05.09.2019 //

Industrieproduktion auch im August im roten Bereich

Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) ist im Berichtsmonat mit 43,5 Punkten gegenüber Juli leicht gestiegen. Dennoch bewegt sich das wichtige Konjunkturbarometer für die wirtschaftliche Lage des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland weiter deutlich unter der 50-Punkte-Referenzlinie, ab der Wachstum signalisiert wird.

Die Industrieproduktion in Deutschland konnte ihre seit Jahresbeginn anhaltende Talfahrt auch im August nicht stoppen. Foto/Grafik: pixabay.com Die Industrieproduktion in Deutschland konnte ihre seit Jahresbeginn anhaltende Talfahrt auch im August nicht stoppen. Foto/Grafik: pixabay.com

Der Abschwung des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland hält an. Das zeigen die aktuellen Umfrage-Ergebnisse zum IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI). Mit 43,5 Punkten nach 43,2 im Juli befindet sich der PMI weiterhin im roten Bereich. Gleichzeitig liegt der wichtige Frühindikator für die Industrieproduktion der größten Volkswirtschaft Europas bereits den achten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50,0 Zählern. Angaben des englischen Finanzdienstleisters IHS Markit zufolge habe der erneut kräftige Rückgang der Neuaufträge viele Unternehmen veranlasst, ihre Produktion weiter zu drosseln und abermals beim Personal zu kürzen.

„Der deutschen Industrie ist es auch im August nicht gelungen, ihre seit Jahresbeginn anhaltende Talfahrt zu stoppen. Das belegen die aktuellen EMI-Daten“, sagte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), in Eschborn. Bedenkenswert sei zudem die Negativentwicklung des Teilindex Jahresausblick, der mit 39,1 (Juli: 43,2) Punkten regelrecht abgestürzt sei.

„Laut EMI ist die Stimmung in der deutschen Industrie weiterhin mau. Sowohl der Handelskrieg zwischen den USA und China als auch die strukturellen Veränderungen in Deutschland machen den Industriesektoren zu schaffen“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Standortfragen, Steuerbelastungen, Regulierung, Zukunftsperspektiven – dies alles sei mit einem Fragezeichen versehen. „Die Industrie ist in der Rezession. Dank der stabilen Dienstleistungen besteht die Chance, dass die Gesamtwirtschaft von einer Rezession verschont bleibt“, teilte die Helaba-Bankdirektorin dem BME abschließend mit.

„Die Unsicherheiten aufgrund des weiterhin unklaren Brexits und der globalen Handelskonflikte sorgen für Investitionszurückhaltung bei den Unternehmen. Das spüren die Zulieferer aus Deutschland derzeit deutlich in ihren Auftragsbüchern“, teilte DIHK-Außenwirtschaftsexperte Kevin Heidenreich dem BME mit. Die Abkühlung der Weltwirtschaft schlage damit direkt auf die Konjunktur in Deutschland durch. Aber auch die Herausforderungen hierzulande seien zahlreich: „Die Unternehmen geraten am Standort Deutschland zum Beispiel wegen der Belastung mit Steuern und Bürokratie immer mehr unter Druck. All das sorgt für schlechtere Geschäftsaussichten der deutschen Unternehmen“, so Heidenreich weiter.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, dem BME: „Die meisten Rohstoffnotierungen gaben im Verlauf des Augusts infolge des sich verschärfenden Handelskrieges zwischen den USA und China nach. Eine Ausnahme stellte der globale Nickelmarkt dar. Dieser stand zuletzt im Zeichen der Ankündigung der indonesischen Regierung vom 30. August 2019, ab 1. Januar 2020 keine Erze mit einem Reinmetallgehalt unter 1,7 Prozent mehr zu exportieren.“ Damit werde die Ausfuhr erheblich zurückgehen, was vor allem China treffe, das 2020 auf jeden Fall ein Angebotsdefizit aufweisen werde. „Der globale Nickelmarkt wird sogar schon 2019 ein Angebotsdefizit aufweisen. Daher hat der Nickelpreis Steigerungspotenzial, das sich über Legierungszuschläge auch auf die Preise für rostfreien Stahl auswirken kann“, so Büchner abschließend.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

Industrieproduktion: Der saisonbereinigte Teilindex Leistung notierte im August mit 45,8 den siebenten Monat hintereinander im roten Bereich. Wenngleich leicht verbessert gegenüber Juli (44,2) signalisierte dieser damit erneut einen deutlichen Rückgang der Produktion und lag in etwa auf dem Durchschnittswert der aktuellen Schrumpfungsphase. Bei den Teilsektoren verzeichnete der Vorleistungsgüterbereich zum vierten Mal hintereinander einen stärkeren Rückgang als der Investitionsgüterbereich, während der Konsumgüterbereich erneut Wachstum verbuchte.

