22.01.2020 //

„Erlebe Nachhaltigkeit immer noch oft als Trenddiskussion“

In der Breite seien die Standards für fair hergestellte Kleidung in der Textilindustrie noch nicht angekommen, kritisiert Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz im BIP-Interview. Ohne regelmäßige Audits der Lieferkette sowie besseren Arbeits- und Produktionsbedingungen könne die Branche nicht punkten.

Antje von Dewitz auf dem 54. BME-Symposium in Berlin. Nachhaltigkeit war auch dort ihr Kernthema. Foto: Tanja Marotzke/Peter-Paul Weiler/BME e.V.

Der Outdoor-Ausrüster Vaude ist eines der nachhaltigsten Unternehmen Deutschland. „Wir bemühen uns, unserer Verantwortung gerecht zu werden, werden dabei aber benachteiligt“, sagt Geschäftsführerin Antje von Dewitz im Interview mit dem Magazin BIP – Best in Procurement.

Die globale Bekleidungsindustrie weist viele Umweltprobleme auf. Giftige Chemikalien tragen zum Artensterben bei, Plastik wird nicht entsorgt oder recycelt, der Wasser- und Stromverbrauch ist immens. Wirklich fair hergestellte Kleidung, die bestimmte Standards erfüllt, findet sich noch selten in den Regalen der Modeketten. Faire Herstellung bedeutet, dass die Lieferkette regelmäßigen Audits unterzogen wird, Arbeits- und Produktionsbedingungen laufend verbessert, Schadstoffe weitestgehend ausgeschlossen werden. „In der Breite sind diese Standards aber noch nicht angekommen“, sagt Antje von Dewitz, Geschäftsführerin des Outdoor-Ausrüsters Vaude.

Das Unternehmen hat mit „Green Shape“ ein eigenes Gütesiegel für nachhaltige Kleidung kreiert und kennt alle seine Tier-1- und Tier-2-Lieferanten. „Unsere Produzenten lassen wir regelmäßig durch die Fair Wear Foundation auditieren“, erklärt von Dewitz. Auf beiden Ebenen würden zudem Empowerment-Programme durchgeführt. In Tier 1 gehe es bei Vaude um ökologische Standards, in Tier 2 sollen vor allem Sozialstandards vorangetrieben werden. Eigene Tests würden zudem messbare Daten ermitteln.

Einzelne Projekte arbeiten an dem Ziel „klimaneutrales Produkt“: „In den nächsten fünf Jahren wollen wir unsere Produkte überwiegend recycelt oder biobasiert herstellen. Derzeit liegen wir bei etwa 30 Prozent.“

Auch wenn Nachhaltigkeit an Professionalität zulege, wie von Dewitz beobachtet, so sei es doch oft ein Anliegen, das man verfolge, um keine Nachteile zu erleiden. „Auch erlebe ich es oft immer noch als Trenddiskussion, wenn Leute dann zu mir sagen: ‚Super, du hast schon ganz früh diesen Trend erkannt.‘“ Wenn jemand allerdings von einem Trend spreche, werde das meist auf die Chancen im Marketing bezogen.

Von Dewitz kritisiert, dass Marktwirtschaft ein Verhalten begünstige, das auf Profit und Finanzkennzahlen getrimmt sei. „Wir bemühen uns, unserer Verantwortung gerecht zu werden, werden dabei aber benachteiligt“, kritisiert die Unternehmenschefin. Andere Stellschrauben würden gebraucht, damit der Anreiz steige, ökologisch verträglich zu produzieren.

Save the Date: Das komplette Interview mit Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz erscheint in der Januar-Ausgabe des BME-Verbandsmagazins BIP – Best in Procurement. Veröffentlichungstermin ist der 24.01.2020.

BIP ist das Fachmagazin für Manager in Einkauf und Logistik. Die 68 Seiten starke Publikation wird vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) herausgegeben und erreicht die 9.750 Mitglieder des BME sowie weitere 6.000 Entscheider in Einkauf und Logistik. Das Magazin erscheint sechs Mal im Jahr.

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