26.09.2019 //

Einkäufertag: BME-Premiere auf der Jubiläums-Fachpack

200 Gäste fanden sich beim 1. BME-Einkäufertag am ersten Veranstaltungstag der Messe Fachpack in Nürnberg ein – nicht nur um über den Einkauf von Verpackungsdienstleistungen zu diskutieren. Auch die BME-Region Nürnberg-Mittelfranken war federführend mit dabei.

Fachpack BME-Einkäufertag 200 Gäste folgten der Einladung des BME zum 1. Einkäufertag auf die Messe Fachpack nach Nürnberg.Fotos: Tobias Anslinger, Salvatore Rissel/BME

Bereits zum 40. Mal jährte sich in diesem Jahr die Fachpack – Leitmesse für Packstoffe, Packmittel, Verpackungsmaschinen, Kennzeichnungs- und Markiertechnik und Verpackungslogistik am Nürnberger Messegelände. Ein Jubiläum, das der BME nutzte, um gemeinsam mit der Region Nürnberg-Mittelfranken das messebegleitende Forum „Techbox“ zu organisieren. Highlight des ersten Messetags dort: der BME-Einkäufertag*.

Den Auftakt in einen abwechslungsreichen Nachmittag machte Andreas Hermann, Leiter Benchmark Services des BME, der dem vollen Auditorium (200 Teilnehmer) die neuesten Ergebnisse aus den jährlichen „BME Top-Kennzahlen im Einkauf“ präsentierte (die Kernergebnisse der jüngsten Befragung lesen Sie übrigens in BIP-Ausgabe 1/2020). „Kennzahlen ermöglichen Vergleichbarkeit und beide sind somit Grundlage für ein effizientes Kostenmanagement“, so Hermann. Gleichzeitig warnte er davor, Kennzahlen isoliert und nicht unternehmensspezifisch zu betrachten. Sie müssten stets im Einklang mit der verfolgten Einkaufsstrategie erhoben und interpretiert werden.

Vom Abwickler zum Strategien

Den „wirklich strategischen Einkauf“, wie es im Programm angekündigt wurde, verdeutlichte Gerhard Heß, Professor für Supply Management an der TH Nürnberg in seinem Vortrag „Der Weg vom Abwickler zum Strategen“. Der Hochschullehrer erläuterte diese Entwicklung anhand eines realen Beispiels aus der Praxis, das er selbst mit begleitete: Dem Einkauf der Schreiner Group, ein Mittelständler aus Oberschleißheim bei München, half er, sich binnen fünf Jahren nicht nur eine Strategie zu geben, sondern sich als Einkauf ein ganz anderes Standing im Unternehmen zu geben und sich auf ein neues Niveau zu heben.

Sich in Position bringen, das Einkaufsmanagementsystem professionalisieren und schließlich die Einkaufsstrategie in die Unternehmensstrategie integrieren, lautete der Dreischritt, den er den anwesenden Einkaufsverantwortlichen vermittelte. Heute habe die Schreiner Group 13 strategische Ziele im Einkauf, die regelmäßig gemonitort würden. „Strategischer Einkauf hat viel mit Disziplin zu tun“, lautete sein Fazit.

Onlinehändler stellt Verpackung um

Fach(pack)einschlägig wurde es dann im Referat von Tobias Wenninger, Vorstand bei Transpak aus Solms. Er legte dar, wie sein Unternehmen dem Online-Handelsunternehmen Bike 24 dabei half, die Art und Weise, Fahrräder zu verpacken, so zu verändern, dass das hinterher nicht nur deutlich günstiger, sondern auch ressourcenschonender funktioniert.

Durch die Abkehr vom Papier hin zu Folie und Luftpolsterung stiegen zwar die Materialkosten um etwa 68 Cent pro verpacktem Fahrrad, allerdings sanken im gleichen Zug sowohl die Personalkosten (statt zwei Mitarbeitern wird nur mehr einer für die Verpackung benötigt), als auch der jährliche Verbrauch an Material (87 Tonnen Papier zu 20 Tonnen Kunststoff).

Das neue Verpackungsmaterial beschleunige zudem die Prozesse (statt einem können nun vier Fahrräder in derselben Zeit verpackt werden) und macht darüber hinaus den Kurier- und Lieferdiensten die Arbeit im wahrsten Wortsinn leichter: Ein Karton mit Kunststoffverpackung wiegt doch um 3,7 Kilogramm weniger als wenn er alleine schon mit 6 Kilogramm Schrenzpapier gefüllt würde. Angesprochen auf den Verschmutzungsaspekt von Plastik sagte Wenninger, dass der Wechsel von Papier- auf Kunststoffverpackung nicht unbedingt der Normalfall sei. Im diesem konkreten Fall wäre aber neben den beschriebenen Vorzügen auch der CO2-Ausstoß der Kunststoffverpackung deutlich geringer als jener der Papierverpackung.

Was macht gute Lieferantenpartnerschaften aus?

Den Abschluss fand der 1. BME-Einkäufertag auf der Fachpack in einer Podiumsdiskussion zur Herausforderung „Strategische Lieferantenpartnerschaften im Einkauf erfolgreich steuern“. Unter der fachlichen Moderation von Prof. Gerhard Heß diskutierten Stephanie Burghart, CPO bei Sonax (Neuburg), Mirko Lindner, Purchasing Director bei Südwolle (Schwaig b. Nürnberg), Michael Semmelmann, Geschäftsleiter Einkauf bei Dr. Schneider Kunststoffwerke (Kronach) und Michael Wershofen, Senior VP Procurement bei Siemens Healthineers.

Kern der Diskussion waren sowohl die Kriterien einer guten Partnerschaft mit Lieferanten als auch die Frage, wie Partnerschaften im Unternehmensalltag auch gelebt werden könnten. „Eine Partnerschaft lebt nicht dadurch, dass der Einkaufsleiter den Vertriebsleiter des Lieferanten gut kennt“, hieß es etwa. Die Strategien der Partner müssten zusammenpassen. Tun sie das eines Tages nicht mehr, solle man auch keine Scheu haben, sich im Guten wieder zu trennen. „Schon beim Eingehen einer Partnerschaft das Exit-Szenario durchspielen“, lautete ein Ratschlag.

Die mittelständischen Vertreter stimmten überein, dass es – neben allen schriftlichen Verträgen („Papier ist geduldig“) – vor allem darauf ankäme, sich zu vertrauen und die Partnerschaft auf Augenhöhe zu betreiben. Regelmäßige Treffen mit dem Partner seien dafür unabdinglich. „Nicht alles, was man da bespricht, landet hinterher auch in einem Protokoll oder einer To-do-Liste.“ So mancher Partner würde sogar eher skeptisch reagieren, wenn man eine etablierte, aber vielleicht informelle strategische Partnerschaft plötzlich verschriftlichen wollte. Hier seien Pragmatismus und Augenmaß gefragt. In Konzernen dürfte eine solche Vorgehensweise freilich schwer umsetzbar sein.

*vom 1. BME-Einkäufertag auf der Fachpack in Nürnberg berichtete Tobias Anslinger, BME

 

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