22.10.2013 //

EU und USA suchen Platz in globaler Ordnung

Friedrich Merz sagt, wo das transatlantische Verhältnis neu justiert werden muss.

Friedrich Merz, Partner bei Mayer Brown LLP und Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V.

Die Europäer sollten sich dringend über gemeinsame Ziele verständigen, sonst nehmen uns die Amerikaner auf Dauer nicht wirklich ernst, sagt Friedrich Merz. Bevor er sich am 15. November als Abschlussredner auf dem 48. BME-Symposium in Berlin zu den Herausforderungen der Außenpolitik äußern wird, zeigt der erfahrene CDU-Politiker und Vorsitzende der Atlantik-Brücke im Interview auf, wo das transatlantische Verhältnis neu justiert werden muss.

Deutsche und Amerikaner verband seit dem Ende des zweiten Weltkriegs eine besondere Beziehung. Ist das heute nur noch Nostalgie? Kann eine Organisation wie die Atlantik-Brücke heute überhaupt noch entscheidende Impulse setzen und das transatlantische Verhältnis beeinflussen?

Merz: Die Atlantik-Brücke hat heute andere Aufgaben als zur Zeit ihrer Gründung vor gut sechzig Jahren. Damals stand die Außen- und Sicherheitspolitik im Vordergrund, heute kommen Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik hinzu und der Klima- und Energiepolitik. Nach dem Ende des „kalten Krieges“ und der bipolaren Welt des Ost-/West-Gegensatzes entsteht eine neue, multipolare globale Ordnung, in der Europäer und Amerikaner ihren Platz noch suchen. Aber unverändert verbindet uns eine Wertegemeinschaft, in der Demokratie und Bürgerrechte für uns eine wichtige Rolle spielen. Wie behaupten wir uns politisch und ökonomisch auf der Welt und was können wir gemeinsam dafür tun? Diese Fragen haben an Aktualität nichts eingebüßt, und sie prägen unsere Arbeit in der Atlantik-Brücke.

Was ist aus Ihrer Sicht der bedeutendste Beitrag, den die Atlantik-Brücke in den vergangenen 60 Jahren geleistet hat?

Wir sind die älteste und traditionsreichste deutsch-amerikanische Institution in Deutschland, wir bringen Menschen zusammen aus Amerika und Deutschland. Der wichtigste Beitrag, den wir leisten, besteht in der Beständigkeit des Dialogs über den Atlantik hinweg, auch und gerade dann, wenn es Meinungsunterschiede gibt.

Wo muss heute das transatlantische Verhältnis dringend neu justiert werden?

Ich habe die Wirtschafts- und Finanzpolitik und die Energie- und Klimapolitik bereits genannt. Die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus wird uns ebenfalls noch sehr lange beschäftigen. Das wichtigste Thema für die nächsten zwei Jahre wird allerdings der Abschluss eines transatlantischen Wirtschaftsabkommens für freien Handel und gemeinsame Standards sein. Hierfür setzen wir uns besonders ein.

Das vollständige Interview lesen Sie in der in der am 8. November erscheinenden Ausgabe des BME-Mitgliedermagazins "BIP - Best in Procurement". Merz äußert sich dabei auch zum NSA-Skandal, dem Zustand der amerikanischen Gesellschaft, der Rolle der Schwellenländer und dem Protektionismus. 

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