"Ein europäischer Dodd-Frank-Act wäre sinnvoll"

Raimund Wind, Leiter Supplier Management der Osram Licht AG, im BME-Interview.

Wind: "Unsere US-Partner verlangen lückenlose Nachweise, dass Osram-Produkte keine Konfliktmineralien enthalten."

Der Abbau von Gold, Zinn, Tantal- und Wolframerz in Zentralafrika ist heikel. Aus den Verkaufserlösen finanzieren Rebellen und Milizen ihre bewaffneten Konflikte. Das Problem beschäftigt mittlerweile auch den Rohstoffeinkauf deutscher Firmen. Der BME führte dazu mit Raimund Wind, Leiter Supplier Management der Osram Licht AG, München, folgendes Interview:



Ist der richtige Umgang mit Konfliktmineralien für deutsche Rohstoffeinkäufer bereits ein Thema?
Die Auseinandersetzung damit hat längst begonnen. Dafür sorgen schon allein unsere internationalen Geschäftskontakte in einer global vernetzten Wirtschaft.

Was bedeutet das für Osram?
Wir haben eine umfangreiche Supply Chain. Die benötigten Rohstoffe und Materialien kaufen wir meist nicht direkt am Markt ein, sondern entlang einer mehrstufigen Lieferkette. Das betrifft zum Beispiel elektronische Komponenten. Bevor wir diese Teile beziehen, lassen wir uns von unseren Herstellern bestätigen, dass diese Komponenten konfliktfrei sind. Wir haben mittlerweile ein transparentes Kontrollsystem entlang unserer Lieferkette geschaffen; es zeigt sofort an, welche unserer Lieferanten vom Dodd-Frank-Act betroffen sind. Auf diese Weise können wir zeitnah entsprechende Maßnahmen ergreifen, um unseren Verpflichtungen nachzukommen. Wir stützen uns dabei auf unseren Code of Conduct und die EICC-Deklaration. Dabei handelt es sich um den Standard einer Koalition namhafter Elektronikkonzerne, die sich gemeinsam für Ethik und Nachhaltigkeit in der globalen Lieferkette einsetzt.

Was passiert mit Osram-Lieferanten, die nicht „conflict free“ sind?
Zunächst schauen wir uns die Schmelzer unserer Lieferanten genau an. Sie veredeln die Konfliktmineralien und geben sie dann an die Supplier weiter. Unsere Lieferanten wissen, dass wir nur Rohstoffe und Materialien von konfliktfreien Schmelzen ordern. Das erfordert einen gewissen finanziellen Aufwand und setzt klare politische Rahmenbedingungen voraus.

Erzeugt der Dodd-Frank-Act einen spürbaren Druck auf Osram?

Unsere US-amerikanischen Partner verlangen lückenlose Nachweise, dass unsere Produkte keine Konfliktmineralien enthalten. Es gibt mittlerweile aber auch europäische Unternehmen, die in den USA gelistet sind und deshalb die gleichen Forderungen an uns stellen.

Sollten deutsche Einkäufer ihre Kräfte bündeln, um die Rückverfolgbarkeit von Konfliktmineralien garantieren zu können?
Ein Zusammenschluss von Unternehmen ähnlich einer Einkaufsgemeinschaft ist sinnvoll. Uns eint das gleiche Ziel: Wir alle wollen konfliktfreie Mineralien für unsere Firmen beschaffen. Diese Metallrohstoffe können aus allen Ländern kommen, solange die dort ansässigen Minen und Schmelzen zertifiziert sind. Dieser Prozess kommt langsam ins Rollen. Immer mehr Bergwerksgesellschaften lassen sich kontrollieren und gelten als „conflict free“. Die EICC hat auf ihrer Webseite eine Liste aller konfliktfreien Schmelzen veröffentlicht. Mit diesen Informationen lässt sich auch unsere Lieferkette besser kontrollieren.

Welche Kontrollmechanismen verwenden US-Firmen?
US-amerikanische Gesellschaften wie beispielsweise die Automobilhersteller des Landes stehen in der Lieferkette weit oben. Sie führen teils umfangreiche Datenbanken über die Aktivitäten jedes einzelnen Schmelzers. Alle Glieder der Supply Chain können einsehen, ob die Schmelzer konfliktfreie Mineralien verarbeiten oder nicht.

Brüssel will bis Jahresende erste Inhalte der geplanten EU-Initiative zu Mineralien aus Konfliktgebieten vorlegen. Was erwarten Sie sich davon?
Die Gesetzesnovelle sollte auf dem Dodd-Frank-Act aufsetzen und dessen Inhalte in weiten Teilen übernehmen. Betroffene europäische Unternehmen haben sich bereits auf die US-Vorschriften für den Umgang mit Konfliktmineralien eingestellt. Daher halten wir eine deutlich abweichende EU-Regelung für nicht sinnvoll. Wenn die EU-Kommission jetzt zu anderen Schlussfolgerungen kommt und neue Anforderungen an die Wirtschaft stellt, bedeutet das Zusatzaufwand und höhere Kosten für die betroffenen Unternehmen.

Lässt sich in Produkten überhaupt zweifelsfrei nachweisen, ob die darin enthaltenen Mineralien konfliktfrei sind oder nicht?
Unserer Meinung nach ist das nicht eindeutig möglich. Deshalb sollte man das Problem bei der Wurzel anpacken und bereits die Minen und Schmelzen in Konfliktregionen intensiv kontrollieren bzw. zertifizieren. Das Interview führte Frank Rösch, BME

Hintergrund aktuell: Osram, mit Hauptsitz in München, ist ein weltweit tätiger Leuchtmittelhersteller. Mit seinem Portfolio deckt das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette von Komponenten über Vorschaltgeräte bis hin zu vollständigen Leuchten, Licht-Management-Systemen und Beleuchtungslösungen ab. Osram beschäftigt rund um den Globus rund 39.000 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro. Mehr als 70 Prozent der Erlöse erwirtschaftet Osram mit energieeffizienten Produkten.

Mehr Infos: Ein aktuelles Statement des DIHK zum Thema "Konfliktmineralien" finden Sie im Downloadbereich dieser Webseite direkt neben dem Interview.

Save the Date: „Konfliktmineralien“ sind auch das zentrale Rohstoffthema der November-Ausgabe des BME-Magazins BIP – Best in Procurement. Das Heft erscheint am 8. November 2013.

 

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