20.02.2019 //

Einkauf der Zukunft ist dezentral und interdisziplinär

Die Digitalisierung bestimmt das Tempo und die Automatisierungsprozesse im Einkauf. Wie sich diese Veränderungen bestmöglich gestalten und im eigenen Unternehmen umsetzen lassen, diskutierten über 80 Einkaufsmanager in Wiesbaden auf dem 9. BME-Forum „Der Einkauf 2025“.

„70 Prozent aller Change Projekte scheitern“, warnte Klaus Pause auf dem 9. BME-Forum „Der Einkauf 2025“ in Wiesbaden. Foto: Doris Hülsbömer / BME e.V.

Es klingt kontrovers: Im Mittelpunkt der Digitalisierung steht der Mensch. „Treiben Sie nicht Ihre Mitarbeiter, Mitarbeiter müssen die Digitalisierung selber treiben“, sagte Klaus Pause auf dem 9. BME-Forum „Der Einkauf 2025“. Dass damit nicht zwangsläufig ein Jobverlust einhergehe, war Konsens unter den Referenten auf der Fachkonferenz Ende Februar in Wiesbaden. Welche Wege dabei der Einkaufsorganisation offenstehen und was erfolgversprechend für das eigene Unternehmen ist, war eine zentrale Frage, die die rund 80 Einkaufsmanager in zahlreichen Expertenvorträgen, Round Tables und Workshops in Wiesbaden diskutierten.*

Identifikation auf allen Ebenen

Klaus Pause, ehemals stellvertretender Einkaufsleiter von Adidas, warnte, dass noch immer 70 Prozent aller Change-Projekte scheitern würden. Hauptgründe seien die Veränderungen in den Belegschaften und das Tempo der Transformationen. „Die eine Veränderung lässt die andere gar nicht zu Ende kommen“, so Pause. Gefährlich sei dabei die Identifikationslücke von Sender bzw. Führungskraft zu Empfänger. Es gelte, rundum ein Bewusstsein für Veränderung zu schaffen, nicht nur bei Führungskräften. Idealerweise werde die Vision gemeinsam mit den Mitarbeitern formuliert und im Unternehmen verbreitet.

Prof. Gerhard Heß warnte davor, die Chancen, die die Digitalisierung mit sich bringe, nicht zu nutzen. „Schnittstellen lassen sich anders überbrücken und eine unendliche Transparenz  schaffen.“ Doch bisher sei unklar, wohin die Entwicklung genau steuere. Es fehle – wie bei einem Navigationsgerät – die Ansage, welcher Zielort erreicht werden solle. Was sich aber klar abzeichne, sei eine Revolution im Einkauf im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Lieferanten – hin zu einer wirklich partnerschaftlichen Kooperation zwischen Einkäufer und Lieferant, so der Hochschulprofessor von der TH Nürnberg.

2025: Einkauf komplett umgekrempelt

Vor der Aufgabe, die Systemlandschaft bei Scherdel zu harmonisieren stand vor einigen Jahren Olaf Korf. „Wir haben prozessübergreifende Systeme geschaffen“, sagt der CPO des Automobilzulieferers. Dazu zählen ein Datawarehouse-System, WebEx oder Beschaffungsinformationssysteme. Schlüsselfaktoren seien dabei der Dialog mit der IT, die Schaffung von Ressourcen für Veränderungsprozesse bei den Mitarbeitern und eine hohe Datenqualität gewesen. Umgesetzt wurde die Harmonisierung über eine eigene Systemlandschaft. „Aktuell binden wir Lieferantenaudits an.“ 2028 sieht Korf die Beschaffung als integrierte Einkaufsfunktion in interdiziplinären Teams. „Wir steuern auf eine Prozess- und Systemfokussierung zu.“ Der Einkauf werde irgendwo in der Welt mit irgendwem zusammenarbeiten und dabei Trends für zukünftige Produkte aufspüren. „2025 wird der Einkauf komplett anders aussehen als heute“, ist sich der Einkaufsmanager sicher.   

*Vom 9. BME-Forum „Der Einkauf 2025“ berichtete Doris Hülsbömer, BME

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