25.10.2013 //

Herbst 2013: Wirtschaft schaltet hoch

DIHK sieht höhere Investitionsbereitschaft und bessere Exportgeschäfte in Europa

Nachdem bereits die Bundesregierung in ihrer Herbstprojektion für 2014 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent in Aussicht stellte, hält jetzt auch der DIHK einen BIP-Anstieg in dieser Größenordnung für möglich. "Die Wirtschaft schaltet hoch", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, der die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage gemeinsam mit DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann in Berlin vorstellte. Der Aufschwung gewinne an Breite. Eine höhere Investitionsbereitschaft sowie bessere Exportgeschäfte in Europa und weltweit ergänzten den bereits regen Konsum. Die Unternehmen stockten ihre Beschäftigungspläne auf. Allerdings hätten die Unternehmen bei der Erhebung nicht nur bessere Erwartungen gezeigt, sondern sehr deutlich die bestehenden Risiken benannt, betonte Wansleben. Dazu zählten Nachfragerückschläge, Wirtschaftspolitik, Arbeitskostenentwicklung und Fachkräftemangel. Konjunkturrisiko Nummer eins sei aber der Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise. "Energie ist in Deutschland zu teuer – gerade im Vergleich zu anderen Standorten", sagte Wansleben. "Das unterstreicht den Handlungsdruck bei der Energiewende." Das EEG müsse grundlegend reformiert werden.

DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann betonte in Berlin, dass sich die Erwartungen in vielen Branchen verbessert hätten. Darin zeige sich die Breite des Aufschwungs. "In der Industrie gewinnen alle Bereiche, am stärksten die Vorleistungsgüterhersteller", so Schumann. Eine besonders deutliche Verbesserung sei beim Kraftfahrzeugbau festzustellen. "Mit der Belebung der Güterproduktion bessern sich auch die Perspektiven im Transportgewerbe", berichtete der DIHK-Chefvolkswirt. Im Einzelhandel wachse im Vorfeld des Weihnachtsgeschäfts die Zuversicht, und auch die jüngste Eintrübung beim Bau sei "für einen Herbst vergleichsweise glimpflich ausgefallen". Die Investitionsmotive zeugten ebenfalls von einer wachsenden Zuversicht in der Wirtschaft, so Schumann weiter, und der Beschäftigungsaufbau gehe in sein neuntes Jahr. "Das gab es seit den Wirtschaftswunderjahren nicht mehr."

Für das laufende Jahr rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag mit einem Wirtschaftswachstum von mindestens 0,3 Prozent.

Die wesentlichen Ergebnisse der DIHK-Konjunkturumfrage Herbst 2013:

Geschäftslage
Die Geschäftsentwicklung ist wieder aufwärts gerichtet. Die Lagebewertung der Unternehmen verbessert sich erstmals seit Frühsommer 2011 – und zwar deutlich. Die wiedergewonnene Zuversicht der Vor umfragen schlägt sich nun auch in der geschäftlichen Situation nieder. Dazu tragen das aufgehellte außenwirtschaftliche Umfeld – gerade in der Eurozone – und das günstige Konsumklima hierzulande maßgeblich bei. Die Stimmung in der Industrie, im Transportgewerbe und im Handel hellt sich spürbar auf. Besonders deutlich verbessert sich die Lagebewertung des Baugewerbes. Die kräftige Eintrübung in der ersten Jahreshälfte war durch Witterungseinflüsse verzerrt.

Geschäftserwartungen
Die Geschäftserwartungen der Unternehmen verbessern sich das dritte Mal in Folge, am stärksten in der Industrie. Die Beruhigung der Eurostaatsschuldenkrise in den zurückliegenden Monaten trägt ebenso dazu bei wie die allmählich anziehende Dynamik der Märkte außerhalb Europas. Einer stärkeren Verbesserung stehen noch zu viele Unbekannte entgegen: die weitere Entwicklung der Eurozone oder auch der künftige politische Kurs hierzulande. Das Risiko "Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen" entspannt sich noch nicht. Keine Entlastung zeigt sich auch beim größten Konjunkturrisiko – dem Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise.

Exporterwartungen
Beim Auslandsgeschäft fassen die Unternehmen neuen Mut. Die Exporteinschätzungen erreichen den höchsten Wert seit Frühsommer 2011 und übertreffen nun auch wieder ihren langjährigen Durchschnitt. Mit dem Ausklingen der Rezession in der Eurozone kommen die Ausfuhren in den Heimatmarkt Europa allmählich in Schwung. Vor neuen Herausforderungen stehen die Unternehmen in den Schwellenländern. Hier nimmt das Wachstum erst langsam wieder Fahrt auf.

Investitionsabsichten
Die Unternehmen wollen wieder spürbar mehr investieren. Nach einem ordentlichen Dämpfer im Vorjahr hatten sich viele Unternehmen lange Zeit sehr zurückhaltend gezeigt. Nun hellen sich die Absatzaussichten für In- und Ausland weiter auf. Das führt im Herbst auch wieder zu einem Anstieg der Investitionsneigung. Treiber sind geplante Kapazitätserweiterungen und Produktinnovationen. Die unverändert günstigen Finanzierungsbedingungen bieten einen guten Rahmen für eine anziehende Investitionstätigkeit. Ein Investitionsrisiko stellen allerdings die nach wie vor als schwierig eingeschätzten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen dar.

Beschäftigungsabsichten
Nach einer zwischenzeitlichen Atempause drehen die Einstellungspläne der Unternehmen merklich ins Positive. Damit gewinnt die gute Entwicklung bei der Beschäftigung wieder an Tempo. Getrübt werden die guten Aussichten bei der Beschäftigung durch den sich zuspitzenden Fachkräftemangel. Dieses Geschäftsrisiko nennen so viele Unternehmen wie bislang in keiner vorherigen Umfrage. Mehr als jedes dritte Unternehmen sieht sich bereits in den kommenden Monaten beeinträchtigt. Insbesondere in den Bereichen F&E sowie IT werden Fachkräfte händeringend gesucht.

Mehr Infos: Die kompletten DIHK-Umfrageergebnisse stehen für Sie rechts zum individuellen Download bereit.
 

Frank Rösch, BME Frankfurt
 

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