Elektromobilität: Der Einkauf muss präsent sein!

Öffentliche Hand hat Signalwirkung. Der BME ruft zum Strategischen Dialog auf.

Elektromobilität bietet für Deutschland große Chancen. Eine Million Fahrzeuge sollen bis 2020 auf deutschen Straßen fahren und so einen globalen Leitmarkt für Elektromobilität schaffen. Dazu sind allerdings noch viele Hürden zu meistern: Einheitliche Ladekonzepte und attraktive Finanzierungsbedingungen müssen geschaffen werden, obwohl auf diesem breit gefächerten Markt nicht alle dieselben Interessen haben: Je nach Zielgruppe und Hersteller stehen unterschiedliche Konzepte im Vordergrund. Die Palette der Anwendungen reicht von ganzen Fuhrparklösungen über den öffentlichen Nahverkehr bis hin zu E-Bikes und Carsharing.
Eine wichtige Rolle bei der Elektromobilität müssen zukünftig die Einkaufsabteilungen spielen, bei denen das Thema aktuell noch nicht angekommen ist. Früher oder später werden sie sich damit beschäftigen müssen, zumal die Nachhaltigkeit gerade in der Beschaffung immer stärker in den Fokus rückt. Speziell die öffentlichen Stellen, von denen bei Elektromobilität eine wichtige Signalwirkung für die Gesamtwirtschaft ausgeht, müssen aufgrund der neuen Vergaberichtlinien umweltpolitische Ziele in den Vergabeverfahren mit einbeziehen. Die Möglichkeit, ökologische Aspekte im Einklang mit dem Wirtschaftlichkeitsgrundsatz zu berücksichtigen, wird dadurch gestärkt.

BME führt strategischen Dialog

Um die Verbreitung von Elektroantrieben in Deutschland voranzutreiben, dürfte den öffentlichen Einrichtungen eine ganz wichtige Leitfunktion zukommen: Wenn sie im nennenswerten Umfang E-Fahrzeuge beschaffen, können sie damit ein Signal an das Kaufverhalten von privaten Käufern senden. Das vom BMWi initiierte und vom BME betriebene Kompetenzzentrum innovative Beschaffung (KOINNO) setzt sich deshalb mit einer eigenen Veranstaltungsreihe für die Entwicklung der Elektromobilität ein.

In einem ersten strategischen Dialog wurden vor allem die aktuellen Problemfelder diskutiert. Nun soll in einem weiteren Termin die Rolle des Einkaufs genauer beleuchtet werden. Ziel des zweiten Strategischen Dialogs im September ist nun die gemeinsame Arbeit von Einkäufern mit Produktanbietern und Technologieträgern, um Lösungsansätze zu entwickeln und die Potentiale von Elektromobilität herauszuarbeiten. Das Treffen wird gemeinsam mit dem Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) durchgeführt.

Anreize fehlen - Finanzierung ein großes Problem

Um Elektromobilität in Deutschland auf Touren zu bringen, fehlt es derzeit aber noch an klaren Anreizen. Das Argument, dass am konkreten Ort der Nutzung ein Lärm- und Emissionsvorteil entsteht, dürfte in den Köpfen der Unternehmer kaum eine Rolle spielen. Vielmehr ist die Energiebilanz bei der Nutzung von E-Fahrzeugen bislang nicht zufriedenstellend und auch das CO2-Argument greift nur, wenn Ökostrom geladen wird: Die Batterieproduktion sorgt dafür, dass bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen mehr Kohlendioxid freigesetzt wird als bei einem normalen Fahrzeug. Außerdem hängt der CO2-Ausstoss von der Laufleistung, der Fahrzeuggröße, der Batterieentladetiefe und neben zahlreichen weiteren Faktoren nicht zuletzt vom Fahrstil ab.

Der wohl größte Bremsklotz ist aber die Finanzierbarkeit: Zwar sind Elektrofahrzeuge von der Kfz‐Steuer befreit, ohne öffentliche Förderung oder Nachlässe seitens der Automobilanbieter ist ihre Beschaffung aber wirtschaftlich meist nicht tragbar. Neben Fördermitteln und Rabatten könnten Sonderabschreibungen einen zusätzlichen Anreiz schaffen, um den hohen Anschaffungspreis zu rechtfertigen. Ein großes Hindernis ist dabei aber auch die Rasanz der technologischen Entwicklung, die dafür sorgt, dass ein Jahreswagen überproportional an Wert verliert.  Dies ist Ausdruck eines weiteres großen Problems: Die Technik ist noch nicht ausgereift. Unterschiedliche Ladestandards, verschiedene Stecker und ein Mangel an Lade-Infrastruktur erschweren die Anwendung.

Erste Maßnahmen sind ergriffen worden, lösen die Probleme aber nur regional. Typ 2-Stecker wurden in Europa als gültige Norm festgelegt, einheitliche Datenaustausch‐Formate für die Abrechnung von Ladevorgängen mit nationalen und europäischen Stromanbietern wurden entwickelt und innerhalb Deutschland ein flächendeckendes Schnellladenetz unter dem Namen "SLAM" in die Wege geleitet. Weltweit jedoch vertrauen Hersteller von Elektrofahrzeugen auf eigene Lösungen: Fahrzeuge japanischer Herkunft sind beispielsweise mit der dort entwickelten Schnittstelle CHAdeMO versehen. Die Idee eines einfachen Batteriewechsels an den Ladestationen, der innerhalb von wenigen Minuten eine Weiterfahrt möglich macht, krankt an einem herstellerübergreifenden Standard für solche Batterien.

Interessiert? Mehr Infos:

» Strategischer Dialog Elektromobilität


 

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