Eisenacher Logistikforum: Menschen und Maschinen der Zukunft

Das 8. Eisenacher Logistikforum lockte über 100 Besucher in das neue Gründer- und Innovationszentrum der Stadt. Gastgeber war die Lindig Fördertechnik GmbH, die BME-Region Thüringen einer der Veranstaltungspartner.

Eisenacher Logistikforum Sven Lindig, Geschäftsführer der Lindig Fördertechnik GmbH, eröffnete des 8. Eisenacher Logistikforum. Fotos: Lindig

Ein sichtlich zufriedener Sven Lindig betrat um kurz nach 9 Uhr die Bühne, begrüßte die etwa 130 Gäste und eröffnete das Fachevent* für Logistik- und Supply-Chain-Management-Experten aus Eisenach und der Region. Lindig ist Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens für Fördertechnik mit 350 Mitarbeitern, das sich in den vergangenen Jahren neben dem traditionellen Geschäftsfeld Intralogistik auch in den Bereichen Höhenzugangstechnik, Energie- und Umweltmanagement sowie Luftfahrt etabliert hat.

Übergangsphase bis zur Dark Factory

In seiner Keynote zeigte Prof. Johannes Fottner, Lehrstuhlinhaber des Bereichs Fördertechnik, Materialfluss und Logistik an der TU München anhand konkreter Beispiele, wie viel Autonomie in der Intralogistik der Industrie 4.0 heute schon steckt oder in Kürze möglich sein wird. In den Mittelpunkt seines Vortrags stellte Fottner, der vor seiner Hochschullaufbahn in der Industrie tätig war, allerdings das Verhältnis von Mensch und Maschine. Denn bis es in einigen Jahrzehnten vielleicht einmal Fabriken ganz ohne Menschen gibt („Dark Factories“), müssten Mensch und Maschine zusammenarbeiten. „Diese Übergangsphase zu managen ist die eigentliche Kunst“, so Fottner.

Die drei größten Schwachstellen des Menschen seien schwankende Effizienz, Unfall- und Fehlerrisiko. Damit eine Maschine helfen kann, diese Schwachstellen zu minimieren, hat sie der Mensch zuvor jedoch anzulernen. „Das muss möglichst intuitiv gehen“, so Fottner. Menschen würden aus dem Einsatz von Technologie vor allem dann Vorteile ziehen, wenn sie intuitiv bedienbar ist. Als Beispiele nannte er virtuelle Werksplanung, Exoskelette oder Pick-by-Vision.

Elektromobilität – ein Irrweg?

Die als „Fachforum für Intralogistik“ ausgewiesene Veranstaltung bot einen erfrischend abwechslungsreichen inhaltlichen Mix an Themen auch jenseits der Intralogistik: Eine Podiumsdiskussion zur Frage „Elektromobilität – ein Irrweg?“ versuchte, mit Mythen und Halbwahrheiten der Elektromobilität aufzuräumen.

Auch wenn die Ergebnisse der Diskussion erwartungsgemäß keine wirklich neuen Erkenntnisse hervorgebracht haben, wurde – mit Blick auf das Kernthema Logistik – zumindest deutlich, dass die eigentliche Aufgabe der kommenden Jahrzehnte jenseits von Fragen der „richtigen“ Antriebstechnik („kein Irrweg, aber auch kein Ein-Weg“) in der Schaffung ganzheitlicher Mobilitätskonzepte liegt.

Vor allem in der regionalen Logistik liege viel Optimierungspotenzial brach. Denn im Gegensatz zum Individualverkehr ließe sich der professionelle Verkehr steuern „indem man unsinnige Transporte nicht und sinnvolle Transporte besser koordiniert durchführt“, wie es Johannes Fottner auf den Punkt brachte. Die technologischen Mittel dafür gibt es jedenfalls schon.

Management-Teilprozesse zusammenführen

Einen Blick in die „Supply Chain der Zukunft“ wagte Prof. Stefan Landwehr von der FH Erfurt in seinem Referat. Um der steigenden Veränderungsgeschwindigkeit, den kürzeren Produktlebenszyklen und der auf Kundenseite geforderten Individualität Herr zu werden, müssten Unternehmen Lieferketten immer wieder neu gestalten und dafür die Managementteilprozesse Planung, Ausführung und Kontrolle gedanklich, aber auch datentechnisch miteinander fusionieren.

Die Digitalisierung könne ihre volle Kraft nur im System aus Menschen, Produkten, Lösungen und Prozessen entfalten, wofür Interdisziplinarität und Nahtstellen-, nicht Schnittstellenmanagement gefragt sei. Dynamisch zusammenzuarbeiten und Daten zu teilen, statt nur zu sammeln, forderte daher der Wissenschaftler.

Eisenacher Logistikforum bietet Themenvielfalt

Neben dem Logistiknetzwerk Thüringen (LNT) und Automotive Thüringen (AT) war auch der BME, vertreten durch die Region Erfurt-Thüringen einer der etwa zwei Dutzend Netzwerk- und Firmenpartner der diesjährigen Veranstaltung, die erstmalig im neuen Gründer- und Innovationszentrum der Stadt ausgerichtet wurde.

„Einkauf und Supply Chain Management sind keine getrennten Welten. Wir brauchen einen integrativen Blick auf die Lieferkette“, zeigte sich auch Robert Fuhrmann, Vorstandsmitglied in der BME-Region Thüringen, überzeugt vom gebotenen Programm.

Einen facettenreichen Über- und Einblick bekamen die Teilnehmer auch nach der Mittagspause geboten. Modernes Flottenmanagement und erfolgreiches Management logistischer Großprojekte waren genauso Themen wie Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain oder Beschaffungslogistik mit E-Procurement.

Verabschiedet wurden die Gäste des 8. Eisenacher Logistikforums mit einer Keynote zum Thema Leben und Arbeiten in der Zukunft.

*vom 8. Eisenacher Logistikforum berichtete Tobias Anslinger, BME

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