16.08.2019 //

Industrierohstoffe werden teurer

Der Rohstoffpreisindex des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) ist im Juli durchschnittlich um drei Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Hauptgrund: Die globale Unsicherheit hinsichtlich der weltweiten Konjunkturentwicklung verunsichdert die Märkte.

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Im Juli ist der HWWI-Rohstoffpreisindex durchschnittlich um 3,0 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Der Gesamtindex notiert auf einem Niveau von 112,8 Punkten, informiert das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI).

Ein Anstieg um 5,8 Prozent konnte für den Index der Industrierohstoffe verzeichnet werden, während der Index der Energierohstoffe lediglich um 2,9 Prozent  stieg. Der Index für Nahrungs- und Genussmittel fiel laut HWWI-Angaben um 0,7 Prozent, nachdem er im Juni eine deutliche Steigerung erzielte. Der Index ohne Energie stieg im Juli um 3,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und notiert bei 116,6 Punkten.

Index für Energierohstoffe: Der Teilindex ist im Juli um 2,9 Prozent auf 112,2 Punkte nach oben geklettert. Dabei erhöhte sich der Preis für Rohöl im Durchschnitt um 3,2 Prozent auf 61,77 US-Dollar pro Barrel, wobei der Preis im Monatsverlauf eher seitwärst tendierte, da die globale Unsicherheit hinsichtlich der weltweiten Konjunktur die Märkte weiter beherrsche. „Zum einen belastete der Handelsstreit zwischen China und den USA die Preise am Rohölmarkt. Zum anderen sorgte der zu-nehmende Konflikt in der Straße von Hormus für Unsicherheit in der Versorgungssicherheit der Weltmärkte, insbesondere China“ heißt es beim HWWI. Am Monatsanfang verständigte sich die OPEC über die Verlängerung der Reduktion der Fördermenge von 1,2 Millionen Barrel pro Tag bis März 2020. Diese Meldung ließ die Preise am Rohölmarkt anziehen. Im Detail war der Preisanstieg bei der US-amerikanischen Rohölsorte WTI am stärksten. Der Ausbau von Pipelinekapazitäten erhöhte den Export von US-amerikanischem Rohöl. Dadurch verringerte sich der Preisabschlag zu anderen Referenzsorten. Gegenüber dem Vormonat stieg der Preis für WTI um 5,0 Prozent. Das Rohöl aus dem Nahen Osten, die Sorte Dubai, verteuerte sich hingegen um 2,9 Prozent. Den geringsten Preisanstieg verzeichnete das europäische Rohöl der Sorte Brent. Es erhöhte sich lediglich um 2,0 Prozent.

Keine Veränderung gegenüber dem Vormonat konnte für den gewichteten Durchschnittspreis für Erdgas festgestellt werden. Die Veränderung betrug dementsprechend ± 0 Prozent, wobei das europäische Erdgas sich verteuerte, da-gegen das US-amerikanische Erdgas sich verbilligte. Der Preis für europäisches Erdgas stieg im Monatsdurchschnitt um 1,9 Prozent. Der US-amerikanische Erdgaspreis fiel um 1,2 Prozent. Um 2,9 Prozent stieg dagegen der Kohlepreis.

Index für Industrierohstoffe: Der Teilindex ist im Juli um 5,8 Prozent auf 134,5 Punkte gestiegen. Der Index für Industrierohstoffe untergliedert sich in den Index für Agrarische Rohstoffe, den Index für NE-Metalle sowie den Index für Eisenerz und Stahlschrott.

Im Juli ist der Index für Agrarische Rohstoffe um 0,3 Prozent gefallen. Der Kautschukpreis sank um 6,1 Prozent. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China belastet den globalen Handel. Die Nachfrage nach Kautschuk sank, da die chinesische Reifenproduktion gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen ist. Darüber hinaus drückte der relativ niedrige Rohölpreis auf die Kautschuk-Notierungen, da sich die Produktion vom synthetischen Kautschuk verbilligt. Schnittholz verteuerte sich um 9,2 Prozent.

Der Index für NE-Metalle stieg um 2,0 Prozent. Im Monatsdurchschnitt fielen die Preise von Zink und Zinn um je 6,1 Prozent. Die Ausweitung der chinesischen Zinkproduktion und die Wiedereröffnung der australischen Mine Lady Loretta sowie Produktionssteigerungen der australischen McArthur River Mine führten zu sinkenden Zink-preisen. Dagegen verteuerte sich Nickel deutlich. Der Nickelpreis stieg um 12,3 Prozent aufgrund geringer Lagerbestände. Der Bleipreis ging um 4,4 Prozent nach oben. Aluminium verteuerte sich um 2,1 Prozent, und der Kupferpreis zog moderat um 1,1 Prozent an.

Zum wiederholten Mal stieg der Index für Eisenerz und Stahlschrott, wobei der Anstieg mit 13,3 Prozent noch deutlicher als im Vormonat ausfiel. Seit dem ersten Quartal dieses Jahres wird das Angebot von Eisenerz durch die Auswirkungen des Grubenunglücks in Brasilien und die Nachwirkung des Cyclone Veronica in Australien eingeschränkt bei einem gleichzeitigen Nachfragezuwachs vor allem aus den asiatischen Ländern. Dem gestiegenen Eisenerzpreis steht der gesunkene Preis für Stahlschrott gegenüber. Stahlschrott wird bekanntlich für die Produktion von Stahl benötigt. Sinkende Stahlpreise lassen die Produktion von Stahl und damit die Nachfrage nach Stahlschrott sinken.

Index für Nahrungs- und Genussmittel: Der Teilindex fiel im Berichtsmonat um 0,7 Prozent auf 90,9 Punkte. Im Juli zeigte sich ein uneinheitliches Bild bei der Preisentwicklung der im Index gelisteten Rohstoffe für Nahrungs- und Genussmittel. Während die Preise für Gerste, Soja-, Kokos- und Sonnenblumenöl sowie für Tee, Kaffee und Kakao stiegen, fielen die Preise für Mais, Reis, Weizen, Sojabohnen, Sojaschrot, Palmöl und Zucker. Der Preisanstieg für Kaffee betrug im Monatsdurchschnitt 3,2 Prozent, wobei der Höchststand am Anfang des Monats erreicht wurde, die Preise im weiteren Monatsverlauf jedoch fielen. Die erwartete Nachfrage war stärker als die erwarteten Ernten, demgegenüber stehen jedoch hohe Lagerbestände an Kaffee. Moderat fiel der Preisanstieg von Kakao aus. Kakao verteuerte sich um 0,4 Prozent. Von den Getreidearten fiel die Preissenkung bei Weizen mit 5,3 Prozent am deutlichsten aus. Größere Anbauflächen und Steigerungen der Weizenernten sowie ein starker US-Dollar ließen den Preis für Weizen sinken.

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein umfassender, wöchentlich berechneter Indikator für die Preisentwicklungen auf den Weltrohstoffmärkten, der die wichtigen international gehandelten Rohstoffe enthält. Seit 1960 misst der HWWI-Rohstoffpreisindex die preislichen Veränderungen in der Rohstoffimportrechnung der Industrieländer und ist somit ein Indikator für die Kostenentwicklung bei importierten Rohstoffen.

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