26.01.2014 //

Golland: Rohstoffeinkauf birgt weiter Risiken

RWE setzt auf konsequente Marktbeobachtung

Frank Ossenbrink Golland: "Das normale Spiel von Angebot und Nachfrage ist durch riskante Geschäfte spekulativer Marktteilnehmer weiterhin gefährdet."

„Die Volatilität an den internationalen Rohstoffbörsen ist schwächer geworden. Das Thema ist ein Stück weit aus dem Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Allerdings kann von einer grundsätzlichen Beruhigung der Märkte keine Rede sein“, sagt Gregor Golland. Der Leiter Einkauf Rohstoffe im Konzerneinkauf der RWE Service GmbH, Köln, sieht das normale Spiel von Angebot und Nachfrage durch riskante Geschäfte spekulativer Marktteilnehmer weiterhin gefährdet. „Das Casino war nie geschlossen. Die Roulette-Kugel rollt weiter; auch die Gier ist immer noch da“, so Golland im Gespräch mit dem BME*. Eine ernsthafte Marktregulierung finde bis heute nicht statt; die Rahmenbedingungen an den Börsen hätten sich nach Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise trotz aller politischen Beteuerungen ebenfalls nicht wesentlich verändert. Deshalb sei der nächste Crash vorprogrammiert. Die Frage ist nur wann.

Politische Krisen in weiten Teilen der Welt verunsicherten viele Einkäufer; sie erschwerten auch den Zugang zu wichtigen Rohstofflagern. Terroranschläge und Kriegseinsätze seien jederzeit möglich und führten sofort zu Turbulenzen an den Rohstoffmärkten. Hinzu komme die weiter ungelöste Staatsschuldenkrise in der EU. Golland: „Ich sehe nicht, dass in den Eurokrisenländern – bis auf wenige Ausnahmen – notwendige Reformen bereits umgesetzt sind.“

RWE habe auf die immer unberechenbarer werdenden Märkte reagiert. „Die strategische Beobachtung der Rohstoffbörsen ist Teil unseres Risikomanagements. Damit können wir frühzeitig auf Kurssprünge oder drohende Verknappungen reagieren“, versichert Golland. Der 39-Jährige sammelt gemeinsam mit seinem Team aktuelle Rohstoffdaten, die dem gesamten Konzern zur Verfügung gestellt werden: „Unsere Rohstoff-Expertise führte bereits dazu, dass wir einzelne Lieferanten erfolgreich davon abhalten konnten, zu hohe Preisforderungen zu stellen. Dazu haben wir ihnen detailliert die aktuelle Marktlage geschildert, die damals von moderaten Notierungen geprägt war. Wir prüfen aber auch Handlungsoptionen, um bei Engpässen oder Verwerfungen im Markt schnell gegensteuern zu können.“ Dazu kann der RWE-Rohstoffeinkauf auf einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zurückgreifen. Zum Instrumentarium zählen unter anderem der Abschluss langfristiger Lieferverträge, das Steigern der Materialeffizienz sowie Lieferantendiversifizierung. Dabei arbeite man eng mit internen Kunden und technischen Bedarfsträgern zusammen.

Mit neun Mitarbeitern ist Gollands Abteilung innerhalb des Konzerneinkaufs für die Beschaffung zahlreicher Rohstoffe und rohstoffähnlichen Warengruppen verantwortlich. „Wir kaufen Stahlhalbzeuge, Zündöle für das Befeuern der Kraftwerke, Metalle, Tankkarten für mehrere Tausend RWE-Dienst- und Kraftfahrzeuge, technische Gase, Schmierstoffe, Baustoffe, Kalk zur Rauchgasentschwefelung sowie Sand, Kies und Holz für den reibungslosen Betrieb der Kraftwerke und Tagebaue ein.“

Die Beschaffung von Primärenergieträgern wie Kernbrennstäbe und Importsteinkohle wird von der Handelsgesellschaft Supply & Trading, Essen, verantwortet. Das Energiehandelshaus ist Schnittstelle zwischen der RWE-Gruppe und den globalen Handelsmärkten für Energie und energienahe Rohstoffe. Der Konzerneinkauf unter Leitung von Dr. Ulrich Piepel steuert jährlich ein Beschaffungsvolumen von ca. neun Milliarden Euro. Davon entfallen auf den Bereich Rohstoffe rund 140 Millionen Euro mit mehr als 20.000 Bestellpositionen.
*Das Gespräch führte Frank Rösch, BME.
 

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