Auftragseingang insgesamt/Export: Die August-Daten zeigen einen erneuten starken Rückgang des Auftragseingangs der Hersteller, wobei sich die Schrumpfungsrate gegenüber dem vorherigen Erhebungszeitraum sowohl bei Großunternehmen als auch Klein- und Mittelbetrieben kaum verändert hat. Vielfach wiesen die Umfrageteilnehmer auf die Zurückhaltung ihrer Kunden hin, vor dem Hintergrund politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten neue Aufträge zu erteilen. Zum wiederholten Male wurde dabei die strauchelnde Automobilindustrie besonders hervorgehoben.

Das Minus beim Gesamtauftragseingang wurde durch ein weiteres Absinken der Auslandsnachfrage untermauert. Der entsprechende saisonbereinigte Teilindex verbesserte sich mit 40,7 gegenüber dem Zehnjahrestief im Vormonat (38,2) zwar etwas, signalisierte jedoch immer noch einen starken Rückgang. Die Exportnachfrage schrumpfte damit den zwölften Monat in Folge, wobei das Minus im Vorleistungsgüterbereich am größten ausfiel.

Beschäftigung: Die Einsparungen im Verarbeitenden Gewerbe zeigten sich auch bei der Beschäftigung. So rutschte der entsprechende saisonbereinigte Teilindex im August (45,0) auf den tiefsten Stand seit Juli 2012 und damit noch tiefer in die roten Zahlen. Eine Vielzahl von Unternehmen reagierte nicht nur auf die niedrigeren Produktionsniveaus, sondern auch auf die abkühlende Konjunktur insgesamt. In den meisten Fällen wurde Personal abgebaut, indem befristete Verträge nicht verlängert oder Leiharbeiter entlassen wurden.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Der Kostendruck im Verarbeitenden Gewerbe ließ auch im August weiter nach. So sanken die Einkaufspreise bereits den vierten Monat in Folge und so stark wie seit März 2016 nicht mehr. Einige Umfrageteilnehmer berichteten, dass Zulieferer Preisnachlässe gewährten, da das Angebot in vielen Fällen die Nachfrage überstieg. Stahl war das am häufigsten genannte preisgünstigere Material, aber auch Aluminium, Kunststoff, Lösungsmittel und Drehteile verbilligten sich.

Nach dem ersten Rückgang seit fast drei Jahren im Vormonat fielen die durchschnittlichen Verkaufspreise im August erneut. Zwar beschleunigte sich der Rückgang etwas, blieb jedoch insgesamt moderat und viel schwächer als der der Einkaufspreise. Die meisten Firmen, die ihre Verkaufspreise senkten, verwiesen auf den starken Wettbewerb sowie sinkende Rohstoffkosten.

Jahresausblick: Die Umfrageergebnisse zeigen, dass viele Hersteller pessimistischer auf die kommenden zwölf Monate blicken, denn der Teilindex Geschäftsausblick sackte mit 39,1 auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnung dieser Daten Mitte 2012 ab. Die Zahl der Unternehmen, die binnen Jahresfrist mit Schrumpfung rechnen, erreichte dagegen ein Rekordhoch. Ebenso gab es noch nie weniger Firmen, die Wachstum prognostizieren. Diejenigen, die die Zukunft weniger rosig sehen, begründeten dies mit der abflauenden Konjunktur, den Handelskonflikten, der Verunsicherung vieler Kunden sowie den Problemen in der Automobilindustrie.

Über den EMI: Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des BME. Er wird vom Anbieter von Unternehmens-, Finanz- und Wirtschaftsinformationen IHS Markit mit Hauptsitz in London erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).

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