EU-Minister für mehr Aerodynamik bei Lkw

Höhere Gewichtsgrenzen und geänderte Führerhäuser beschlossen.

Foto: Andreas Hermsdorf / <a href="http://www.pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a>

Die Verkehrsminister der Europäischen Union haben sich auf eine gemeinsame Position zum Gesetzentwurf der EU-Kommission über Maße und Gewichte im Güter-Straßenverkehr verständigt. Um die Aerodynamik, Straßensicherheit und Treibstoffeffizienz von Fahrzeugen zu verbessern, einigte sich der Ministerrat in Luxemburg darauf, Veränderungen an den Fahrzeugen zuzulassen: Luftleiteinrichtungen sollen künftig zusätzlich zur bestehenden Maximallänge am Heck erlaubt werden. Außerdem sollen umgestaltete Führerhäuser möglich sein, die neben der Aerodynamik auch dafür sorgen, dass der Fahrer die Straße zur Unfallvermeidung besser einsehen kann. Auch dürfen bestimmte Fahrzeuge bald eine Tonne mehr Gewicht auf die Waage bringen, um den Weg für schwerere alternative Antriebstechnologien zu erleichtern. Laut Beschluss sollen die neuen Grenzen in einigen Jahren durch Wiegemechanismen in den Straßen sowie an Bord des Fahrzeugs überprüfbar gemacht werden.

„Die Form der Lkw auf unseren Straßen muss dringend verbessert werden. Derzeit weisen die meisten Lkw eine Kastenform auf, die unter aerodynamischen Gesichtspunkten zu den ungünstigsten Formen zählt, die man sich vorstellen kann“, kommentierte der für Verkehr zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Siim Kallas, die Entscheidung der Verkehrsminister, kritisierte aber zugleich die angepeilte Übergangszeit von bis zu acht Jahren. „Es ist nicht nötig, die Gesellschaft fast ein Jahrzehnt auf sauberere, sicherere Lkw auf unseren Straßen warten zu lassen. Ich hoffe, dass wir mit Hilfe des Europäischen Parlaments Verzögerungen vermeiden können, damit Lkw mit der besseren Form so bald wie möglich auf den Markt kommen.“ Das Potenzial der Vorschläge bezifferte die Kommission bei Trucks, die im Fernverkehr jährlich durchschnittlich 100.000 km zurücklegen, auf 5.000 Euro Kraftstoffkosten. Die Emissionen von Treibhausgasen sollen dadurch um 7-10 Prozent zurückgehen. Außerdem könnten mit einem vergrößerten Sichtfeld des Fahrers und möglichen neuen Sicherheitsvorrichtungen jährlich 300 bis 500 tödliche Unfälle von schwächeren Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern oder Radfahrern vermieden werden, hieß es.

Begrüßt werden die Entscheidungen auch von der Internationalen Straßentransport-Union (IRU). „Der Text des Rates legt die Grundlage für konstruktive Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament“, sagte der Generaldelegierte bei der EU, Michael Nielsen. „Ich hoffe, diese werden bald beginnen. Wir vertrauen darauf, dass die achtjährige Übergangsphase für die Einführung der neu gestalteten Fahrerkabinen weiter reduziert wird.“ Es sei wichtig, dass der Industrie die richtigen Werkzeuge bereitgestellt werden, um die Umweltauflagen einzuhalten und die Verkehrssicherheit schnell zu verbessern. Außerdem seien Anreize nötig, um die Inbetriebnahme neuer umweltfreundlicher Fahrzeuge zu erleichtern. „Ich bin überzeugt, dass die Fahrzeughersteller diese Herausforderung annehmen und zeitnah passende Fahrzeuge zur Verfügung stellen“, so Nielsen. Nach Angaben der EU-Kommission ist eine Verabschiedung der neuen Bestimmungen bis Ende 2014 oder Anfang 2015 möglich.

Nicht enthalten ist allerdings eine Neuregelung für die umstrittene Erlaubnis von Fahrzeugen mit Überlänge (sogenannte Gigaliner), deren Genehmigung wohl weiterhin nur innerhalb des Hoheitsgebiets einzelner Staaten erteilt werden kann. Dass dies nicht auf den grenzüberschreitenden Verkehr ausgedehnt wird, stößt beim Deutschen Speditions- und Logistikverband (DSLV) auf Kritik: „Mit dieser Entscheidung haben sich somit die Gegner einer weitergehenden Liberalisierung beim Lang-Lkw durchgesetzt, allen voran Österreich, Frankreich und Polen“, kommentierte der Verband. Der Ministerrat folgte damit dem EU-Parlament, das der von der Kommission eingeforderten Freigabe von Grenzfahrten zuvor schon eine Absage erteilt hatte. Kritiker der überdimensionierten Lastwagen bemängeln daran wettbewerbsverzerrende Kostenvorteile zugunsten des Straßengüterverkehrs.

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