11.10.2019 //

„Erwarten für unser Geschäft keine Rohstoffverknappung“

Ernst Kranert (Wolf GmbH): „Im Rahmen unserer Preisabsicherungsstrategie setzen wir auf Mengenkontrakte und Rahmenvereinbarungen über den Bezug von Halbzeugen und Zulieferteilen.“

Mainburg ist der Firmensitz der Wolf GmbH. Foto: Wolf GmbH Mainburg ist der Firmensitz der Wolf GmbH. Foto: Wolf GmbH

Ernst Kranert, Purchasing Director der Wolf GmbH in Mainburg, gab dem BME folgendes Interview*. Der bayrische Systemanbieter von Heizungs- und Klimasystemen ist mit neun Tochterfirmen und 60 Vertriebspartnern weltweit tätig.

BME: Rechnen Sie mit künftigen Engpässen bei einzelnen Industriemetallen?
Kranert: 
Im NE-Metallsegment ordern wir vor allem Nickel und Kupfer – und das sowohl direkt als auch halbverarbeitet. Nickel benötigen wir vor allem für die Edelstähle, die wir zukaufen. Besondere Maßnahmen zur langfristigen Absicherung der Versorgung mit Nickel planen wir derzeit nicht, da bei diesem Industriemetall auch in den nächsten Jahren keine Verknappung zu erwarten ist. Wir beobachten natürlich, dass Nickel im Bereich der E-Mobilität verstärkt zum Einsatz kommt. Aber auch hier sollte sich die Nachfrage in Grenzen halten. Das könnte jedoch bei Lithium, das zur Batterieproduktion benötigt wird, anders aussehen. Bei Kupfer sehe ich in naher Zukunft ebenfalls keinen Engpass. Im Rahmen unserer Preisabsicherungsstrategie setzen wir auf Mengenkontrakte und Rahmenvereinbarungen über den Bezug von Halbzeugen und Zulieferteilen.

Wie sieht es bei den Seltenen Erden aus?
Wir verwenden Seltene Erden in unseren Permanentmagneten, auch Dauermagnete genannt. Diese werden in den Wolf-EC-Motoren verbaut. Es ist damit zu rechnen, dass es bei Seltenen Erden langfristig zu Verknappungen am Markt kommen wird. Problematisch ist dabei, dass die politische Führung in Beijing ihre reichhaltigen Vorkommen an Seltenen Erden zunehmend als politische Waffe einsetzt. Das ist beim anhaltenden Handelsstreit zwischen China und den USA bereits deutlich geworden.

Wie gehen Sie bei der Beschaffung Seltener Erden in China vor?
Wir kaufen Seltene Erden in China nicht als Rohstoffe ein, sondern ordern die Endprodukte. So beschaffen wir beispielsweise kein Neodym, um daraus einen Magneten herzustellen, sondern wir erwerben in China die daraus gefertigten Produkte.

Wie sichern Sie Ihre Rohstoffpreise ab?
Preisgleitklauseln in Verträgen kommen bei uns nur selten zum Einsatz. Hier könnte der Lieferant sonst versuchen, den Preis monatlich anzupassen. Wir versuchen stattdessen, Festpreise für einen definierten Zeitraum mit unseren Partnern zu vereinbaren, um das Geschäft abzusichern und kalkulierbar zu halten. Die Vertragslaufzeit beträgt in der Regel ein Jahr.

Spielen Substitution, Recycling oder geschlossene Wertstoffkreise bei Wolf eine Rolle?
Das Recycling von Rohstoffen und Materialien spielt für uns eine Rolle, allerdings mehr unter ökologischen Gesichtspunkten. Bei der Produktion unserer Systeme und Anlagen versuchen wir, wiederverwertbare Stoffe einzusetzen. Substitution ist schwierig, weil uns hier aufgrund der physikalischen Eigenschaften der Metalle natürliche Grenzen für die Verwendung alternativer Rohstoffe und Materialien gesetzt sind.

Verändert die Digitalisierung auch den Rohstoffeinkauf?
Ja, sie zwingt das Procurement noch stärker als früher, alle Glieder der Wertschöpfungs- und Lieferketten zu durchleuchten. Ich verwende in diesem Zusammenhang den Begriff des Supply Chain Walk: Der Einkäufer geht seine Lieferkette ab und durchleuchtet sie nach möglichen Risiken. Dieser Scan beginnt bereits in der Mine, aus der der benötigte Rohstoff gewonnen wurde – beispielsweise das Seltene-Erden-Metall Neodym – und reicht bis zum fertigen EC-Motor.

Die Supply Chains bewegen sich immer schneller. Deshalb reagieren sie auf Störungen empfindlicher als früher. Kommt es zu einer Beeinträchtigung muss der Einkauf schnell reagieren können. Die Globalisierung der Wirtschaft sorgt ebenfalls für mehr Tempo in den Geschäftsabläufen. Das bedeutet sowohl für den operativen als auch für den strategischen Einkauf, mögliche Krisenherde schon bei ihrem Entstehen fest im Blick zu behalten. Sonst drohen ihm böse Überraschungen, die ganze Wertschöpfungs- und Lieferketten zum Reißen bringen können. Hier können Software-Lösungen den Einkauf entlasten und sein Risikomanagement deutlich verbessern helfen.

Wie ermitteln Sie Ihre Rohstoff- und Materialbedarfe?
Die von uns selbst beschafften Rohstoffe und Materialien werden von uns direkt erfasst. Wenn wir beispielsweise eine Kupferverrohrung mit zwei Messingverschraubungen einkaufen, ist in unserem Materialstamm exakt hinterlegt, wie viel Kupfer und wie viel Messing in dem benötigten Teil enthalten sind. Über spezielle Rohstoffwarengruppen können wir beispielsweise auch sehen, wie viele Mengen an Kupfer, Messing oder Zink wir im Jahr einkaufen. Auch die Marktbeobachtung regeln wir über diese Rohstoffwarengruppen. Dafür sind ausgewählte Einkäufer zuständig. Sie informieren ihre Kollegen, wenn es beispielsweise bei den Kupfernotierungen zu unerwarteten Preisausschlägen kommt.

*Das Interview führte Frank Rösch, BME

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