GTAI-Studie: Höhere Preise für Lieferungen aus UK

Güter aus Großbritannien verlieren durch den EU-Austritt an Wettbewerbsfähigkeit. Befürchtet werden zudem längere Lieferzeiten. Der mögliche Verlust des EU-Ursprungs bei Fertigwaren beeinflusst den Handel mit Drittländern.

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In einer aktuellen Studie hat Germany Trade and Invest (GTAI) die Veränderungen der Lieferströme nach dem Brexit analysiert. Unabhängig von der Gestaltung der Austrittsregeln erwartet die staatliche Wirtschaftsförderungsgesellschaft einen Verlust von Marktanteilen britischer Hersteller. Befürchtet werden Lieferverzögerungen und Kostenerhöhungen britischer Produkte. Insbesondere mit personellen Engpässen bei der Zollabfertigung müsse gerechnet werden. Rund die Hälfte der britischen Warenexporte geht in die Europäische Union (EU). Insgesamt lieferte Großbritannien 2017 Waren im Wert von 189 Milliarden Euro in die EU.

Lieferketten kritisch prüfen

Ein weiteres Problem könnte bei einer starken Verflechtung von Liefer- und Produktionsketten einzelner Unternehmen mit der britischen Wirtschaft entstehen. Denn durch den Austritt aus der EU können die in Großbritannien hergestellten Vormaterialien keinen EU-Ursprung mehr aufweisen. Wenn nunmehr der Anteil der britischen Produkte zu hoch ist, verlieren auch die Fertigprodukte ihren EU-Ursprung. Damit können Zöllvergünstigungen, die sich aus den EU-Freihandelsabkommen mit Drittstaaten ergeben, von deutschen Herstellern nicht mehr in Anspruch genommen werden. Die GTAI weist darauf hin, dass Firmen, die beispielsweise Präferenzen im Handel mit Südkorea oder Kanada nutzen, ihre Urspungskalkulationen und Lieferketten kritisch prüfen sollten.

Je nach Entwicklung des Wechselkurses sind allerdings auch günstigere Preise für britische Vorprodukte denkbar. Denn die starken Wechselkurseffekte durch den Brexit dürften sich fortsetzen, so die GTAI. Wenn Verträge nicht auf Eurobasis geschlossen werden könnten, könnten Vertragsparteien einen Währungskorridor vereinbaren und das Risiko bei Verlassen des Korridors teilen.

Deutschland wichtiger Handelspartner

Bei den chemischen Erzeugnissen liegt Deutschland innerhalb der EU mit einer Einfuhr in Höhe von 9 Milliarden Euro vorn, gefolgt von den Niederlanden und Frankreich. Falls das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Chemikalienverordnung REACH aussteigen würde, wären verstärkte Einfuhrkontrollen infolge abweichender Branchen- und Produktsicherheitsstandards die Folge.

Auch bei Kfz und Kfz-Teilen ist Deutschland das wichtigste EU-Abnehmerland. Pro Jahr liefert Großbritannien rund 700.000 Fahrzeuge in die EU, hinzu kommen Teile wie Motoren, Bremsen und Karosserieteile. Maschinenbauprodukte sind eine weitere größere Produktgruppe. Insbesondere Frankreich und Deutschland sind hierfür wichtige Abnehmerländer für Großbritannien.

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