cars diverse IT-Systeme so harmonisiert, dass der Datenaustausch zwischen Einkauf, Controlling, Logistik und Entwicklung nunmehr digitalisiert und ohne Systembrüche stattfindet. „Eine entscheidende Voraussetzung für die Harmonisierung von IT-Systemen auf eine einheitliche Plattform ist das Erstellen von systemübergreifenden Primärschlüsseln“, erklärt Michael Weyers. Das bedeutet, dass sich – ähnlich wie bei Telefonnummern – jeder Datensatz im System eindeutig zuordnen lässt.

Auch in der BMW Group Einkaufsorganisation schreitet die Harmonisierung von IT Landschaften stetig voran. Für die Prozesse des direkten Einkaufs, insbesondere der Bestelladministration, existiert ein weltweit harmonisiertes IT-System. „Als Basis wird hier SAP mit einer hohen Systemintegration in die Finanzabwicklung und in die Bedarfserstellung der Fahrzeug- und Komponentenwerke genutzt“, erklärt Saskia Essbauer, Sprecherin Einkauf und Lieferantennetzwerk bei der BMW Group. Mittelständische Unternehmen profitieren aus ihrer Sicht von der Nutzung einer Standardsoftware oder eines SAAS (Sofware As a Service)-Ansatzes, da Änderungen und Erweiterungen großteils proaktiv durch den Softwareanbieter in die Systeme eingebracht würden. Essbauer: „Insbesondere regulatorische und gesetzliche Änderungen, die Einfluss auf Einkaufs- und Finanzprozesse haben, werden von den Softwareanbietern vorkonzipiert.“

Zentralisierung Schlüssel zum Erfolg

Das Daten-Megaprojekt „One“ bei Volkswagen soll langfristig der Meilenstein auf dem Weg zum weltweit nachhaltigsten und innovativsten Netzwerk der Automobilindustrie sein. Die Technologieplattform verbindet weltweit rund 40.000 Partnerfirmen und ihre 150.000 Fertigungsstandorte mit dem Volkswagen Konzern und dessen Geschäftsbereichen. „Für die Lieferanten ist One die zentrale Anlaufstelle im Konzern“, erklärt Nico Feirer. Er ist bei Volkswagen in der Konzernbeschaffung für Beschaffungsprozesse und –systeme verantwortlich.

Die VW-Lieferanten sind nunmehr von der Neuqualifizierung bis hin zu Ausschreibung, Vergabe, Wareneingang und Rechnungsabwicklung über eine Plattform mit dem OEM verbunden. Als maßgeblich für den Erfolg bezeichnet der VW-Manager unter anderem ein zentrales Berechtigungsmanagement sowie eine zentrale Lieferantenstammdatenverwaltung. Die DUNS-Nummer dient als eindeutiger Schlüssel zur Identifizierung von Lieferantenstandorten. Der Vorgang ist simpel, denn jeder Zulieferer kann über die Website www.upik.com seinen eindeutigen Schlüssel sowie Stammdaten zum Unternehmen abfragen beziehungsweise eine DUNS-Nummer beantragen.

Klar ist aber auch: Datenharmonisierung ist eine laufende Aufgabe. Bei BMW ist die Harmonisierung des indirekten Einkaufes derzeit in Planung. Aktuell existiert ein System für den indirekten Einkauf der BMW AG. In den Auslandsgesellschaften sind derzeit noch unterschiedliche Systeme im Einsatz, die im Zuge des Projektes harmonisiert werden sollen. Was sich auch herauskristallisiert hat neben der eindeutigen Zuordnung der Datensätze ist die Prozesstransformation. „Eine Harmonisierung von Systemen ist nur dann möglich, wenn über diese Transformationen auch die Prozesse in einen Standard überführt werden“, erklärt BMW-Sprecherin Saskia Essbauer. Insbesondere beim Einsatz einer Kaufsoftware sei das Commitment, den Systemstandard des Softwareanbieters einzuhalten, erfolgskritisch.

Der ausführliche Artikel „Digitalisierung in großem Stil“ erscheint in der Mai-Ausgabe des BME-Mitgliedermagazin BIP-Best in Procurement (Erscheinungstermin: 9. Mai 2019). Mitglieder des BME erhalten das Magazin kostenlos.

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